Monschau: Weißer Rauch für die Schulen

Monschau: Weißer Rauch für die Schulen

Drei Grundschulen mit fünf Standorten sind es heute — zwei Grundschulen und ein Nebenstandort werden es spätestens ab dem Schuljahr 2017/18 in der Stadt Monschau sein. Auf diesen konsensfähigen Vorschlag hat sich vergangene Woche die Schulentwicklungswerkstatt für die Zukunft der Grundschullandschaft in der Stadt Monschau verständigt.

Ein wenig hatte es schon etwas von Konklave, die Schulentwicklungswerkstatt vergangene Woche in der Monschauer Hauptschule. Zwar stieg am Ende der Beratungen weißer Rauch allenfalls aus den Köpfen der Akteure oder aus der ersten „Zigarette danach“ auf, aber die zweitägige intensive Klausur, die erlesene Diskussionsrunde und ein Ergebnis von großer Tragweite erinnerten schon ein wenig an die Papstwahl. Die Rolle des Kardinaldiakons, also des Verkünders oblag nach getaner Arbeit Willi Beckers, der im Auftrag des Bildungsbüros der Städteregion Aachen gemeinsam mit Ali Döhler die zweitägige Meinungsfindung moderiert hatte.

Es war auch für die Profis vom Bildungsbüro, die bereits ähnliche Prozesse in Aachen, Stolberg oder für die Förderschulen begleitet haben, „eine ganz besondere Aufgabe, hier einen Kompromiss für die Zukunft des Primarbereichs in der Stadt Monschau zu suchen und finden“, wie Ali Döhler bekannte. Besonders auch deshalb, weil man „nie zuvor ein derart breites und intensives Interesse der Eltern an einer Beteiligung erlebt“ habe.

Müht man sich anderenorts darum, interessierte und kompetente Eltern für die Mitsprache zu gewinnen, entbrannte in Monschau bekanntlich ein regelrechter Konkurrenzkampf um die zunächst 39 und schließlich sogar 41 Plätze in der Schulentwicklungswerkstatt. Hier fühlten sich Dörfer unterrepräsentiert, dort Eltern, und wieder andere hätten gerne noch mehr Profis, sprich: pädagogische Vertreter in der Runde gesehen. „Im Nachhinein war das Geschacher um die Werkstatt-Sitze überflüssig“, bekannten die Akteure geschlossen beim Abschlussgespräch.

Denn die zweitägigen Beratungen erbrachten am Ende ein deutliches Meinungsbild zugunsten einer Lösung mit zwei Hauptstandorten und einer „Filiale“. 30 von 35 abgegebenen Meinungen — Schulträger und Schulaufsicht stimmten nicht mit, zwei Vertreter waren entschuldigt — entschieden sich für diese Variante und damit gegen den von 16 theoretischen Möglichkeiten einzig verbliebenen Alternativvorschlag, nämlich eine Schule für das gesamte Stadtgebiet Monschau.

Konfessionsschulen vereint

Die Hauptstandorte werden also nun in Konzen (für Konzen und Imgenbroich) und Mützenich (für Mützenich und Kalterherberg) sein, der Nebenstandort Höfen wird der Schule in Mützenich angegliedert, da beide Schulen katholische Konfessionsschulen (KGS) sind, während die GGS Imgenbroich/Konzen formell keine Bekenntnisschule ist.

Die Voraussetzungen für Haupt- und Nebenstandort erläuterte Ali Döhler: „Für einen Hauptstandort ist eine Mindestschülerzahl von 92 vorgegeben, für einen Nebenstandort sind es 46 Kinder. Diese Grenzen sind an allen drei Standorten auch so weit absehbar gegeben“, so der Moderator.

Bei der Auswertung der Geburten- und somit zukünftigen Schülerzahlen wurden die Kinder aus Rohren und Widdau dem Standort Höfen zugerechnet, Kinder aus Monschau dem Standort Konzen/Imgenbroich. Nach aktuellen Zahlen vom 30. September fährt die Schülerzahl der GGS Imgenbroich/Konzen zwar von 159 im laufenden Jahr auf 149 im Schuljahr 2014/15 zurück, hält sich dann aber auf diesem Niveau (145 bis 150) bis zum Schuljahr 2019/20 (Geburtsjahre 2013 und 2014).

