Aachen: Weniger Verletzte, aber mehr Tote

Aachen: Weniger Verletzte, aber mehr Tote

Die jüngste Meldung der Polizei stammt vom Dienstagmittag: Mit leichten Verletzungen kam ein 45-jähriger Motorradfahrer in Baesweiler davon, nachdem er mit einem Auto zusammengestoßen war, einen Stacheldrahtzaun durchfuhr und auf einer Wiese liegen blieb.

Einen Tag zuvor hatte es einen 29-jährigen Biker laut Polizeibericht weniger glimpflich getroffen. Er war in einer Gruppe unterwegs, als er zwischen Lammersdorf und Rollesbroich stürzte, in einen Graben rutschte und schwer verletzt auf einer Weide landete.

Zwei von zahlreichen Motorradunfällen, die sich jedes Jahr auf den Straßen in der Städteregion zwischen Baesweiler und Monschau, Aachen und Eschweiler ereignen. 2008 waren es 174, im vorigen Jahr 167. Und in diesem Jahr scheint sich der positive Trend fortzusetzen. „Bei den Unfällen mit leicht oder schwer verletzten Personen verzeichnen wir bislang generell einen Rückgang - bei Autos und Motorrädern gleichermaßen”, sagt Polizeisprecher Michael Houba. Und auch die Zahl der getöteten Menschen im Straßenverkehr ist rückläufig. Verloren 2009 insgesamt 16 Menschen ihr Leben bei Verkehrsunfällen, sind es in diesem Jahr laut Polizei bisher sechs. Dennoch muss Houba einen Ausreißer vermelden: Im vergangenen Jahr starben bei Verkehrsunfällen zwei Motorradfahrer, in diesem Jahr sind es schon drei.

Houba ist indes vorsichtig beim Bewerten dieser Zahlen. Zu kurz ist der Zeitraum, zu groß die Möglichkeit saisonaler Schwankungen für den Vergleich mit anderen Halbjahren. Und so gibt die Aachener Polizei - anders als der frühere NRW-Innenminister Ingo Wolf noch vor einigen Wochen für die ersten sechs Monate des Jahres 2010 - keine Halbjahresbilanz heraus. „Einige Faktoren sind einfach schwer beeinflussbar”, sagt der Polizeisprecher beispielsweise mit Blick auf das Wetter und auch die Ursachen für Motorradunfälle. Natürlich sind überhöhte Geschwindigkeit sowie das Überholen im Überholverbot zentrale Gründe. „Doch ein Zweiradfahrer wird ohne sein eigenes Verschulden auch schneller übersehen”, gibt Houba zu bedenken.

Wobei der Polizeisprecher betont, dass sich die Appelle seiner Behörde zum Auftakt der Motorradsaison sowie die Kontrollen bemerkbar gemacht hätten. Letztere wurden im Frühjahr 2007 deutlich verschärft. Bei frühlingshaften Temperaturen im Februar und Sommergraden im Mai waren damals in den ersten fünf Monaten gleich fünf Motorradfahrer tödlich verunglückt. Danach griffen die Ordnungsbehörden rigoros durch. Mit Erfolg. „Die Szene hat sich beruhigt”, sagt Houba. Wobei auch er weiß, dass es unter den vielen Vernünftigen nach wie vor einige Unbelehrbare gibt.