Nordeifel: Warum müssen Douglasien weg aus dem Nationalpark?

Nordeifel: Warum müssen Douglasien weg aus dem Nationalpark?

Seit kurzem kann der Nationalpark-Besucher neben einzigartigen Naturlandschaften, Tieren und Pflanzen auch den „Aha-Effekt” erleben: Die Nationalparkverwaltung stellt derzeit insgesamt 86 Infoschilder zu aktuellen Entwicklungs- und Pflegemaßnahmen im Schutzgebiet auf.

Die Durchführung solcher Maßnahmen in einem Nationalpark scheint zunächst widersprüchlich, denn heißt es nicht „Natur Natur sein lassen?”, also die Natur sich selbst überlassen? Gemeint ist jedoch Natur in ihrer ursprünglichen Form, Natur wie sie ohne menschliche Einflussnahme vorzufinden wäre.

Einige Maßnahmen notwendig

Dr. Andreas Pardey vom Fachgebiet Forschung und Dokumentation erklärt: „Bevor die jahrhundertelang durch den Menschen veränderte Natur großflächig sich selbst überlassen werden kann, sind in manchen Bereichen des Entwicklungs-Nationalparks Eifel Renaturierungsmaßnahmen durchzuführen. Diese haben zum Ziel, dauerhaft wirksame menschliche Veränderungen wie die Verrohrung von Bächen unter Wegen zu entfernen oder die weitere Ausbreitung nicht heimischer Baumarten zu verhindern. Darüber hinaus werden in der 13 Prozent der Nationalparkfläche umfassenden Managementzone auch Kulturbiotope wie artenreiche Wiesen erhalten. So benötigen zum Beispiel Narzissenwiesen dauerhafte Pflegemaßnahmen.”

Damit Nationalpark-Besucher diese Aktivitäten im Schutzgebiet besser nachvollziehen können, hat die Nationalparkverwaltung neun verschiedene Informationsschilder entwickelt. Im ansprechenden Holzdesign werden diese nun beispielhaft an 86 Standorten in der Nationalparkfläche aufgestellt, um dort stattfindende Maßnahmen zu erläutern.

Die Schilder mit der Überschrift „Was ist denn hier los?” setzen sich aus allgemein verständlichen Texten und einer unterstützenden Bilderfolge zusammen, die Notwendigkeit, Ablauf und Ziele der Maßnahme erklären.

Im Waldgebiet Kermeter beispielsweise werden dem aufmerksamen Wanderer Douglasien mit teilweise entfernter Rinde auffallen. Das erklären die Infoschilder wie folgt: Zur Rückführung der Natur in den Ausgangszustand gehört die komplette Entfernung dieser Nadelbaumart. Diese für die Forstwirtschaft auf vielen Standorten vorteilhafte Baumart hat der Mensch vor 200 Jahren aus Nordamerika eingeführt.

Im Nationalpark Eifel gefährden die konkurrenzstarken Douglasien bei freier Entwicklung jedoch die heimischen Laubwälder, die es hier besonders zu schützen und entwickeln gilt. Aus dem Grund wird die sogenannte „Ringelmethode” angewendet, die der Ausbreitung der Douglasie entgegen wirkt: Indem ein etwa 40 Zentimeter breiter Ring der Rinde kreisrund um den Stamm entfernt und damit die Leitungsbahnen des Baumes unterbrochen werden, sterben die Bäume in der Regel nach drei Jahren ab. Der Baum bleibt als ökologisch besonders wertvolles Totholz im Bestand stehen und bietet Kleinlebewesen Nahrung und Lebensraum.

Weitere Infotafeln erklären Managementmaßnahmen wie die Entnahme von Fichten in Bachtälern, die Unterpflanzung von jungen Buchen unter Fichten, die Renaturierung von Bächen sowie das Mähen oder Beweiden von Wiesenflächen. Insgesamt 86 Schilder mit Erläuterungen in Form von Text und Bildfolge zu neun verschiedenen Maßnahmen vermitteln Besuchern den Schutzgebietsgedanken des Nationalparks Eifel.

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