Roetgen/Aachen: Weht bald im Münsterwald ein neuer Wind?

Roetgen/Aachen : Weht bald im Münsterwald ein neuer Wind?

Im Münsterwald könnte schon bald ein neuer, kräftiger Wind wehen, so viel steht fest: Klar ist, das die Grünen-Fraktion in der nächsten Sitzung des Bauausschusses am kommenden Dienstag einen Antrag zur Änderung des Flächennutzungsplanes, wörtlich: „zur Ausweisung einer weiteren Windenergie-Konzentrationszone”, stellen wird.

Ob dieser allerdings angenommen wird und wie das möglicherweise dann folgende Prozedere aussieht, darüber gibt es noch keine weiteren Informationen. „Es ist zunächst ein Verfahrensöffner”, sagt Bürgermeister Manfred Eis (SPD) über die anstehende Diskussion.

Doch zumindest Visionen, die gibt es bereits: So könnte die neue Windkraftzone im Bereich der Himmelsleiter, am Ortseingang Roetgen, entstehen. Die Verwaltung, so die Grünen, soll prüfen, welche Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit der Stadt Aachen bestehen, um den geplanten Windpark unter Umständen gemeinsam zu entwickeln.

„Faunistisches Gutachten”

Für den Münsterwald ist nämlich von Aachener Seite bereits ein „faunistisches Gutachten” auf den Weg gebracht worden, um mögliche Auswirkungen eines Windparks auf die Tierwelt zu untersuchen. „Ich habe bereits mit Gisela Nacken gesprochen”, sagt Eis über einen ersten Gedankenaustausch mit der Aachener Bau- und Umweltdezernentin.

Gerd Pagnia, Fraktionssprecher der Roetgener Grünen, befürwortet einen Windpark nahe der Himmelsleiter: „Um die gesetzten Klimaschutzziele erreichen zu können, müssen die regenerativen Energien, vor allem aber die Windenergie, deutlich ausgebaut werden.” In Roetgen gibt es bislang nur eine relativ kleine Windenergiezone, die sich aber in Privatbesitz befindet.

Neue Entwicklungen (ausreichend hohe Nabenhöhen der Anlagen) würden es möglich machen, verstärkt Waldgebiete in die Überlegungen zur Standortwahl für die Windenergie mit einzubeziehen, begründet Pagnia den Standortvorteil: „Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass Flora und Fauna des Waldes durch Windkraftanlagen - außer in der Bauphase - nicht gestört werden dürfen.” Die Verträglichkeit hinsichtlich des Artenschutzes, des Landschaftsbildes und der Erholungsfunktion müsse bei der Standortwahl geprüft werden.

Dann würde in jedem Fall auch klar werden, ob und wie viele Bäume für den Park gefällt werden müssten. „Der Wald steht schließlich unter besonderem Schutz”, sagt Manfred Eis. Einig werden müssten sich die Entscheidungsträger ebenfalls über die Größe der Rodungsfläche.

Natürlich würden auch optische Fragen eine Rolle spielen. „Sicher ist es zum Teil eine ästhetische Frage, ob wir als Anwohner das gut finden, wenn mitten im Wald auf einmal 150 Meter hohe Türme stehen”, ergänzt Eis. Die Stadtwerke Aachen (Stawag) könnten im Münsterwald bis zu acht solcher Anlagen bauen, heißt es aus Vorstamdskreisen.

Die Kommunen jedenfalls dürfte finanziell in mehreren Punkten von einem Windpark profitieren: Pachteinnahmen von Investoren und dementsprechend auch zusätzliche Euros durch das neue Gewerbe. Durch eine Zusammenarbeit mit der Stadt Aachen seien außerdem Synergieeffekte bei den notwendigen Gutachten und nicht zuletzt den infrastrukturellen Voraussetzungen zu erzielen, schätzt Bürgermeister Eis. „Das wichtigste Argument für diesen Windpark ist jedoch der Klimaschutz”, sagt Pagnia. Zwei Windkraftanlagen der geplanten Größenordnung reichen aus, um Roetgen mit Strom zu versorgen.”

Strom für bis zu 3500 Haushalte

Pro Anlage würden zwischen sieben und neun Kilo Megawattstunden zu erwarten sein.

Damit könnten 2500 bis 3000 Haushalte mit Strom versorgt werden. Die CO2-Ersparnis liege bei 4200 bis 5400 Tonnen pro Jahr. Doch zunächst gehe es um einen ersten Schritt, was dann kommt, sei absolut offen. Nur eine Sache nicht: „Roetgen wird als Investor ganz sicher nicht einspringen”, betont Manfred Eis.