Simmerath: Wärmebehandlung für die ganze Welt: Unternehmen BSN zieht Bilanz

Simmerath : Wärmebehandlung für die ganze Welt: Unternehmen BSN zieht Bilanz

Zum Jahreswechsel wird Bilanz gezogen. Das ist auch beim Simmerather Unternehmen BSN nicht anders. Der Spezialist für Thermoprozesstechnik wird das vergangene Jahr vor allem unter dem Gesichtspunkt betrachten, dass am Firmenstandort an der Kammerbruchstraße 64 zwischen Simmerath und Kesternich erhebliche Gebäude-Investitionen in Höhe von rund 70.000 Euro vorgenommen wurden.

Eine neu angemietete Bürofläche (150 Quadratmeter) im Nachbarhaus wurde durch ein geschlossenes Brückenbauwerk in der ersten Etage komfortabel und wetterunabhängig angebunden.

Mit dieser Investition hat das Unternehmen, das im Jahr 2003 gegründet wurde und inzwischen rund 40 Mitarbeiter am Standort Simmerath beschäftigt, auf lange Sicht seiner fortschreitenden Entwicklung auf dem Markt Rechnung getragen.

Der Jahresanfang ist aber auch immer die Zeit des Wünschens. Hier ist die Situation etwas komplizierter als der Bau eines gläsernen Flurs ins Nachbarhaus. „Wir suchen dringend neue Fachkräfte“, sagen Geschäftsführer Werner Schütt (65) aus Einruhr und Projektmanager Dieter Conrads (52) aus Konzen. Ingenieure, Techniker, Programmierer und Inbetriebnehmer sind gefragt, aber derzeit Mangelware auf dem Arbeitsmarkt.

30 Millionen Euro Umsatz

Dass die Bewerber bei BSN nicht Schlange stehen, mag vielleicht auch damit zusammenhängen, „dass wir in der Region noch nicht so bekannt sind“, vermutet Dieter Conrads. Dabei sind 30 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2017 bestimmt keine schlechte Hausnummer, vor allem, wenn man bedenkt, dass BSN vor sieben Jahren erst rund ein Viertel des heutigen Umsatzes verzeichnete.

Das kleine Unternehmen kann eine erstaunliche Entwicklung vorweisen, und hat offenbar kurz nach der Jahrtausendwende die Zeichen der Zeit erkannt, als vier Fachleute den bekannten Industrieofenbauer Junker in Lammersdorf verließen, um ihre langjährigen Erfahrungen im Industrieofenbau in ein eigenes Unternehmen einzubringen. Dieser Schritt erwies sich als gute Entscheidung, denn BSN ist heute in Europa und weltweit ein wichtiger Partner für die Automobil- und Flugzeugindustrie. Daimler-Benz ist einer der größten Kunden. BSN gilt inzwischen als international gefragter Spezialist für Wärmebehandlungsanlagen von Metallbauteilen. Jet-Heating-Öfen für die hocheffiziente Wärmebehandlung von Aluteilen gehören zu den herausragenden Produkten des Simmerather Unternehmens.

Die Fertigung findet zwar nicht am Firmenstandort selbst statt, aber die Werkbänke stehen in direkter Nähe. Das Metallbauunternehmen SEM im Gewerbegebiet Rollesbroich ist ebenso wie die dort ansässige Schlosserei Wilden ein wichtiger Fertigungspartner im Netzwerk. Nicht weniger als 80 Leute arbeiten für BSN in einem Netzwerk unterschiedlicher Unternehmen.

Aufgestellt ist BSN wie ein klassisches Ingenieurbüro, allerdings mit dem wesentlichen Unterschied, dass man komplette Wärmebehandlungsanlagen liefert, und die eigenen Leute neben Kalkulation und Konzeption auch die Inbetriebnahme und Wartung übernehmen.

Die Branche boomt

Aluminium ist der Werkstoff der Stunde, da die vom Gesetzgeber forcierte Verschärfung der CO2-Grenzwerte die Automobilindustrie zur Leichtbauweise zwecks Gewichtsreduzierung zwingt. „Die Nachfrage der Automobilindustrie ist derzeit enorm“, sagt Werner Schütt. Die Branche boomt, und die Auftragslage ist auch für BSN für viele Monate gesichert. Sogar für das Jahr 2020 wurde bereits ein Auftrag an Land gezogen. Kleine Öfen kosten bis zu 200.000 Euro, aber auch Vier-Millionen-Euro-Aufträge werden in Simmerath erledigt. Schütt erwähnt aber auch, dass die Automobilbranche kein leichtes Feld ist. „Da hat man schon mal schlaflose Nächte“, sagt der Geschäftsführer.

Als Vorteil erweist sich für BSN auch der Standort Simmerath, ist die Rurseegemeinde doch keineswegs nur für ihre touristischen Reize bekannt, sondern gilt inzwischen auch als bedeutender Standort für den Ofen- und Metallbau, der allein durch vier Unternehmen im Gemeindegebiet eine Konzentration erfährt. „Simmerath gilt inzwischen als das Mekka der Metallbauer“, fügt Schütt hinzu.

Auf der eine Seite ist es die anhaltend gute Konjunktur, die BSN optimistisch nach vorne schauen lässt, andererseits sieht die Firmenleitung auch den Erfolg in ihrer Unternehmenskonzeption begründet. Von Beginn an arbeitet man mit den gleichen Fertigungspartnern zusammen. Das gebe den Kunden Sicherheit. „Aufgrund dieser Kontinuität können wir extrem gute Reverenzen vorweisen“, sagt Dieter Conrads. Er spricht von „flachen Strukturen“ im Unternehmen, hebt die hohe Flexibilität und den großen Entscheidungsspielraum der einzelnen Mitarbeiter hervor, und ist nicht zuletzt auch stolz auf das „gute Betriebsklima“.

So geht BSN mit guten Perspektiven ins Jahr 2018, das auch dazu genutzt werden soll, durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit das Unternehmen etwas stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung und vielleicht auch neuer Fachkräfte zu rücken.