Monschau: Wolle knüpft Verbindungen über Grenzen

Monschau: Wolle knüpft Verbindungen über Grenzen

Wolle knüpft Verbindungen, hält zusammen und knotet neue Freundschaften. Diese Erfahrungen haben jedenfalls die in der Euregio Maas-Rhein Beteiligten beim im Jahre 2004 gestarteten Projekt Wollroute gemacht.

Was klingt wie eine historische Wanderstrecke, hat den Sinn, das gemeinsame kulturelle Erbe der Wolltuchindustrie von sechs einstigen Metropolen der Wolltuchproduktion im Dreiländereck ins Bild zu rücken. Das ist durchaus wörtlich gemeint, denn im Roten Haus zu Monschau, einem herausragenden Denkmal der regionalen Tuchindustrie wurden jetzt 32 Videoclips zum Thema vorgestellt.

Mit im Boot bei der Euregio-Wollroute sind neben der Stadt Monschau auch Aachen, Euskirchen, Eupen, Verviers und Vaals. Alle diese Orte waren in der vergangenen 300 bedeutende Metropolen der Wolltuchherstellung; allein in Verviers gab es über 700 Produktionsstätten.

Die Arbeitsgruppe Wollroute machte es sich vor fünf Jahren zur Aufgabe, die besondere Gemeinsamkeit zu dokumentieren und zu vermarkten. Denkmalpfleger, Museen, Historiker, Politiker, Städtebauer und Tourismus-Fachleute arbeiteten Hand in Hand, um die Erinnerung an dieses kulturelle Erbe neu aufzuleben.

Virtuelle Stadtrundgänge

Zunächst wurde eine Broschüre herausgegeben, nun die erwähnten Videoclips, die den Medien-Gewohnheiten in der heutigen Zeit Rechnung tragen. Der Filmemacher Achim Nelles aus St. Vith produzierte die über 30 Kurzfilme, von denen eine kleine Auswahl jetzt auch im Roten Haus präsentiert wurde. Die Beiträge erzählen von der gemeinsamen Geschichte der sechs Städte, rücken die Sehenswürdigkeiten der Wolltuchindustrie und musealen Schätze ins Bild und laden so zu einem Besuch ein. Die Filme wurden in Deutsch, Französisch und Niederländisch produziert. Sie sind auf dem Videoportal „Youtube” zu finden oder stehen zum kosten Herunterladen auf der Internetseite zur Verfügung.

Auf virtuellen Stadtrundgängen begegnet der Besucher den Relikten der Tuchindustrie und kann bald ermessen, welche enorme Bedeutung diese für die gesamte Grenzregion besaß. Rund um Aachen wurden Tuche für die ganze Welt gewebt.

Highlights der Wollroute sind ohne Zweifel das Rote Haus in Monschau, die noch vollständig erhaltene Tuchfabrik Müller in Euskirchen, aber auch das Webereimuseum in Höfen.

Bei der Präsentation in Monschau freute sich Dr. Walter Hauser von der Stiftung Scheibler Museum Rotes Haus Monschau, dass es mit der Wollroute gelungen sei, ein lebendiges Netzwerk für internationale, unbürokratische, grenzüberschreitenden Zusammenarbeit herzustellen.

Als Monschauer Bürger werde man immer wieder auf das Rote Haus angesprochen, meinte Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter, wohl wissend, dass das über 250 Jahre alte Wohn- und Geschäftshaus des Monschauer Tuchmachers und Kaufmanns Johann Heinrich Scheibler „eine Marke” in ganz NRW darstelle.

Das Projekt Wollroute biete die Möglichkeit, auch noch stärker auf die Arbeitsbedingungen damaliger Zeit im Roten Haus einzugehen, so Ritter.

Georg Kremer von der Stadt Eupen bezeichnete die Arbeit der internationalen Arbeitsgruppe „Euregio-Wollroute” als Erfolgsstory. Hier seien die öffentlichen Gelder (das Projekt wurde wesentlich durch das NRW-Wirtschaftsministerium gefördert) gut angelegt, sei es doch gelungen, „die Erinnerung an ein kulturelles Erbe wachzuhalten.”

Detlef Stender vom LVR-Industriemuseum Euskirchen erläuterte dann exemplarisch einige der Filme, die „Information und Inspiration” liefern sollten. Durch die Möglichkeit des Herunterladens der Beiträge habe man eine „preiswerte und effektive” Verbreitungsmöglichkeit gefunden.

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