Weihnachtsbaum-Aktion: In Simmerath kann man den Baum selbst fällen

Simmerath: Weihnachtsbaum-Aktion: Familien rücken mit Axt und Säge an

Zwischen Strauch und Schmidt herrschte dichter Verkehr, etliche Autos waren auf der Landesstraße 246 im Buhlert unterwegs. Gefühlt hatte jedes zweite Auto einen verpackten Weihnachtsbaum auf dem Dach festgebunden oder sicher im Anhänger verstaut.

Beide Straßenseiten waren auf einer beachtlichen Strecke vollkommen zugeparkt. Fröhliche und aufgeregte Stimmen waren schon von weitem aus dem Wald zu hören. Der Wanderparkplatz am Buhlert zwischen Strauch und Schmidt war teilweise zu klein für die Blechlawinen. Und alle Gäste waren mit Sägen und Äxten ausgestattet. Das alles hatte einen ganz bestimmten Grund: Denn passend zum immer näher rückenden Weihnachtsfest fand am Samstag wieder die traditionelle Weihnachtsbaum-Aktion der Gemeinde Simmerath statt.

Auch das Backen von Stockbrot ist fester Bestandteil der Weihnachtsbaum-Aktion im Buhlert und stets eine große Freude für Groß und Klein.

Nicht nur aus der Region

Hier hatten Einheimische und Auswärtige die Möglichkeit, ihren eigenen Weihnachtsbaum zu schlagen. Es gab eine große Auswahl an Fichten, Blaufichten und schicken Edeltannen. Mittlerweile findet die Aktion bereits seit über 20 Jahren statt, Gemeindeförster Dietmar Wunderlich betreut sie im nun schon 16. Jahr. „Die Voraussetzungen für eine solche Aktion sind hier natürlich wie geschaffen, und eine solche Nutzung ist auch ökologisch sinnvoll“, erklärte Wunderlich. Das Schlagen der Weihnachtsbäume auf der Fläche von 2,5 bis 3 Hektar sei eine sinnvolle Nutzung und zudem gebe es keinen unnötigen Flächenverbrauch. „Wir pflanzen in jedem Jahr neue Bäume an, was bis jetzt auch immer so funktioniert hat“, erklärte Wunderlich.

Im Vordergrund der Aktion stünden eindeutig die Bürger, die bei weitem nicht nur aus der Region kommen, sondern auch von weiter weg, wie an den zahlreichen auswärtigen Kennzeichen sowie an den verschiedenen Sprachen wie Niederländisch, Englisch und Französisch zu erkennen war. „Für die Bevölkerung soll die Weihnachtsbaum-Aktion ein Event sein“, sagte Wunderlich.

Dabei betonte er, dass die Sache für die Gemeinde rein kostenneutral sei. „Wir müssen den Bestand gegen den Verbiss von Wild einzäunen, ihn jährlich mechanisch freischneiden und in jedem Jahr circa 1500 Bäume nachpflanzen“, verdeutlichte Wunderlich. Man müsse immer deutlich mehr neue Bäume pflanzen, als letztendlich verkauft werden, denn „ein gewisser Ausschuss ist immer dabei, sei es durch Verbiss oder Frostschäden“, weiß Wunderlich.

Im letzten Jahr wurden zwischen 550 und 600 Weihnachtsbäume aus dem Buhlert abtransportiert. In diesem Jahr fiel die Bilanz ähnlich aus. „Insgesamt haben wir exakt 534 Bäume verkauft und es waren zwischen 1000 und 1500 Leute hier, denn die meisten kommen zu zweit oder dritt“, sagte der Gemeindeförster. Der Preis liegt, abhängig davon, ob eine Fichte oder eher eine Edeltanne bevorzugt wird, zwischen 10 und 20 Euro. Die Größe des Baumes spielt dabei keine Rolle, denn es gelten Einheitspreise. Insgesamt lagen die Einnahmen der Aktion bei rund 8000 Euro.

Wichtig sei zudem, dass es an dem Bäumen keinen Einsatz von Pestiziden gebe, so dass man von einem „Ökobaum“ sprechen könne. Das Besondere an der Aktion ist mit Sicherheit, dass jeder seinen Baum selber schlagen kann.

Während die meisten damit beschäftigt waren, im Schnee die passenden Bäume zu finden, waren die jüngeren Gäste vornehmlich mit dem Backen von Stockbrot beschäftigt. Dieses Angebot wurde ebenso rege genutzt wie der Verkaufsstand des Fördervereins der Gemeindebücherei Simmerath. Hier fanden warme Getränke wie Glühwein und Kakao sowie Gebäck sehr guten Absatz. Es kamen insgesamt 800 Euro an Spenden zusammen, die dem Förderverein der Gemeindebücherei zugutekommen.

Auch Helma Netz aus Aachen war mit Familie und Freunden in den Buhlert gekommen. „Wir sind schon seit mindestens fünf Jahren bei der Aktion dabei und finden es immer wieder schön, sich hier kurz vor Weihnachten mit der Clique zu treffen und gemeinsam etwas zu machen“, sagte sie gut gelaunt. Nach kurzer Zeit waren sie auch schon fündig geworden und kamen mit vier Exemplaren aus dem Wald zurück. „Es macht Spaß, sich seinen eigenen Baum auszusuchen und ihn auch zu schlagen. Und auch das Lagerfeuer mit dem Stockbrot für die Kleinen ist eine tolle Sache“, so Helma Netz, die im nächsten Jahr auch wieder in den Buhlert kommen wird.

Das größte Exemplar des Tages

Auch Marianne Erasmi aus Schmidt war fündig geworden und kam wohl mit einem der größten Bäume des Tages zurück aus dem Wald, denn das Exemplar war um die fünf Meter groß. „Der Baum wird zwar so nicht ins Wohnzimmer passen, aber er hat mich auf den ersten Blick so angelacht“, erzählte Erasmi amüsiert. „Wir sind hier jedes Jahr dabei und finden es schön, hier eine gemeinsame, familiäre Sache draus zu machen, um die weihnachtliche Vorfreude zu steigern.“ Kurz darauf eilte auch schon männliche Unterstützung zur Hilfe, denn das stolze Exemplar musste ja schließlich noch den Weg zum Hänger finden.