Nordeifel: Vor hundert Jahren tobt noch der Krieg in der Eifel

Nordeifel: Vor hundert Jahren tobt noch der Krieg in der Eifel

Im Dezember 1917 tobt der Erste Weltkrieg bereits im vierten Jahr und hat Millionen Todesopfer in der jungen Generation Europas gekostet. Aber immer noch wird weiter um den Sieg gekämpft, wobei den christlichen Kaisern, Königen und Politikern weiterhin nichts einfällt, als junge Männer in die Schlachten zu schicken, wo sie dann für „Kaiser und Volk“ verbluten.

Auch im damaligen Monschauer Volksblatt wird weiterhin über die Schlachten auf der Erdkugel berichtet, wobei, wie immer in Kriegszeiten damals, nur das veröffentlicht werden durfte, was die Zensur erlaubte.

Kein gewöhnliches Leben

Nirgendwo wird erwähnt, dass das deutsche Volk hungert und friert, dass die Nahrungsmittel rationiert sind. Auch im Lokalteil der Zeitung, die für die Kreise Monschau, Schleiden und Malmedy berichtet, wird davon nichts erwähnt. Lediglich in den Bekanntmachungen und Verordnungen der Bürgermeister und Landräte kann man erraten, dass das Leben eigentlich nicht seinen gewohnten Lauf nimmt.

Am 12. Dezember 1917 ruft der Bürgermeister der Stadt Monschau, Dr. Davids, die Bevölkerung durch folgende Bekanntmachung zu Spenden auf: „Die Teuerung aller Gegenstände des täglichen Bedarfs nimmt ständig zu. Die Anforderungen an den Kriegsfürsorgefonds steigern sich von Tag zu Tag.

Soll die Kriegsfürsorgekommission in der Lage sein, allen Ansprüchen genügen zu können, so ist ein weiterer Zufluss an Mitteln dringend erforderlich. Die Angehörigen unserer Helden da draußen sollen nicht darben. Ich richte daher an alle, die dazu in der Lage sind, die ebenso herzliche wie dringende Bitte: Gebt reichlich, gebt schnell! Die Stadtkasse nimmt Spenden entgegen.“

Zwischen den Zeilen liest man in diesem Aufruf, dass auch im Bereich des Kreises Monschau manche Menschen hungern und auf Spenden aus der Bevölkerung angewiesen sind.

In einem Aufruf des Bürgermeisters von Monschau vom 11. Dezember 1917 ergeht die Aufforderung an alle „jungen Männer“ ab dem Alter von 14 Jahren, sich zu Übungen zwecks militärischer Vorbereitungen zu melden, damit sie imstande sind, über kurz oder lang für die Verteidigung des Vaterlandes bereit zu sein. Wörtlich heißt es: „Es handelt sich nicht um Spiel und Spaß, sondern um eine ernste Vorbereitung für den Krieg, um eine Erfüllung einer gebietenden vaterländischen Pflicht.“ Die Übungen finden an Sonntagnachmittagen statt.

Da die Zeitung damals nur einmal in der Woche erschien, sollte man meinen, dass der Lokalteil nun voll wäre mit Meldungen aus den Kreisen Monschau, Schleiden und Malmedy. Das ist aber nicht der Fall. Hier eine Kurzfassung der Meldungen: In Dreiborn fällt ein vierjähriger Junge in einen Behälter mit kochendem Wasser und verbrüht.

In Wollseifen gerät ein kleiner Junge in die Mechanik einer Dreschmaschine und kann nur noch tot geborgen werden. In Monschau am Röttgen werden am 19. Dezember ein Zuchtstier, eine tragende Kuh und fünf Rinder versteigert. Ab dem 30. November werden Höchstpreise für Hafer und Gerste von der Kreisverwaltung festgesetzt. Getreidefrüchte waren also damals rationiert.

Am 22. Dezember wird die Beschlagnahmung aller Segeltuche, Zelte, Zirkuszelte, Markisen, Planen, Theaterkulissen und Panoramaleinen für Kriegszwecke angeordnet. Am 22. Dezember 1917 werden alle Bauern aufgefordert, die nicht zur Aufzucht notwendigen Kälber an den Rheinischen Viehhandelsverband zwecks Schlachtung abzuliefern. Unabhängig vom Gewicht erhalten die Bauern pro Kalb 10 Mark. Ab dem 15. Dezember werden alle Tierhaare und Tierborsten, einschließlich Schweineborsten, beschlagnahmt.

Die Frage nach Gott

Ein Redakteur, dessen Name nicht genannt wird, beklagt, dass viele Menschen angesichts der Millionen Toten auf den Schlachtfeldern und den hungernden Menschen in Deutschland an Gott verzweifeln und Gott leugnen, der solche Grausamkeiten zulässt. Er fordert die Seelsorger auf, diesen Gedanken entgegenzutreten und diese Gefahr energisch zu bekämpfen. Helfen sollte dabei das Büchlein „Der Herrgott und der Weltkrieg“, das eigentlich jeder Soldat bei sich tragen sollte. Es kostete damals so viel wie ein paar Zigarren.

Über Weihnachten ist im Lokalteil nichts vermerkt und geschrieben. Lediglich der Kommentator im Hauptteil der Zeitung beklagt, dass auch nach vier Kriegsjahren immer noch kein Friede herrscht. Er schreibt diesen Zustand allerdings nur den Feinden Deutschlands zu, die keiner Aufforderung zum Frieden nachkämen.