Simmerath: Waldboden zu sauer: Hubschrauber sollen Kalk abwerfen

Simmerath: Waldboden zu sauer: Hubschrauber sollen Kalk abwerfen

Der Boden im Gemeindewald Simmerath ist sauer. Die Böden in der Region sind ohnehin schon basenarm, weshalb sich der Effekt noch verstärkt. Eine weitere Versauerung des Waldbodens aber kann die Natur nicht gut verkraften. Daher greift Gemeindeförster Dietmar Wunderlich zu einer großflächigen Gegenmaßnahme.

Ende des kommenden Jahres sollen außerhalb der Vegetationszeit 1500 Hektar Fichtenwald vom Hubschrauber aus gekalkt werden. 4500 Tonnen Kalk sollen aus der Höhe auf den Wald herabrieseln. Es handelt sich um Bestände im Lammersdorfer Wald und im Buhlert. Die letzte Kalkung des Gemeindewaldes liegt bereits über 20 Jahre zurück.

Über 20 Jahre ist es her, dass in der Gemeinde Simmerath zuletzt großflächig der Nutzwald per Hubschrauber gekalkt wurde. Foto: Archiv/P. Stollenwerk

Auch der Forstausschuss der Gemeinde Simmerath war von der Notwendigkeit dieser Maßnahme überzeugt, auch wenn sie mit 423.000 Euro erhebliche Kosten verursacht. 70 Prozent der Kosten werden allerdings vom Land übernommen, so dass der von der Gemeinde Simmerath zu tragende Eigenanteil bei rund 174.000 Euro liegt. Es handele sich um eine „sehr komplexe Maßnahme“ erläuterte Wunderlich, von der er sich allerdings eine nachhaltige Wirkung verspreche.

Im Vorfeld der Kalkung wurden im Gemeindewald bereits 63 Bodenproben entnommen, um den aktuellen Säuregehalt des Bodens zu bestimmen. Bei fast allen Messungen bewegte sich der pH-Wert unter 3,8. Gesunde Böden verfügen allerdings über einen pH-Wert, der zwischen 4,5 und 7,5 liegt. Das NRW-Umweltministerium empfiehlt bei einem pH-Wert unter 4,2 eine Kalkung.

Deutschlandweit weist etwa ein Drittel der Waldböden deutliche Versauerungsschäden auf, die durch Industrie, Verkehr, Haushalte und Landwirtschaft hervorgerufen werden und sich als saurer Regen auf die Waldbestände niederschlagen. Dadurch werden Schwermetalle freigesetzt, die in Pflanzen eindringen und die Widerstandskraft (z.B. gegen Insekten) schwächen. Auch besteht die Gefahr, dass die Wasserqualität gemindert wird. Stark versauerte Böden sind zudem auch nur noch vermindert in der Lage, Wasser zu speichern, was bei längeren Trockenphasen ein Problem darstellt. Die nächste Folge sind dann Käfer- und Pilzbefall.

Da die Mitglieder des Forstausschusses bereits im Rahmen einer Waldbegehung die Defizite erkannt hatten, erfolgte auch die einstimmige Bewilligung für die Kalkungsmaßnahme. Abgesehen vom hohen Säuregehalt gibt es kaum Grund zum Klagen, wie Gemeindeförster Wunderlich erläuterte. Im kommenden Jahr werden im Gemeindewald wieder rund 10.000 Festmeter Stammholz geschlagen, davon 8200 Festmeter Fichte. Damit bleibt man unter dem höchst möglichen Hiebsatz von 10.700 Festmetern.

Die Simmerather Forstverwaltung arbeitet sich im Uhrzeigersinn durch die Abteilungen des Gemeindewaldes und taucht nach rund fünf Jahren wieder am gleichen Punkt auf.

(P. St.)