Der Standort Mützenich/Kalterherberg könnte da langfristig schon eher Sorgen bereiten: 145 Kinder sind es im laufenden Jahr, ehe die Zahl über 140 (2014/15) und 120 (2016/17) auf noch 100 Schülerinnen und Schüler im Jahr 2018/19 sinkt und damit in die Nähe der Untergrenze 92 rückt. Allerdings können sich diese Zahlen noch durch Um- oder Zuzug verbessern, so der allgemeine Tenor.

Der Nebenstandort Höfen weist zwar auch rückläufige Zahlen von aktuell 89 Kindern auf nur noch gut 60 ab dem Schuljahr 2016/17 auf, liegt damit aber gesichert über der Mindestanforderung von 46 für einen Nebenstandort.

In der Gesamtschülerzahl ist folgerichtig ein Rückgang von heute 393 Grundschulkindern auf 309 im Schuljahr 2019/20 zu erwarten, und richtig „eng“ könnte es dann ab dem Schuljahr 2021/22 werden, wenn der geburtenstarke Jahrgang 2011 die Grundschule(n) verlässt.

Das aber ist Zukunftsmusik und sollte den Erfolg der Schulentwicklungswerkstatt nicht schmälern. „Wir sind schon ein wenig stolz auf das Resultat. Drei Standorte sind ein Ergebnis, mit dem alle leben können“, erinnerte Roland Kirch von der „IG Leere Schulen? = Leere Dörfer“ daran, dass man vor allem gegen die Lösung einer zentralisierten Grundschule gekämpft hatte. Und als Höfener sei man froh, die Heckenlandschule als Teilstandort erhalten zu können.

Konzens Schulleiterin Marion Wernerus sieht mit der gefundenen Lösung im Nachhein die Fusionsarbeit gewürdigt, die Imgenbroicher und Konzener Eltern bereits bei der Zusammenlegung vor zwei bis drei Jahren geleistet haben. „Für uns ändert sich dadurch jetzt am wenigsten, sieht man von der Schließung des Standortes Imgenbroich ab“, so Wernerus. Wenn eine Schule aufgegeben werde, sei dies zwar immer ein Stück weit traurig, doch habe die Raumausstattung in diesem Falle eindeutig für Konzen gesprochen, sagte die Schulleiterin. Gleiches gilt für die Entscheidung zwischen Mützenich und Kalterherberg, wo zudem die Geburtenzahlen (siehe Grafik) für erstere sprechen.

Während Schulrätin Renate Katz von der Schulaufsicht sich freute, „dass nun wieder Ruhe in die Schullandschaft einkehren kann“, dankte Bürgermeisterin Margareta Ritter zuvorderst den Moderatoren, die die vielen Meinungsstränge professionell zusammengeführt hätten, ohne jemanden das Gefühl gegeben zu haben, übergangen worden zu sein. Der Dank der Akteure wiederum galt auch Andrea Compes und dem Team der Monschauer Schulverwaltung, die der Werkstatt umfangreiches (Zahlen-) Material vorgelegt hatte und damit hervorragende Vorarbeit geleistet habe.

Politik nun am Zug

Die Politik, die nun am Zuge ist und die vorgelegte Empfehlung zunächst am 12. November im Schulausschuss beraten und dann zwei Wochen später im Stadtrat verabschieden muss, hatte bei der Werkstatt nur die Rolle des stillen Zuhörers. Das hielt Bernd Händler, Schulexperte von Bündnis 90/Die Grünen aber nicht davon ab, Verfahren und Ergebnis anschließend ausdrücklich zu loben: „Wie hier in einer wirklich schwierigen Frage eine Entscheidung herbeigeführt wurde, das könnte buchstäblich Schule machen“, rief er andere Kommunen auf, in Zukunft nach dem „Monschauer Modell“ zu verfahren.