Roetgen/Aachen: Windrad-Standorte besser überregional festlegen?

Roetgen/Aachen: Windrad-Standorte besser überregional festlegen?

Kaum, dass man den Gehweg neben der Himmelsleiter verlassen und in den Wald abgebogen ist, verliert sich das Geräusch der 18.000 Fahrzeuge, die täglich über die breite Asphaltschneise zwischen Relais Königsberg und Marienbildchen rauschen.

Schon nach wenigen Minuten ist im dichten Laubwald kaum noch ein Geräusch von der B 258 zu vernehmen. Dass ausgerechnet in diesem Waldstück einmal 10 Windräder von je 185 Meter Höhe gebaut werden sollen, ist für die Roetgener Bürgerinitiative zum Erhalt des Aachener Münsterwaldes an der Himmelsleiter überhaupt nicht vorstellbar. Die Initiative hat zwischenzeitlich 2500 Unterschriften gesammelt, um die Baupläne der Stadt Aachen, zu verhindern, hier mitten im Münsterwald an der Peripherie des Stadtgebietes, einen Windpark zu errichten.

Auch wenn die Bürgerinitiative inzwischen gesamtpolitischen Gegenwind als Folge der neuen Energiediskussion verspürt, ist sie fest entschlossen, gegen das alternative Energiegewinnungsprojekt an diesem Stadtort zu kämpfen. Unterstützung erhielten die Gegner jetzt einmal mehr von der FDP. Nachdem die Bürgerinitiative im März der Bundestagsfraktion der Liberalen in Berlin ihr Anliegen vorgetragen hatte (auch der Alsdorfer CDU-Abgeordnete Helmut Brandt war informiert worden) schaute sich die FDP-Bundestagsabgeordnete Gabriele Molitor (Euskirchen) die Situation vor Ort an. Joachim Kreitz von der Bürgerinitiative hob noch einmal hervor, dass niemand der Gegner generell die Windenergewinnung ablehne, wohl aber den ins Auge gefassten Standort, „17 Kilometer von der Stadt Aachen entfernt.” Er und weitere Vertreter, sehen dazu die einzigartige und schützenswerte Fauna und Flora massiv bedroht. Schließlich würden pro Windrad rund 3000 Quadratmeter Waldfläche benötigt, abgesehen von den riesigen Trassen. Joachim Kreitz: „Das ist reiner Gigantismus.”

Auch für Gabriele Molitor, stellte sich bei der anschließenden Waldbegehung sogleich die Frage, warum die Stadt Aachen ausgerechnet den Standort Münsterwald favorisiere. Dazu erläuterte Peter Blum, umweltpolitischer Sprecher der FDP Aachen, dass an anderen Standorten im Stadtgebiete beträchtlicher Widerstand zu erwarten sei; außerdem sollte man die 30.000 Euro, die die Stawag als Bauherr pro Jahr und Anlage kassiere, nicht unterschätzen. Für alternative Standorte, beklagte die Bürgerinitiative, habe sich die Stadt Aachen. bisher nicht gesprächsbereit gezeigt. Die Standortfrage aber, so betonten die Roetgener Gegner des Windparks Münsterwald, werde immer mehr in den Blickpunkt rücken. Der Forderung, dass „geeignete Standort” überregional festgelegt werden werden sollten statt von den einzelnen Kommunen, fand auch die volle Unterstützung von Gabriele Molitor. Nur so könne man der Gefahr der Kirchturmpolitik vorbeugen.

Die FDP-Bundestagsabgeordnete sagte der Bürgerinitiative für deren Anliegen weiterhin Unterstützung zu: „Wir wollen alle die Energiewende. Wir müssen aber immer schauen, wie hoch die Effektivität und wie massiv die Eingriffe sind.”

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