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Nordeifel: Wassereimer neben dem Adventskranz

Nordeifel : Wassereimer neben dem Adventskranz

„Am Weihnachtsbaum, die Lichter brennen,” lautet ein bekanntes Lied, das in diesen Tagen wieder häufig erklingt.

Doch in vielen Schulen der Nordeifel wird das schöne Lied in diesem Jahr eher mit Zurückhaltung angestimmt. Die erhöhten Brandschutzauflagen lassen den Weihnachtsschmuck in einem anderen Licht erscheinen.

Mitte November fand eine Begehung der Schulen gemeinsam mit Verwaltung und Brandschutz-Sachverständigen statt. Dabei ging es nicht nur um die baulich aufwändigen Auflagen, die die Schulträger hunderttausende Euro kosten, sondern auch um das Thema Weihnachtsschmuck.

Ein Schreiben des Brandsachverständigen zu diesem Punkt an die Stadt Monschau leitete die Bauverwaltung informationshalber an alle Schulen weiter.

Das Aachener Sachverständigen-Büro empfiehlt in dem Schreiben dem Schulträger, „das Aufstellen von Weihnachtsbäumen und entsprechenden Wand- bzw. Deckenschmuck aus Tannenzweigen in ihren Schulgebäuden zu untersagen.” Keine Bedenken bestünden gegen kleinere Tischgestecke aus Tannenzweigen „ohne Kerzen.”

Sollte die Schule dennoch weihnachtliche Dekorationen wünschen, werden „künstliche Weihnachtsbäume der Baustoffklasse B1” empfohlen, die als schwer entflammbar gelten.

Soweit die Empfehlung, die an den Schulen auf unterschiedliche Resonanz stieß.

Karl Haas von der Bauverwaltung der Stadt Monschau meint, dass die Empfehlung im Grunde schon immer gelten würde, doch sei sie in Zusammenhang mit der Begehung jetzt noch einmal ins Bewusstsein gerufen worden. In der Tat stelle brennbares Material in den Fluren, wie Schülerarbeiten oder Dekorationen, ein Problem dar, da es sich meistens im Bereich der Fluchtwege befinde.

An einer Schule habe man seinerzeit auch schlechte Erfahrungen gemacht, als die Reinemachefrau nach Schulschluss einen Adventskranz vorfand, an dem noch munter die Kerzen flackerten.

Im Monschauer Rathaus geht man übrigens mit gutem Beispiel voran: Hier hängt ein elektrischer Adventskranz.

Die Gemeindeverwaltung Simmerath hat die Schulen nicht noch einmal speziell auf das Problem des leicht entflammbaren Weihnachtsdekorationen hingewiesen. Bei der zurückliegenden Begehung, berichtet Monika Offermann vom Bauamt, habe man allerdings noch einmal auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Fluchtwege grundsätzlich von Brandlasten freizuhalten.

An der Hauptschule in Simmerath betrachtet Schulleiter Uwe Hennicke die Brandschutzfrage recht nüchtern. Seit Jahr und Tag befänden sich ein elektrischer Baum und ein Adventskranz in der Aula, „und damit gehen wir jedes Jahr sensibel um.”

Kein Risiko eingehen möchte man am Monschauer St. Michael-Gymnasium. Der bislang in der Pausenhalle stehende Weihnachtsbaum wurde ganz verbannt, und die Reaktion der Schulleitung wird jedem Brandschützer vorweihnachtliche Freude bereiten: Alle Klassen wurden angewiesen, auf jeglichen Weihnachtsschmuck in den Klassen zu verzichten.

Im Griff hat man das Thema Brandschutz und Weihnachtsschmuck auch an der Städtischen Realschule Monschau.

Kompromiss gefunden

Wie eh und je steht der künstliche Tannenbaum in einem nach oben offenen Innenhof. Der Adventskranz hängt in der Nähe des Hausmeisterplatzes. Schulleiter Horst Kinzel hat das Thema in der Lehrerkonferenz angesprochen mit dem Ziel, „einen vernünftigen Kompromiss zwischen dem Umgang mit offenem Feuer und gewachsenen Traditionen zu finden.”

An der Mädchen-Realschule St. Ursula hat Schulleiter Franz-Peter Müsch persönlich einen mit Löschwasser gefüllten gelben Eimer neben dem Adventskranz platziert. Zudem hat die Schulsekretärin die brennenden Kerzen jederzeit im Blick.

An der „Heckenlandschule” in Höfen hat man aus der Not eine kreative Note entwickelt. In der Pausenhalle der Grundschule befindet sich ein Weihnachtsbaum ausschließlich aus verzinktem Maschendraht. Das geschmückte Drahtgeflecht ist bunt geschmückt und wirkt ein wenig wie abstrakte Kunst. Schulleiterin Sabine Hammerschmidt schmunzelt: „Brandschutz setzt auch kreative Kräfte frei.”