Höfen: Windpark Höfen-Brath: Offener Brief an Enercon

Höfen: Windpark Höfen-Brath: Offener Brief an Enercon

Windkraft und Naturschutzgebiete - eine schwierige, wenn nicht gar unmögliche Nachbarschaft.

Auf „einen nach unserer Einschätzung unglaublichen Naturfrevel” machen das Bürgerforum 21 Monschau und die Bürgerinitiative „Binse”in Person von Roland Thimm und Helmut Jakobs jetzt in einem offenen Brief an den hauptgeschäftsfügrer der Enercon GmbH in Aurich aufmerksam. Enercon errichtet den Windpark in Höfen-Brath.

Nach Informationen von Bürgerforum und „Binse” ist Enercon nicht nur Anlagenlieferant, sondern, neben Solarworld/Windworld in Bonn, auch Hauptbetreiber dieses Windparks.

„Sie und Ihre Firma wären, da sie hier doppelt profitieren wollen, damit nach unserer Meinung allerdings auch doppelt verantwortlich für das, was nun einer uralten Kulturlandschaft und mehreren wertvollen Naturschutz- und FFH-Gebieten möglicherweise angetan werden wird”, schreiben Thimm und Jakobs.

„Nach unseren Informationen möchten Sie in Monschau, nach den ursprünglich geplanten E-66 Anlagen mit jeweils 1,5 MW Leistung, nun sogar 13 Stück der wesentlich größeren E-66 Anlagen mit 1,8 MW Leistung und 70m Rotordurchmesser errichten.

Alle Anlagen sollen, da sie sich in einer Tiefflugzone befinden, einen rot-weißen Warnanstrich erhalten. Ob sie dann auch noch alle zusätzlich ein Stroboskop-Warnlicht erhalten müssen, wie alle Anlagen in der Region, kann wohl auch noch nicht ausgeschlossen werden.”

„Wie eine Lanze im geplanten Nationalpark”

Die Kritiker machen Enercon darauf aufmerksam, wo sie hier eigentlich bauen: Im zweimaligen, gerade wegen seiner einzigartigen Heckenlandschaft prämierten, „Bundesgolddorf” Höfen, in einem Landschaftsschutzgebiet, direkt angrenzend an bedeutende Naturschutz- und FFH-Gebiete, wie die mit Millionen an Spendengeldern der Naturschutzstiftung NRW geretteten „Narzissentäler”.

Wahrscheinlich rage der Windpark außerdem schon sehr bald „wie eine Lanze in den geplanten Nationalpark Eifel hinein.”

„Bei allem Verständnis für die dringend notwendigen Versuche zur Lösungen unserer Menschheitsprobleme, zu denen sicher auch ein wirksamer Klimaschutz gehört: Wo bleibt hier, angesichts der mehr als bescheidenen Rolle der Windkraftnutzung im deutschen Binnenland, die gebotene Einhaltung des unabdingbaren Grundsatzes der Güterabwägung?”, fragen Thimm und Jakobs.

Auch wenn man ausgezogen wäre mit dem löblichen Vorsatz, die Welt retten zu wollen - „gründlicher und brutaler als in diesem Fall hier kann man ein so wertvolles Naturkleinod wie das Monschauer Heckenland und die Narzissentäler nicht entwerten.”

Bürgerforum und Bürgerinitiative sprechen den Enercon-Geschäftsführer Aloys Wobben insbesondere als Träger des „Deutschen Umweltpreises” an, den er im Jahr 2000 erhalten hat, „da wir der Überzeugung sind, dass ein so bedeutender Umwelt-Preis nicht nur Ehre, sondern auch Verpflichtung bedeutet.”

„Wir gehen davon aus, dass Sie bisher noch nicht über die regionalen Bedingungen und die fatalen Konsequenzen ihres Firmenengagements im Luftkurort Monschau informiert waren; denn sollten Sie in voller Kenntnis der Gegebenheiten dieses in unseren Augen ungeheuerliche Projekt betreiben, gäbe es nach unsrer Meinung nur eine einzige Konsequenz: Geben Sie bitte umgehend ihren Deutschen Umweltpreis 2000 wieder zurück, Herr Wobben!”

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