Nordeifel: Weltpremiere der Eifeler Bauchtänzerinnen

Nordeifel: Weltpremiere der Eifeler Bauchtänzerinnen

Der Bauchtanz stammt nicht aus der Eifel, aber er hat hier seinen festen Platz. Mit den Jahren ist in der Region eine eigene Bauchtanz-Kultur entstanden, und die Anhängerinnen dieser Form des orientalischen Tanzes sind zahlreich. Jetzt haben es Eifeler Bauchtänzerinnen sogar bis in die Bundeshauptstadt geschafft.

Bei den 63. Internationalen Filmfestspielen in Berlin, der Berlinale (7. bis 17. Februar), wird am Freitag, 15. Februar, der Dokumentarfilm „Die mit dem Bauch tanzen“ uraufgeführt. Autorin des 74-minütigen Streifens ist die aus Steckenborn stammende Filmemacherin Carolin Genreith (28), die mit ihrem Debut gleich bei einem der weltweit populärsten Filmfestivals vertreten ist.

Filmemacherin mit persönlichem Blick auf die Heimat: Carolin Genreith. Foto: Philipp Baben der Erde

Wenn man als Frau in die Wechseljahre kommt, dann stirbt mit dem Blick in den Spiegel meist auch die Hoffnung auf ein Altern in Schönheit: Davon ist Carolin Genreith überzeugt und dementsprechend irritiert, als sie in ihre Heimat, die Nordeifel, zurückkehrt, und dort den Bauchtanz als das neue Hobby ihrer Mutter entdeckt. Ihre Mutter und ihre Freundinnen ziehen einmal in der Woche ohne Hemmungen ihre bunten Kostüme an und werden wild. Sie lassen ihre Hüften kreisen, und dabei strotzen sie auch noch vor Selbstbewusstsein.

Das ist der Stoff für den Film. Die Regisseurin nähert sich als neurotische Vertreterin ihrer Generation ihrer eigenen Mutter und zwei ihrer Freundinnen in persönlichen Porträts an und lernt drei unterschiedliche Lebensmodelle kennen. Mit der Regisseurin lernt der Zuschauer die Frauen und die gemeinsame Lebensphase sehr gut kennen.

Auch auf ihre Heimat, die ein zwiespältiges Gefühl bei ihr hinterlassen hat, wirft Carolin Genreith noch einmal einen Blick: Ist das hier wirklich so schlimm, wie sie als Jugendliche dachte? Oder könnte sie hier sogar vielleicht das finden, wonach sie in ihrer Wahlheimat Berlin seit Jahren vergeblich sucht? Carolin Genreith hat bereits ihre Antwort gefunden, wie sie im Gespräch mit der Lokalredaktion erzählt: „Die Beziehung zu meiner Heimat ist immer besser geworden, je länger ich weg war. Inzwischen sehe ich die Eifel als eine andere, aber schöne Welt.“

Für die Frauen nähert sich unterdessen wieder der Höhepunkt des Jahres: Der Bauchtanz-Auftritt auf den Straßen von Paris. Und in der Stadt der Liebe lässt sich die Regisseurin davon überzeugen, dass bauchtanzend das Älterwerden gar nicht mehr so schlimm ist.

Die Regisseurin Carolin Genreith porträtiert in ihrem sehr persönlichen Erstlingswerk ironisch wie liebevoll ihre Muttergeneration und — nicht zuletzt — auch ihre eigene Generation, ihre Sehnsüchte und Ängste und ihre Suche nach Heimat.

Der Film, der bereits im Fernsehen bei Westart (WDR) und in der Kulturzeit (3sat) vorgestellt wurde, bezieht seinen sehr persönlichen und ehrlichen Charakter auch von der Tatsache, dass die Autorin bei den 19 mitwirkenden Frauen der Gruppe eine großen Vertrauensvorschuss besaß, selbst wenn diese in der Nachbetrachtung meinten, dass der Ausflug nach Paris ein wenig zu kurz gekommen sei.

„Ich bin ganz aufgeregt“, freut sich Carolin Genreith auf die Weltpremiere am Freitag, zumal sie nie damit gerechnet hatte, dass der Film bei der Berlinale läuft. „Ich wollte eigentlich nur einen kleinen Film machen“, sagt sie, doch dann wurde aus der Bauchtanznummer eine große Geschichte. „Die mit dem Bauch tanzen“ sollte ein 45-minütiger Film für das WDR-Format „Menschen Hautnah“ über die Tücken der Wechseljahre werden, doch dann wurde daraus ein sehr persönlicher Heimatfilm, ein Sehnsuchtsfilm, ein Erwachsenwerden-Film.

Die Produktion, die im Auftrag des WDR entstand und von der Film- und Medienstiftung NRW gefördert wurde, ist nun in Berlin in der Reihe „Perspektive Deutsches Kino“ zu sehen.

„Die Eifel ist meine Heimat. Das wollte ich eigentlich nie wahrhaben, vor allem nicht, als ich selbst dort gelebt habe. Ich wollte nichts zu tun haben mit den Kühen auf den Wiesen und dem Schützenverein, mit dem Karneval, wo sich alle betranken. Erst nach Jahren habe ich gemerkt, dass es für mich doch so etwas gibt wie ein Heimatgefühl.

Plötzlich hatte die Stagnation der Nordeifel, die immer gleichen Feste, die Eintönigkeit, die Tratscherei der Dorffrauen an der Fleischtheke etwas ungeheuer Rührendes. Weil die Welt der Nordeifel so klein ist. Weil meine Mutter Frikadellen und Kartoffelpüree für mich kocht, Apfelkuchen backt und alles riecht und schmeckt und aussieht wie in den ersten Erinnerungen meines Lebens,“ erzählt Carolin Genreith über die Entwicklung einer veränderten Beziehung zu ihrer Heimat.

Einen Film über ihre Heimat habe sie schon lange machen wollen, und bei einem Heimaturlaub im Sommer 2010 entdeckte sie dann die Bauchtanzgruppe ihrer Mutter: „Mir fiel auf, mit welchem Selbstbewusstsein die Frauen sich selbst im Spiegel ihres Probenraums beim Tanzen ansehen konnten. Ich konnte das nicht. Die Frauen verzauberten mich damals innerhalb von Minuten und ich dachte, wenn man nur einen Bruchteil ihrer Energie in einem Film transportieren kann, wird das eine gute Sache.“

Gleichzeitig ist Carolin Genreith aber auch überzeugt davon, dass hinter der ganzen Energie, dem Tanzen und dem Sekt-Trinken auf die ewige Jugend eine ganz tiefe Angst steckt. Die Mischung dieser Eindrücke fand sie bei der allerersten Tanzprobe so interessant, dass sie ihrer Mutter voller Überzeugung eröffnete: „Ich mache einen Film über euch“.

Bei der Arbeit geriet die Autorin ans Nachdenken, „als meine Mutter mir erzählte, dass sie erst jetzt, in ihrem zweiten Leben, wirklich glücklich und bei sich ist. Diese Parallele, die mich gleichzeitig berührt, macht mir Hoffnung, dass ich mit dem Älterwerden auch zufriedener werden kann.“

Der Dokumentarfilm „Die mit dem Bauch tanzen“ wird am Freitag, 15. Februar, um 19.30 Uhr im Cinemaxx 3 (Wiederholung am 16. Februar, 20.30 Uhr, Cinemaxx 1), Potsdamer Platz gezeigt. Ab 21.30 Uhr am Freitag schließt die Premierenparty im „Le Cercle Rouge“ in Berlin an.

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