Eschweiler/Städteregion: Zeitlose Magie der Worte und Klänge

Eschweiler/Städteregion: Zeitlose Magie der Worte und Klänge

Worauf Eschweiler im vergangenen Jahr vergeblich gewartet hat, das wird nun Wirklichkeit. So Gott will und die Künstlerin nicht erkrankt. Am 22. Juni kommt Nina Hagen zu einem Konzert in die Indestadt. Zu einem ganz besonderen Konzert.

Nina Hagen, sagt die britische Musikzeitschrift Melody Maker, ist „Deutschlands bedeutendster Beitrag zur Popkultur seit Brecht”. Dem kann man hierzulande sicherlich nur zustimmen. Doch Nina Hagen gefällt sich nicht in Erfolgsgeschichten, ihr geht es um den roten Faden, die Wahrheit ihres Lebens, ihre innere, spirituelle Suche. Auf dieser Reise fand sie schon zu DDR-Zeiten ihren Weg zu Gott und erlebte eine unerhörte Liebesgeschichte mit Jesus - eine Lovestory, die einen Anfang hat und kein Ende haben wird. Aus dieser religiösen Liebesgeschichte heraus entstand auch ihr neues Album „Personal Jesus”, das musikalisch eine perfekte Mischung aus Rock, Blues und Gospel bietet.

Ein Leben wie ein Roadmovie

Nina Hagen ist als Persönlichkeit schwer zu fassen. Nina die „Punkröhre”, Nina der „frivole Vamp”, Nina „der Bürgerschreck”. Wer Nina Hagen wirklich ist, weiß nur sie selbst. Sie ist in jedem Fall eine Lebenskünstlerin und eine außergewöhnliche Sängerin. Nina Hagens Lebensgeschichte liest sich fast wie ein wildes Roadmovie, das in Ostberlin begann und an vielen Orten rund um den Globus spielte und noch immer spielt: Hamburg, wohin sie ihrem Ziehvater Wolf Biermann folgte, London, wo sie in die Punkszene eintauchte, Amsterdam, wo sie in einem besetzten Haus lebte, und Indien, wo sie in einem Ashram spirituelle Erfahrungen machte. Auf dieser Reise hat sie der Liebe, den Drogen und dem Tod ins Auge geschaut und fand schließlich zu ihren ureigensten Wurzeln zurück, sprich zur christlichen Religion.

Diese Wurzeln zeigen sich in bewegenden Kindheitserinnerungen. „Gehst DU etwa auch wieder weg wie all die anderen?” hatte sie Jesus einst gefragt, damals in jener Nacht, in der die Geschichte begann. Die Antwort auf diese Frage ist ihr Trost, Hoffnung und der Weg zur reinen Liebe zugleich: „Ich bin immer da. Ich war immer da und ich werde immer da sein!” Nina erzählt oft davon, wie sie mitten in einem atheistischen Umfeld bereits sehr früh auf ein verbotenes, aber faszinierendes Wesen namens Gott stieß.

Kein Wunder also, dass das neue Album ihrem Credo entsprechend „Personal Jesus” heißt und sie sich in ihrer Musik zu Jesus und seinem Bild als Verkünder der Liebesbotschaft bekennt. Das tut sie mit der Auswahl und Interpretation von Rocksongs, Gospels und Traditionals. Natürlich klingt das alles nach Nina Hagen also aufregend und rückhaltlos authentisch.

„Personal Jesus” zeugt von innerer Kraft und persönlichen Glaubensinhalten. Liebe und Frieden sind dabei die Grundkonstanten und Leitmotive, die hier zählen und die beim näheren Studium des Neuen Testaments seit je her die Wurzeln des christlichen Glaubens sind.

Songs mit Seele

„Personal Jesus” ist Musik „zur Ehre Gottes allein”. Es geht um die einzig wahre Magie der Worte und der Klänge, die nach altem Bachschem Prinzip für Gott allein gesungen werden. Darum ist es beim Gesang von Gospelmusik schon immer gegangen. Nina Hagen hat das verstanden. So singt sie unprätentiös und gradlinig. Sie singt frisch und frei wie beim fröhlichen von Cajunsounds infizierten „Gods Radar” gut zu hören ist. Sie sucht bei bluesigen Traditionals wie „Nobodys Fault But Mine” oder dem Depeche-Mode-Hit „Personal Jesus” nach der göttlichen Essenz der Songs. Ein musikalischer Höhepunkt ist in diesem Zusammenhang die Hagensche Version des bekannten Gospels „Mean Old World”.

Kratzende Gitarren und ein schleppendes Schlagzeug prägen den Sound der Nummer, zusammen mit der Stimme Nina Hagens wird die bekannte Gospelnummer zu neuen geerdeten musikalischen Ufern geführt. Dass Nina Hagen ehrlichen Blues liebt, beweist sie mit „Sometimes I Rung Up Heaven”. Mehr Seele kann ein Song wohl kaum haben. Das alles wirkt in einer turbulenten Zeit mit vielen Veränderungen angenehm anachronistisch und macht das Album zeitlos.

Nina Hagen wurde 1955 in Ostberlin geboren. Nach der mit Auszeichnung abgeschlossenen Gesangsausbildung hat sie erste Erfolge in der DDR („Du hast den Farbfilm vergessen”). 1976 folgt sie ihrem Ziehvater Wolf Biermann in den Westen, wo sie die Nina Hagen Band gründet und Dank ihrer einmaligen Stimme und ihrer umwerfenden Bühnenpräsenz große Erfolge feiert. Zwischen Punklady und Provokateurin oszillierend, etabliert sie sich als schrillster Pop-Star der Republik - und als einzige deutsche Rocksängerin von Weltruf.

Neben ihrer Musik tritt sie immer wieder als exzellente Schauspielerin in Erscheinung, zum Beispiel als böse Königin in „7 Zwerge - Männer allein im Wald”.

Weitere Informationen zu Nina Hagen finden Sie auf der Homepage www.kuk-monschau.de oder www.staedteregion-aachen.de. Karten fast zum Nulltarif gibts Ende nächster Woche

Eigentlich sollte das Konzert in der St.-Peter-und-Paul-Kirche stattfinden. Doch mit der katholischen Kirchengemeinde war leider keine Kooperation möglich, bedauert Städteregion-Kulturchefin Dr. Nina Mika-Helfmeier. Eschweilers Kulturmanager Max Krieger vermittelte daraufhin den Kontakt zur Evangelischen Kirchengemeinde der Dreieinigkeitskirche, mit deren Pfarrer Dieter Sommer dann eine Einigung über die Durchführung des Konzertes erzielt wurde: Das Konzert findet nun am Mittwoch, 22. Juni, ab 20 Uhr dort statt, auch wenn im Hinblick auf die große Nachfrage eine größere Kirche zweckmäßig gewesen wäre.

Die vollständigen Kosten für das Konzert werden von der Städteregion Aachen bzw. von Sponsoren übernommen.

Die Eintrittskartenzu dem Konzert, die für eine Vorverkaufsgebühr von 3 Euro incl. 2 Euro Spende für ein kirchliches Projekt in Eschweiler verkauft werden, können am Freitag, 13. Mai, ab 10 Uhr in der Dreieinigkeitskirche erworben werden.

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