Nordeifel: Zeitumstellung: Wenn der Rhythmus aus dem Takt gerät

Nordeifel: Zeitumstellung: Wenn der Rhythmus aus dem Takt gerät

Wenn in der kommenden Nacht die Uhren eine Stunde zurückgestellt werden, dann erfolgt das auch bei der Uhr im Turm der evangelischen Kirche in Monschau inzwischen automatisch durch ein Computerprogramm.

Als das Uhrwerk im Jahr 1799 im Turm der evangelischen Kirche in Monschau eingebaut wurde, war die Kirche gerade mal zehn Jahre alt und die heute häufig diskutierte Zeitumstellung noch lange Zeit überhaupt kein Thema. Schließlich gab es damals noch nicht mal eine allgemeingültige Uhrzeit.

Auch die Kühe von Landwirt Bruno Horrichs aus Mützenich, müssen sich an die Zeitumstellung gewöhnen: Deshalb wird jetzt abends etwas später und morgens etwas früher gemolken. Foto: A. Gabbert

Selbst innerhalb des deutschsprachigen Gebietes gab es Zeitunterschiede. In Monschau gingen die Uhren anders als in Aachen und in Aachen anders als in Paris, Köln oder Berlin. Um die Uhr zu stellen, orientierte man sich am Stand der Sonne.

Erst mit den Fahrplänen für Kutschen und später für die Eisenbahn wurde eine allgemeingültige Uhrzeit eingeführt. „Diese Uhr stammt noch aus einer Zeit, in der man in seiner eigenen Zeit leben konnte“, sagt Pfarrer Jens-Peter Bentzin. Damals kam es auf Minuten und Sekunden noch nicht so genau an. Deshalb hat diese Kirchturmuhr nur einen Stundenzeiger und auch die Anzeigen für Halbe- und Viertelstunden gibt es nicht.

Dieser Ursprungszustand der Uhr wurde im Rahmen der Sanierung der Kirche wiederhergestellt. Zwischenzeitlich verfügte auch diese Uhr über mehrere Zeiger. „Das Ergebnis war aber, dass die Uhr nur sehr schwer zu lesen war. Bei der Sanierung der Kirche haben wir uns dann wieder für die ursprüngliche Variante entschieden“, sagt Bentzin.

Oft wird er auf den „Fehler“ dieser Uhr angesprochen. „Die Menschen können sich nur schwer daran gewöhnen“, sagt der Pfarrer, der mit dieser Uhr noch etwas Tieferes verbindet: Sie ermahne zum Innehalten und zur Entschleunigung. „Das ist eine Entschleunigungsuhr, die lediglich einen Rhythmus in den Tag bringen sollte“, sagt er.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Dieser Rhythmus gerät bei vielen Menschen durch die Zeitumstellung durcheinander. Hauptsächlich betroffen sei das vegetative Nervensystem, sagt Dr. med. Bernhard Jung, der seine Praxis in Simmerath hat. „Das ist wie ein kleiner Jetlag.“ Betroffen seien der Schlaf-wach-Rhythmus, die Verdauung, aber auch die Kreislaufregulation.

Es könne bei entsprechend disponierten Patienten zu Blutdruckschwankungen kommen, zu Herzbeschwerden sowie zu Schlafstörungen und damit verbunden zu Konzentrationsschwierigkeiten und depressiven Verstimmungen. „Die Umstellung dauert ein bis zwei Wochen, dann sollte sich das vegetative Nervensystem umgestellt haben“, sagt Jung. Während dieser Zeit würden Ärzte nachweislich öfter aufgesucht, und es komme vermehrt zu Rettungsdiensteinsätzen. Außerdem könne es durch Konzentrationsstörungen auch öfter zu Verkehrsunfällen kommen.

Andere Melkzeiten

Aber nicht nur die Menschen werden aus ihrem gewohnten Rhythmus gerissen. „Das sind Gewohnheitstiere. Deren innere Uhr tickt exakt“, sagt Landwirt Bruno Horrichs aus Mützenich und meint damit seine Kühe. Er versucht, die Tiere auf die Zeitumstellung vorzubereiten und die lange Nacht etwas zu verkürzen. „Sonst stehen die da wie nicht abgeholt und stürmen am Sonntagmorgen den Melkstand.“ Deshalb kommt Horrichs in den Tagen vorher abends immer etwas später und morgens etwas früher in den Stall zum Melken. „Ab Dienstag, wenn ich selbst auch wieder im Rhythmus bin, läuft alles wieder normal“, sagt Horrichs.

Selbst die Wildtiere sind indirekt auch von der Zeitumstellung betroffen. Natürlich orientieren sie sich nicht an der Uhrzeit, sondern sie passen ihren Lebensrhythmus dem Tageslicht an. „Da Wildtiere aber gerade in den Dämmerungsstunden Straßen überqueren, sind sie bedingt durch die einstündige Verschiebung noch nicht an das veränderte Verkehrsaufkommen gewöhnt. Dies kann einige Tage dauern“, erklärt Bernd Roggenkamp von der Kreisjägerschaft.

Deshalb appelliert er an alle Verkehrsteilnehmer, mit Beginn der Zeitumstellung auf den Landstraßen, an Feldern vorbei und in Waldgebieten umsichtig zu fahren. Außerdem weist er darauf hin, dass bei Unfällen mit Wild die Polizei zu verständigen ist. „Die veranlasst dann ihrerseits alles, um verletztes Wild zu suchen und tote Tiere abholen zu lassen — dies erledigen dann entsprechend ausgebildete Jäger mit ihren Hunden. Zudem ist bei Schäden am Fahrzeug der Nachweis eines Haarwildunfalls für die Versicherung notwendig“, erklärt Roggenkamp.

Erstmals 1916 eingeführt

Als im Jahr 1916 während des Ersten Weltkrieges im Deutschen Kaiserreich zum ersten Mal eine Sommerzeit eingeführt wurde, geschah dies, weil man sich davon Energieeinsparungen bei der künstlichen Beleuchtung an langen Sommerabenden erhoffte und damit einen kriegswichtigen Vorteil. 1919 wurde die ungeliebte Maßnahme wieder abgeschafft. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Sommerzeit im Jahr 1940 aus ökonomischen Gründen wieder eingeführt.

In der Nachkriegszeit wurde die Zeitumstellung auf die Sommerzeit in den westlichen Besatzungszonen beibehalten, während in der sowjetischen Besatzungszone die Moskauer Zeit galt. Zudem wurde 1947 eine doppelte Sommerzeit eingeführt, während der die Uhren noch eine weitere Stunde vorgestellt wurden, um das Tageslicht maximal auszunutzen.

1949, im Gründungsjahr der beiden deutschen Staaten, einigte man sich darauf, die Zeitumstellung wieder abzuschaffen. Mit der Ölkrise 1973 begann die Diskussion aber erneut. 1980 wurde die Zeitumstellung sowohl in der BRD als auch in der DDR wieder eingeführt.

„Für mich ist das eine Milchmädchenrechnung. Was man auf der einen Seite einspart, muss man auf der anderen Seite mehr ausgeben. Ich denke, dass die Zeitumstellung keinen Effekt hat, wenn überhaupt, dann eher einen negativen“, sagt Rolf Cremer, Schornsteinfegermeister und Energieberater aus Konzen.