Monschau: Wanderfotograf Carl Laue: Glücksfall für Monschau

Monschau: Wanderfotograf Carl Laue: Glücksfall für Monschau

Es gibt kaum einen Ort im Rheinland, der fotografisch so umfangreich erfasst wurde wie die Monschauer Altstadt. Zu verdanken ist dies aber weniger den tausenden Touristen, die seit Jahrzehnten die pittoresken Winkel des historischen Stadtensembles millionenfach abgelichtet haben, sondern einem Wanderfotografen namens Carl Laue, der aus Thüringen stammt und im Jahr 1864 ein Fotoatelier in Eupen eröffnete.

Im Juni 1865 weilte Laue zwecks Anfertigung von Stadt- und Landschaftsaufnahmen mehrere Tage in der Stadt, und schuf mit seiner Plattenkamera ein umfassendes und unverfälschtes Porträt der damaligen Kreisstadt. Per Zeitungsannonce hatte er, wie es damals bei den Wanderfotografen üblich war, seinen Besuch angekündigt.

150 Jahre alt ist diese Aufnahme des oberen Laufenbachtales, die das Gebäude der späteren Seidenfabrik (vorne) und das Haus Wiesenthal (heute Carat-Hotel) zeigt.

72 dieser Aufnahmen fasste Carl Laue in einem Fotoalbum zusammen, das für die Stadthistoriker heute einen unschätzbaren Wert darstellte.

Eine Vielzahl dieser Aufnahmen ist derzeit im Rahmen einer Ausstellung im Stadtarchiv am Monschauer Holzmarkt zu bestaunen. Der Geschichtsverein des Monschauer Landes hat mit viel Sachverstand und Präzision diese Ausstellung konzipiert, die jetzt in Anwesenheit zahlreicher Gäste eröffnet wurde.

Wie eine andere Welt

„Carl Laue war ein Glücksfall für Monschau“, umschrieb Dr. Elmar Neuß, der Vorsitzende des Geschichtsvereins, die vor exakt 150 Jahren entstandenen fotografischen Zeugnisse. Die Aufnahmen von heute noch zum Teil erhaltenen Gebäuden und vertrauten Ansichten wirken dennoch wie aus einer anderen Welt.

Die Bebauung ist noch nicht so ausgeprägt wie heute und die Landschaft rund um die Stadt wirkt wie ausgeräumt. Die heute bewaldeten Hänge und Höhen zeigten sich damals als offene Landschaft. Die Bedeutung der Aufnahmen aus dem Jahr 1865 wird auch durch die Tatsache unterstrichen, dass allgemein das Jahr 1839 als das Geburtsjahr der Fotografie gilt.

Es existieren durchaus zahlreiche Aufnahmen der Monschauer Altstadt aus früherer Zeit, aber kaum ein Motiv ist datiert, was die zeitliche Zuordnung erschwert, doch weiß man, dass es kaum belegbare fotografische Abbildungen gibt, die vor 1900 entstanden sind.

Dr. Neuß zeigte sich vor allem angetan von der Herangehensweise des Eupener Fotografen, der nicht die Absicht verfolgte, die idyllische Kulisse der Stadt zu zeigen sondern vielmehr ein reales Abbild der vorhandenen Situation festhalten wollte, aber auch bei Carl Laue gilt es manchmal, Vorsicht walten zu lassen.

Bei genauem Betrachten der Aufnahmen fällt auf, dass auch bereits vor 150 Jahren die Bildbearbeitung Einzug gehalten hatte. So wurde in den Horizont eines Motivs ein Raubvogel im Flug einkopiert, auf anderen Motiven wurden Personen entfernt.

Auch Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter fand Gefallen daran, in der Ausstellung ein „unverfälschtes Bild der Heimat“ zu entdecken, und dankte den Verantwortlichen des Geschichtsvereins für die gelungene und umfangreiche Ausstellung.

Gewidmet ist die Ausstellung dem langjährigen Bibliothekar des Geschichtsvereins, Elmar Klubert, der vor 10 Jahre starb und zuvor 23 Jahre lang die Sammlungen des Geschichtsvereins geordnet und dokumentiert hatte. Dem gelernten Fotografen galt die Erforschung und Entwicklung der Fotografie im Monschauer Land als besonders Anliegen, wovon auch mehrere Veröffentlichungen Zeugnis geben.

Auch Motive aus den Dörfern

Auch die älteste bislang bekannte Fotografie Monschaus, ein Panorama der Altstadt, ist in der Ausstellung zu sehen. Leider ist dieses aus dem Jahre 1860 datierte Motiv nur in lithografierter Form erhalten geblieben. Die Aufnahme, die vermutlich noch einige Jahre älter ist, fotografiert von der heutigen Umgehungsstraße aus in Richtung Rosental, stammt von dem Marmagener Fotografen Josef Lemling, dem einige der ältesten fotografischen Darstellungen aus dem Rheinland überhaupt zugeschrieben werden.

Die Ausstellung zeigt auch fotografische Dokumente aus der Folgzeit, denn im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wurde die Fotografie in Monschau zunehmend bestimmt durch den aufkommenden Fremdenverkehr. Die Wanderfotografen kamen nun häufiger in die Stadt. Es entstanden die ersten Ansichten und fotografischen Souvernirs, angefangen von Motiv- Aschenbechern bis hinzu aufwendig gestalteten Bilderrahmen.

Abgerundet wird die Ausstellung durch Motive aus den umliegenden Dörfern, die bei den Fotografen ab 1880 an Bedeutung gewannen. Bilder des dörflichen Alltags aber sind nicht zu sehen. Fotografieren waren damals teuer, und wer sich abbilden ließ, durfte kein armer Mann sein. Das Carl Laue-Album kostete beispielsweise damals 7,5 Taler. Dafür musste ein Tagelöhner knapp einen Monat lang arbeiten.

(P. St.)