Simmerath: Winterruhe im hohen Norden

Simmerath: Winterruhe im hohen Norden

Auf die Frage „Wo und mit wem möchten Sie Weihnachten und Silvester feien? antworten nach aktuellen Umfrageergebnissen 80 Prozent der Deutschen „Zu Hause, mit Familie und Freunden.“ Den Rest der Bevölkerung verlockt es zur Jahreswende dagegen in alpine Skiparadiese, auf „Traumschiffe“ oder an exotische Strände. Ganz anders Hans-Jürgen Ender aus Simmerath. Den 70- Jährigen zog es ein halbes Leben lang nach Skandinavien, an wildromantische Schären und Fjorde oder zur Einsamkeit des Polarlichtes.

Seit 1970 hat der gebürtige Bonner, meist um die Weihnachtszeit 20 Nordlandreisen unternommen, stets mutterseelenallein in fast ewiger nordeuropäischer Winter-Dunkelheit, „aber nie einsam“, wie er versichert, auch wenn er 3000 Kilometer von der Heimat entfernt war“.

Hans-Jürgen Ender erlebte die überwältigende Landschaft in Island oder auch eine tobende Sturmnacht an Bord eines Schiffes bei Windstärke 12 vor der Insel Gotland.

Er hat nicht eine Meile seiner Trips bereut. Seine größte und wohl lebenslang dauernde Liebe aber gehört absolut Lappland: „Die unberührte Weite ist einzigartig, hier lauschte ich der friedlichen Stille einer für mich individuell Heiligen Nacht.“ Die Begegnung mit den Einwohnern Lapplands habe ihn für immer geprägt.

Ender besuchte auch Kilpisjärvi, den bekannten Grenzort zu Norwegen. Hier erlebte er glückliche Momente: „Ich blickte zum ersten Mal auf das Polarlicht und konnte mich nicht sattsehen, es war ein Wintermärchen.“ Es herrschten exakt 32,2 Grad Minus.

Ein denkwürdiges Erlebnis der besonderen Art war auch Enders Visite im finnischen Rovaniemi. Hier durchstreifte er bei minus 25 Grad das nahe Weihnachtsdorf Santa Claus.

Hans - Jürgen Ender hat manchen langen Winterabend im Norden mit Lektüre eines guten Buches verbracht. Langeweile kam nie auf. Er ist überzeugt, „dass die Wurzeln meiner Passion für Skandinavien in Eifelerde ruhen“.

Lange in der Jugendherberge

Ender kam mit seinen Eltern Reinhard und Margarete 1951 nach Simmerath, der Vater war Kulturbaumeister des Kreises. Er selbst arbeitete nach seiner Ausbildung als Erzieher mit Behinderten eines Bopparder Heimes, ehe er 1985, bis zur Pensionierung im Jahr 2005, als Wanderführer in einem Rahmen eines Pilotprojekts in der Hargarder Jugendherberge im Jugendherbergswerk Rheinland angestellt wurde. In dieser Funktion machte Ender tausende auswärtige Eifelgäste, insbesondere Schüler, mit den Besonderheiten der hiesigen Landschaft, vor allem dem Hohen Venns, vertraut.

Auch heute noch zieht es den unternehmungslustigen Rentner immer noch auf Nordkurs, allerdings bleibt er in den Landesgrenzen. Das Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven und das dort angesiedelte Alfred — Wegener — Institut für Polar- und Meeresforschung gehören zu seinen Zielen.

(M. S.)
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