Lammersdorf: Walderlebnis-Wanderung: Faule Gärtner handeln tierfreundlich

Lammersdorf : Walderlebnis-Wanderung: Faule Gärtner handeln tierfreundlich

Meist ungesehen leben eine Menge großer und kleiner Tiere in unseren Wäldern. Die Meister des Versteckens hinterlassen aber einige Spuren, die Hinweise auf ihren Wohnort geben. Wie man diese deutet und im Wald richtig „pirscht“, lernen die Kinder bei den Walderlebnistagen der Gemeinde Simmerath in Lammersdorf.

Die Walderlebnistage vom Regionalforstamt Rureifel werden dieses Jahr zum 17. Mal veranstaltet. Förster Jörg Melchior ist wie stets fachlicher und unterhaltsamer Begleiter der Maßnahme.

In der letzten Ferienwoche haben Kinder die Möglichkeit, an verschiedenen Wanderungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten teilzunehmen. Dabei geht es zum Beispiel um „Pflanzen zum Essen und heilen“, oder „Wald und Wasser“. Zu Beginn der Wanderung unter dem Motto „Tiere in Feld und Wald“, stellte Melchior einige Tiere des Waldes vor, veranschaulicht an präparierten Exemplaren in der Kalltalschule Lammersdorf.

Dabei lernten die Kinder verschiedene Bewohner, ihre Angewohnheiten und Feinde kennen. Bei der etwa zweistündigen Wanderung im Lammersdorfer Wald erklärte der Förster, wie man die Spuren der Waldtiere findet und deuten kann. Querfeldein wurden die 21 Kinder durch den Wald geführt. „Die Spurensuche gefällt mir am besten, hoffentlich sehen wir noch einen Fuchs“, sagte die achtjährige Celine.

Doch Melchior erklärte, was wirklich zu tun ist, wenn man im Wald einem Fuchs begegnet: „Die Tiere sollen Angst vor den Menschen behalten. Wenn man Füchse im Wald füttert, vermenschlichen wir die Tiere damit und locken sie aus dem Wald und in die Dörfer hinein. Problematisch wird es vor allem bei Igeln. Sie kommen aus ihren eigentlichen Lebensräumen heraus und werden im Dorf mit Straßen und Autos konfrontiert. Das endet für den Igel meistens tödlich“, erklärte der Förster.

Nicht nur Autos werden für den Igel zur Gefahr. „Der Fadenmäher für die Gartenpflege ist wahrscheinlich der größte Feind des Igels“, erklärte Melchior. Eine schlechte Eigenschaft des Menschen sei die Ordnung. In der Eifel finde man kaum naturbelassene Gärten. „Für Tiere sind unsere Gärten zu aufgeräumt, da findet kaum ein Igel einen Laubhaufen für den Winterschlaf“, führte Melchior aus.

Auch die Begeisterung über die Wiederansiedlung des Wolfes kann Melchior nicht nachvollziehen. „Sobald sich der Wolf an den Schafen in der Eifel bedient, ist er hier auch nicht mehr willkommen — auch wenn er für den Menschen ungefährlich ist“, sagte Melchior.

Ökosysteme brauchen Chaos

Mit zahlreichen Anekdoten und hilfreichen Tipps wurde den Kindern auch beigebracht, wie sie Hinterlassenschaften der Waldtiere „lesen“ können. So ein „Haufen“ könne unter anderem sehr viel über den Gesundheitszustand eines Tieres verraten. Das mache sich auch der Fuchs zu nutze. „Ein Wald muss bewirtschaftet werden. Der Fuchs reißt die kranken Tiere und hält so das Ökosystem im Gleichgewicht“, sagte Melchior.

Nach dem Programm gab Förster Melchior einen heißen letzten Tipp: „Lassen Sie in ihrem Garten ruhig mal eine Ecke unaufgeräumt und schaffen Sie somit Lebensraum für Tiere. Wenn Ihnen jemand sagt, Sie seien faul, können sie guten Gewissens widersprechen — Sie sind nicht faul, sondern ökologisch.“

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