Monschau: Was macht ein Hausmeister in den großen Ferien?

Monschau: Was macht ein Hausmeister in den großen Ferien?

Im Kellerflur der Konzener Grundschule herrscht Chaos. Bis unter die Decke türmen sich Tische, Stühle, Regale und Kartons mit Schulbüchern, Bastelmaterial und allerhand Krimskrams. In den vollkommen leergefegten Klassenräumen nebenan

dagegen könnten die Kinder jetzt prima Fußball oder Nachlaufen spielen. Aber Schüler sind jetzt Fehlanzeige. Wir befinden uns schließlich mitten in den großen Ferien, und da haben hier - wie derzeit in allen Schulen der Region - die Reinigungskräfte und der Hausmeister das Kommando.

So wie Lothar Lutterbach in Konzen. „Die Ferien sind für mich die arbeitsreichste Zeit im Jahr”, berichtet der 50-Jährige, der zudem für die Grundschulen in Imgenbroich und Mützenich sowie neuerdings auch für Kalterherberg zuständig ist.

Mit dem Verschwinden der Kinder am letzten Schultag beginnt für Lutterbach und seinen Helferstab alljährlich ein Wettlauf gegen die Zeit. Zunächst gilt es, alle Klassen- und Lehrerzimmer sowie Räume der Ganztagsschule komplett auszuräumen. „Nichts, aber auch gar nichts darf im Klassenraum zurückbleiben”, erzählt Lothar Lutterbach. Selbst die Türen werden ausgehängt, damit die Reinigungskräfte freie Bahn haben. Denn die Grundreinigung und intensive Bodenpflege wird nur einmal im Jahr gemacht. Eben in den großen Ferien, „weil man dies in zwei Wochen Herbst-, Weihnachts- oder Osterferien nicht schaffen würde”, so Lutterbach.

In den ausgeräumten Zimmern geht es zunächst dem Schmutz auf Fensterbänken, Fußleisten und Heizkörpern sowie Spinnweben an den Leib. Erst dann kommt die eigentliche Bodenpflege, die sich über mehrere Tage hinzieht. Mit der Reinigungsmaschine wird zunächst der Grundreiniger aufgebracht und muss anschließend in zwei Arbeitsgängen mit Wasser wieder entfernt werden.

„Dann wird an drei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils einmal das Diffusionsmittel in den Linoleumboden eingearbeitet, damit dieser wieder glänzt und für ein Jahr den täglichen Belastungen gewachsen ist”, erläutert der Hausmeister. Alleine damit habe man in der gesamten Schule „drei Wochen richtig zu tun”, so Lutterbach.

Ist alles wieder blitzeblank, beginnt der Hausmeister, unterstützt von Helfern, wieder mit dem Einräumen der Klassen.

Die Lehrer hatten in der letzten Schulwoche den Auftrag, ihre Klassen „auszumisten” und alles, was nicht mehr gebraucht wird, in Bananenkisten auf den Flur zu stellen. Somit werden die Kinder ein grundgereinigtes Klassenzimmer ohne Mief und Altlasten vorfinden, wenn sie nach den Ferien am 30. August wieder in ihre Klassen kommen.

Lothar Lutterbach muss all dies zeitgleich in drei Schulen bzw. in Kalterherberg gemeinsam mit seinem Kollegen Frank Paulus, der auch für Höfen zuständig ist, organisieren und koordinieren. „Das funktioniert nur, weil ich mich auf meine Leute in allen Schulen hundertprozentig verlassen kann”, lobt Lothar Lutterbach seinen Stab. Deshalb ist er auch ein klarer Gegner der Privatisierung solcher Dienstleistungen: „Wenn die Unterhaltung, Reinigung oder Pflege der Schulen an Privatunternehmen vergeben wird, werden unsere Schulgebäude darunter leiden, weil eine Firma eben streng nach Stunde arbeitet”, ist der 50-Jährige überzeugt.

Der tägliche Belastungstest

So wie für den Konzener Hausmeister bescheren auch seinen Kollegen an den Grundschulen und weiterführenden Schulen in Simmerath, Monschau und Roetgen die Sommerferien eine arbeitsreiche Zeit. Denn neben der Grundreinigung gilt es, die stark beanspruchten Gebäude zu „runderneuern” und fit zu machen für den Schulalltag und den täglichen „Belastungstest” durch Kinder und Jugendliche. Dazu gehören der Austausch defekter Lampen oder Steckdosen genauso wie tropfende Wasserhähne oder kaputte Gardinenzüge.

Ist alles gerichtet, gereinigt und wieder eingeräumt, rücken in den letzten beiden Ferienwochen die Lehrerinnen und Lehrer an und beginnen mit der Gestaltung ihrer „Lernlandschaften” in den Klassenräumen. „Da sind dann auch noch immer einige Wünsche zu erfüllen”, erzählt Lothar Lutterbach und packt sich eine riesigen Karton mit Mützen, Schals und Jacken. „Das ist alles letztes Schuljahr liegen geblieben und nicht abgeholt worden”, sagt er und lädt die Fundkiste in seinen Wagen.

Von Konzen aus fährt Lothar Lutterbach weiter nach Imgenbroich, wo der gleiche Kraftakt ansteht. Alles auf die Flure räumen und dann ran an den Dreck eines ganzen Schuljahres. Damit die neuen I-Dötzchen, die anderen Kinder und Lehrer zum Start am 30. August eine saubere Schule vorfinden.

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