Nordeifel: Windpark: „In Roetgen kocht die Volksseele”

Nordeifel: Windpark: „In Roetgen kocht die Volksseele”

„Ist das wirklich so prickelnd?” Hartmut Becker, Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DeHoGa), findet es wie viele seiner Kollegen „nicht gerade gut”, dass am „Tor zur Eifel” in Roetgen auf Aachener Stadtgebiet wahrscheinlich ein großer Windpark entsteht.

Im „Dicken Engel” in Roetgen trafen sich Vertreter des DeHoGa mit Klaus Meiners, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Umwelt der Stadt Aachen, zum Gedankenaustausch. „In Roetgen kocht die Volksseele”, beschrieb der stellvertretende DeHoGa-Vorsitzende Stamos Papas die Stimmung im Ort, wo die Menschen „direkt betroffen” seien.

Artenschutzgutachten

Doch auch über Roetgens Gemeindegrenzen hinaus befürchten Gastronomen, Hoteliers und Pensionswirte, dass künftig Gäste ausbleiben, weil die bis zu 185 Meter großen Windmühlen das erhoffte Bild von der unberührten, idyllischen Natur in der Eifel zerstören. Überdies werde den Bewohnern der Region mit dem Windpark „ein Stück Heimat genommen”.

Klaus Meiners sah das Thema weniger emotional, sondern eher bürokratisch-nüchtern, auch wenn er bekannte, dass der Faktor „Heimat” ein wichtiger sei, den man nicht außer Acht lassen dürfe. Vier Flächen im Stadtgebiet Aachen stehen laut Meiners zur Debatte, um dort Windkraftanlagen zu errichten, ein Wunsch der schwarz-grünen Ratsmehrheit und eine Notwendigkeit angesichts der absehbaren Endlichkeit vorhandener Ressourcen wie Kohle oder Erdöl.

Erst im Sommer wird man in Sachen Münsterwald klar sehen. Dann nämlich soll das Artenschutzgutachten mit Blick auf einige Vogelarten und Fledermäuse vorliegen, erstellt von „namhaften Experten”. Sollte es auf diesem Gebiet Probleme geben, habe sich das Thema Münsterwald ohnehin erledigt.

Sollte diese Hürde jedoch genommen werden, dann, so Klaus Meiners, „werden wir es uns nicht erlauben können, auf diese große Fläche zur Windenergieerzeugung zu verzichten”. Angesichts der Vorgaben und der Erfordernisse „müssen wird jeden Quadratmeter, der geeignet ist, nutzen”, so der Aachener Verwaltungsfachmann.

„Seriöse Prüfung”

Vor einem Beschluss gebe es nicht nur eine Abstimmung mit der Städteregion, sondern auch eine „seriöse Prüfung” aller Aspekte. Das gelte vor allem für die Belastungen, die von den Anlagen für Mensch, Tier und Umwelt ausgehen würden.

Die Lärmbelästigung des vorgesehenen modernen Anlagentyps beispielsweise, so Meiners, sei nicht höher, als wenn man einen Kühlschrank vors Fenster stelle. „Ich bin nicht sicher, ob das in Roetgen überhaupt jemand hört.”

Immer mehr kristallisierte sich heraus, dass sich das Problem letztlich auf die Frage der Optik reduziert, ein wichtiger Aspekt, der allerdings mit Sachargumenten nicht zu knacken ist, weil er subjektiv und emotional gesteuert wird. Deshalb wirkten die DeHoGa-Vertreter am Ende des gut anderthalbstündigen konstruktiven Meinungsaustauschs eher skeptisch.

Doch war Zufriedenheit auch nicht der Sinn der Zusammenkunft. „Wir wollten uns sachkundig machen”, so Stamos Papas, „und wir werden im Verlaufe des Verfahrens noch ausführlich Stellung nehmen. Der Tourismus in der Eifel wird aber mit Sicherheit nicht zusammenbrechen, wenn der Windpark kommt, auch wenn er das Landschaftsbild unverhältnismäßig dominieren wird.”

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