Kalterherberg: Von illegaler Gülle in Kalterherberg ist nichts bekannt

Kalterherberg: Von illegaler Gülle in Kalterherberg ist nichts bekannt

Kurz auf die Bremse treten in diesen Tagen viele Autofahrer, die auf der Malmedyer Straße in Kalterherberg unterwegs sind. Kurz vor der Abzweigung Elsenborner Straße ist an einer Straßenhecke ein gut ein Quadratmeter großes Kunststoff-Plakat befestigt worden, das von „Kalterherberger Bürgern“ unterzeichnet worden sein soll.

„Stop dem illegalen Import holländischer verseuchter Schweinegülle und Hühnermist nach Kalterherberg“ ist auf diesem Plakat zu lesen.Was hinter der Aufforderung steckt, Kalterherberg mit „verseuchter Gülle“ zu verschonen, ist schwer zu ermitteln. Weder der Ortsvorsteher, noch die Landwirtschaftskammer können sich die Herkunft des Plakates erklären, das auch vorübergehend schon auf dem Bürgersteig gelegen haben soll.

Auch zwei Aufkleber von einer „Aktion Agrar“ bringen keine Aufklärung. Die deutschlandweit tätige Organisation mit Sitz in Niedersachsen will „Bewegung in die Agrarwende“ bringen und streitet „für die Zukunft einer bäuerlichen Landwirtschaft, die ökologischer, sozialverträglich und tiergerechter arbeitet“. Das würde zwar passen, aber Jutta Sundermann, Sprecherin von Aktion Agrar, ist von der Aktion nichts bekannt, auch nicht von einer Anti-Gülle-Kampagne ihres Vereins.

„Die Sache mit den Aufklebern hat bestimmt jemand nett gemeint“, vermutet die Sprecherin. Vermutlich handele es sich um eine Einzel-Aktion, was aber nichts daran ändere, dass ihre Organisation sehr wohl das Problem illegaler Gülle-Transporte im Blick habe. „Da gibt es eine Menge schwarzer Schafe“, sagt sie.

Mengen sind festgelegt

Kalterherbergs Ortsvorsteher Norbert Rader ist nichts davon bekannt, dass es speziell in Kalterherberg ein Problem mit unzulässiger Gülle geben soll. „Das lässt sich nicht beweisen“, sagt er und verweist auf die entsprechenden Kontrollen.

In pauschalen Behauptungen sieht auch Dieter Esser aus Mützenich keine Diskussionsgrundlage. Der Monschauer Ortslandwirt verweist auf die strengen Vorschriften, die bei Gülletransporten gelten würden. Es sei durchaus nicht ungewöhnlich, dass Landwirte aus der Region Aachen Gülle in die Nordeifel transportierten.

An einem solchen Transport aber sei grundsätzlich nichts Illegales festzustellen, denn sämtliche Transporte, selbst wenn beispielsweise ein Landwirt von Imgenbroich nach Höfen Gülle transportiere, müssten gemeldet werden. Die zulässigen Mengen für die Flächen seien klar definiert. Zudem könne kein Landwirt Interesse daran haben, Gülle in übermäßigem Umfang oder in minderwertiger Qualität aufzubringen, da es sich um wertvollen Dünger handelt, betont Esser.

Auch Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer Düren, warnt vor undifferenzierten Behauptungen, dass Gülle „mal eben so über die Grenze transportiert wird.“ Gerade in den Niederlanden seien die Kontrollen in diesem Punkt besonders streng.

Rüb verweist auf ein Abkommen zwischen Deutschland und den Niederlanden, wonach alle Transporte angemeldet werden müssten. „Selbst ein Austausch zwischen benachbarten Betrieben ist meldepflichtig.“Unter Hinweis auf die „Wirtschaftsdünger-Überbringungsverordnung“ warnt er vor voreiligen Rückschlüssen.

Nicht jeder Gülletransporter mit einem niederländischen Kennzeichen befördere auch automatisch niederländische Gülle. So mancher deutsche Landwirte greife auf niederländische Lohnfuhrunternehmen zurück, weil diese preiswerter seien.

(P. St.)