Roetgen: Weitere Hotelketten sollen die Nordeifel entdecken

Roetgen: Weitere Hotelketten sollen die Nordeifel entdecken

Als der Unternehmer Stamos Papas vor genau 20 Jahren am Roetgener Postweg seinen Saunabetrieb eröffnete, konnte er nicht ahnen, dass der vor der Gebäudefront verlaufende Postweg und die den rückwärtigen Teil des Geländes abschließende, soeben stillgelegte Vennbahnstrecke einmal ein Glücksfall für ihn sein würden.

Auf dem Postweg verläuft heute auf gut 100 Meter Länge der im Jahr 2007 eröffnete Premiumwanderweg Eifelsteig, und die rostigen Gleise der Vennbahn wurden im Jahr 2013 durch einen komfortablen grenzüberschreitenden Fahrradweg abgelöst. Wandern ist inzwischen für alle Altersgruppen zum Volkssport geworden, und Radfahren in der Eifel befindet sich ebenfalls auf dem besten Wege zu einer der liebsten Freizeitbeschäftigungen. Besser hätte es für die Roetgen-Therme und den integrierten gastronomischen Betrieb nicht laufen können, auch wenn durch diese Eingrenzung die Expansionsmöglichkeiten des 5000 Quadratmeter großen Komplexes mit dem angeschlossenen Hotel „Am Eifelsteig“ begrenzt sind.

Die Entwicklung in den zurückliegenden Jahren hat den 67-jährigen Saunabesitzer daher auch immer wieder zu neuen Investitionen ermutigt, so auch in diesem Jahr. Für die rund 70 000 Besucher jährlich wurde jetzt auch ein neues sportliches Angebot geschaffen.

Seit der Eröffnung des Eifelsteigs (die erste Etappe führt über 16 Kilometer von Kornelimünster nach Roetgen) hat der Durchfahrtsort an der B 258 auch ein größeres Stück vom Kuchen der Naherholungssuchenden, die es in die Nordeifel zieht, erhalten. „Am Wochenende und in den Ferien nehmen über die Hälfte der Besucher mehr als 50 Kilometer Anfahrtsweg in Kauf, um die Roetgen-Therme zu besuchen“, sagt Stamos Papas, der auch zunehmend Besucher aus den Niederlanden, Belgien und verstärkt aus dem Kölner Raum begrüßen kann. Auch als Arbeitgeber in der Gemeinde Roetgen ist die Therme mit 35 Beschäftigten durchaus zu beachten.

„Wellnes-Region Aachen/Eifel“

Von 2016 auf 2017 kamen laut Papas in den bei Saunagästen sehr beliebten Herbstferien 30 Prozent mehr Besucher in die Therme, was den Geschäftsmann dazu beflügelt, inzwischen von der „Wellness-Region Aachen/Eifel“ zu sprechen. Nun kennt man auf dem Lande die Berührungsängste der Kaiserstadt, aber das Eis schmilzt langsam. Das kann auch Björn Jansen, Geschäftsführer der Aachener Carolus-Thermen bestätigen. Er erkenne erste Bemühungen, den reinen Stadttourismus mit Angeboten in der Eifel zu verknüpfen, „auch wenn sich die Stadt Aachen hier noch bewegen muss“, ergänzt Jansen, der selbst mit gutem Beispiel vorangeht und messbare Erfolge durch die kürzlich aufgenommene Kooperation der beiden Sauna- und Wellnessbetriebe in Aachen und Roetgen sieht. Man besuche gemeinsam andere Thermen und führe einen regen Austausch über Saunatechnik und Marktentwicklungen. Auch spreche man gegenüber Gästen gegenseitig Empfehlungen aus zum Besuch von Betrieben in der Region Aachen.

Dass die Roetgen-Therme eine wichtige Rolle bei der touristischen Entwicklung der Region Eifel spielt, kann auch IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting, dort zuständig für Strukturentwicklung und Tourismusförderung, bestätigen. Bei einem Besuch in Roetgen betonte er, dass ständige Investitionen zur Attraktivitätssteigerung der Region wichtig seien. Die gesamte Kette des Angebots, von der Buchung im Internet bis zum Aufenthalt vor Ort, müsse funktionieren. „Dann geht die Rechnung auf.“

Herausforderung und Impuls

Die für die Zukunft geplanten, weiteren investiven Aktivitäten der Roetgen-Therme stellen Geschäftsführer Stamos Papas vor eine große Herausforderung. Viele Jahre kämpfte er um das Baurecht für einen Hotelkomplex an der Bundesstraße, der direkt mit der Therme verbunden werden soll. Diese Voraussetzungen sind seitens der Baubehörde zwar jetzt geschaffen, aber ein Baubeginn für das geplante 100-Zimmer-Hotel lässt noch auf sich warten. Ein renommierter Projektentwickler hat inzwischen eine Marktuntersuchung gestartet, Papas ist überzeugt davon, dass ein Unterkunftsbetrieb dieser Größe in Roetgen wirtschaftlich Bestand hätte, aber das größere Problem sieht er darin, einen Hotelbetreiber zu finden. Noch ist es so, dass die großen Hotelketten ein bestimmtes Auswahl-Raster anlegen, dass sich an Einwohnerzahlen und der Struktur des Umfeldes orientiert. In dieses Raster passt die Nordeifel bislang noch nicht hinein. Immerhin erkennt Stamos Papas aber inzwischen etwas mehr Bewegung auf dem Markt. Ein bemerkenswertes Beispiel ist für ihn der Betreiberwechsel beim Carat-Hotel in Monschau, das kürzlich von der Hotelkette Michel übernommen wurde. In diesem Wechsel sieht Papas einen hoffnungsvollen Impuls, „dass auch noch weitere Hotelketten die Nordeifel entdecken“. Wenn der erste Schritt in dieser Richtung erst einmal erfolgt sei, dann könnte dies einen Schub von Investitionen, auch in den Nachbarkommunen Simmerath und Monschau, auslösen.