Weihnachtsmärchen bleibt mit Rumpelstilzchen in Lammersdorf klassisch

Interview mit Darstellern und Regisseurin : Weihnachtsmärchen „Rumpelstilzchen“ in Lammersdorf

Dieses Jahr steht „Rumpelstilzchen“, ein Märchen der Gebrüder Grimm, in der Bearbeitung von Gernot Bischoff auf dem Plan des Lammersdorfer Vereins für Heimatgeschichte und Dorfkultur. Die jungen Darsteller und ihre Regisseurin erzählen im Interview über Lampenfieber und Literatur.

Die Geschichte des kleinen garstigen Männleins (unter einem „Rumpelstilz“ verstand man einen Mensch mit kurzen Beinen, mitunter wurden auch Choleriker so bezeichnet), dessen Namen niemand weiß, ist jedermann bekannt – oder doch nicht? Die klassischen Märchen seien zwar heute längst nicht mehr in aller Munde, sagt Regisseurin Lioba Wynands-Görke, doch die eine oder andere Figur sei zumindest den Kindern bekannt, deren Eltern ihrem Nachwuchs auch heutzutage noch Märchen vorlesen.

Der Verlust von Erzähltradition sei einer der Gründe, so die erfahrene Laienschauspielerin, warum sie Wert darauf lege, den jungen Zuschauern jährlich ein klassisches Märchen zu präsentieren. Dieses Jahr kommt „Rumpelstilzchen“ auf die Bühne.

Die Märchen-Theatergruppe besteht seit 1999; die Mitglieder wechseln von Jahr zu Jahr, manche bleiben auch mehr als eine Spielsaison dabei. Seit einigen Wochen bereits proben 13 Jungschauspieler im Alter von zehn bis 21 Jahren und vier Erwachsene mit vollem Eifer. Die Tickets sind begehrt und bereits erhältlich (s. Kasten).

Offen plaudern die jungen Darsteller und ihre Regisseurin mit Maggie Jung über die Faszination des 19. Jahrhundert, über Lampenfieber und über eine tolle Gemeinschaft. Nach „Rotkäppchen“ fällt ihre Wahl dieses Jahr mit „Rumpelstilzchen“ erneut auf ein Stück der klassischen Literatur. In den Jahren zuvor hatte es einige modernere Stücke gegeben.

Sind die Grimm‘schen Erzählungen nicht längst alter Kaffee?

Lioba Wynands-Görke: Ich liebe Märchen. Wir haben damals, 1999, mit Märchen angefangen, das war unsere ursprüngliche Intention. Märchen sind Klassiker, die jeder kennt.

Wirklich?

L. Wynands-Görke: Nun ja, Viele der Erwachsenen auf jeden Fall. Einige Kinder haben die Erzählungen bereits irgendwo gehört, im Kindergarten vielleicht oder in der Schule. Meist erinnern sich die Kinder an markante Figuren und wer zu den „Guten“ gehört, wer zu den „Bösen“. Doch es gibt natürlich auch Kinder, die noch nie etwas von den Grimm‘schen Märchen gehört haben. Das ist sehr schade.

Zumal die Sammlung der Gebrüder Grimm – seinerzeit für Erwachsene gedacht – schon immer ein wichtiger Bestandteil der Literatur war und Märchen eine Symbolik in sich tragen, die wiederum Botschaften und Wissen vermittelt.

L. Wynands-Görke: So ist es! Man sollte jedem Kind zur Geburt ein Märchenbuch schenken – in der Hoffnung, dass Eltern oder Großeltern ihm später daraus vorlesen.

Was haltet Ihr Schauspieler von der Idee, ein altes Märchen vorzuspielen, und kanntet Ihr „Rumpelstilzchen“, bevor es in der Theatergruppe Thema wurde?

Lina (12): Ich hatte den Namen schon mal gehört. Aber das Märchen kannte ich noch nicht. Es ist schön, in „alte“ Rollen aus dem 19. Jahrhundert zu schlüpfen. Ich finde das sehr faszinierend, es macht das Spielen erst spannend.

Eric (21): „König Drosselbart“ war mein allererstes Stück. Ich fand’s damals vor sechs Jahren schon klasse und mag diese alten Sachen.

Aber „Rumpelstilzchen“ stammt – vermutlich – von 1808, der Ursprungs-Text ist also 210 Jahre alt. Selbst die letzte überarbeitete Version beinhaltet noch einen altmodischen Wortschatz, den mitunter Erwachsene nicht verstehen.

L. Wynands-Görke: Bei der Theaterfassung ist der Text kindgerechter und somit verständlicher für die Jüngeren. Es kommen sogar einige Figuren hinzu, die es im Original nicht gibt; das war bereits bei „Rotkäppchen“ letztes Jahr so, einige Besucher waren darüber zunächst sehr erstaunt.

Es gibt beispielsweise einen „Jäger Hans“ und einen „Schatzmeister Pleite“ – wird das Original dadurch nicht zu sehr verfälscht?

L. Wynands-Görke: Nein, der rote Faden bleibt, der Wiedererkennungswert ist gewährleistet. Die neuen Figuren beleben die alte Erzählung ungemein.

Eric: Ich liebe den „Schatzmeister Pleite“; er ist böse, das passt zu mir (lacht).

Das Proben kostet viel Zeit. Derzeit probt Ihr einmal wöchentlich, in der Endphase wird es eine anstrengende Probenwoche geben, in der Ihr täglich auf die Bretter müsst. Ist das für Euch okay – und was sagen Eure Freunde dazu, dass Ihr so wenig Zeit für sie habt?

Roman (15): Es ist so toll, beim Spielen in eine andere Welt abzutauchen, das entschädigt für alles.

Jana (10): Das muss eben sein! Für meine Freunde ist das daher okay.

Ihr seid sehr motiviert und eifrig dabei. Was ist für Euch das Schönste am Theaterspielen oder das Beste in dieser Theatergruppe?

Jana: Ich habe hier viele Leute kennengelernt und neue Freundschaften geschlossen. Die tolle Gemeinschaft macht großen Spaß, das Spielen ist abwechslungsreich und spannend.

Eric: Der Spaß! Vor dem Publikum zu stehen und sich am Ende feiern lassen, weil man’s geschafft hat.

Du bist ja schon einige Jahre dabei, Eric. Hast du noch Lampenfieber?

Eric: Beim allerersten Mal, mit 15, in meiner alten Schule. Damals hatte ich noch keine Theatererfahrung und fand alles sehr, sehr aufregend.

Und jetzt, als „alter Hase“, profitiert die gesamte Gruppe von Deiner Erfahrung. Du weißt genau, worauf es ankommt, damit auch „Rumpelstilzchen“ wieder ein großer Erfolg wird. Was rätst Du Deinen jüngsten Schauspiel-Kollegen?

Eric: Ruhe bewahren! Bloß nicht den Text schnell runterrattern!

Weitere Infos gibt es hier.