Monschau: „Von Häusern und Menschen“ zeigt die Veränderung der Eifeldörfer

Monschau: „Von Häusern und Menschen“ zeigt die Veränderung der Eifeldörfer

Alte Häuser sind rar geworden in den Eifeldörfern, und die wenigen verbliebenen Exemplare gelten heute als regelrechte Sehenswürdigkeiten. Dabei bestimmten Fachwerkfassaden, Strohdächer und Stallungen vor gar nicht allzu langer Zeit das Erscheinungsbild der Dörfer, wobei weniger die Idylle als vielmehr ländliche Schlichtheit und Armut mit dieser Bauweise in Verbindung gebracht wurden.

Von Häusern und Menschen aus früherer Zeit erzählt auch eine gleichnamige Ausstellung, die am kommenden Freitag, 29. September, im Haus der Geschichte in Monschau eröffnet wird. Gezeigt werden Aufnahmen aus Höfen, Kalterherberg und Rohren vor 1945 und aus der heutigen Zeit. Die direkte Gegenüberstellung der Motive, in der Regel aus dem gleichen Blickwinkel aufgenommen, macht dabei auf unmissverständliche Weise deutlich, wie sehr sich das ästhetische Empfinden der Menschen und ihre Interpretation von dörflicher Baukultur verändert haben.

Nur noch in den wenigsten Fällen ist beim Vergleich der Häuser der Ursprungszustand noch eindeutig nachvollziehbar, häufig erfolgten einschneidende Um- und Anbauten und manchmal erfolgte auch gleich der Abriss und ersatzweise der Neubau eines Musterhauses. In Einzelfällen ist es trotz intensiver Recherchen nicht gelungen, den Häusern einen Standort zuzuordnen.

Dass die Ursprungsansichten überhaupt noch verfügbar sind, ist der akribischen fotografischen Arbeit von Walter Scheibler zu verdanken, der vor 1945 im Monschauer Land mit der Kamera unterwegs war und die dörfliche Bauweise dokumentierte.

Einen Schatz von rund 800 Fotoaufnahmen der Dörfer des Monschauer Landes, wie sie sich in den Kriegsjahren 1943 und 1944 noch unzerstört darstellten, hat der frühere Landrat, Lokalhistoriker und Ehrenbürger der Stadt Monschau, Walter Scheibler, der Nachwelt hinterlassen. Die strenge dokumentarische Vorgehensweise zeigt ein unverfälschtes Porträt der Ortschaften.

Eine Auswahl von knapp 50 Originalen oder Reproduktionen dieser über 70 Jahre alten Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus Höfen, Kal-terherberg und Rohren dienen nun als Grundlage und werden in der Ausstellung den aktuellen Ansichten gegenübergestellt.

Das Stadtarchiv Monschau hat diese Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Eifelverein Höfen, dem Eifelverein Kalterherberg 2008 und dem Verein für Heimatgeschichte Rohren sowie dem Geschichtsverein des Monschauer Landes konzipiert. Sie bildet die Fortsetzung der erfolgreichen Ausstellung aus dem Herbst 2016, als nach dem gleichen Muster alte und neue Ansichten aus Imgenbroich, Konzen und Mützenich zu sehen waren. Damals wie heute ist es das Ziel, als Dokumentation keine Wertung vorzunehmen, sondern die Veränderungen in den Dörfern in einer Art Zeitreise aufzuzeigen.

Material für Wiederaufbau

Dass Walter Scheibler, der damals bei der Kreisverwaltung beschäftigt war, in den Kriegsjahren seine fotografischen Aktivitäten stark ausdehnte, ging zurück auf den Wunsch der vom Nazi-Regime eingerichteten Forschungsstelle Deutscher Bauernhof, die bäuerliche Baukultur umfassend zu dokumentieren, um nach der drohenden Kriegszerstörung Anschauungsmaterial für den Wiederaufbau zu besitzen.

„Die Heimatvereine vor Ort waren Feuer und Flamme für das Projekt“, freut sich Stadtarchivar Dr. Bernd Läufer über das erneute Zustandekommen einer solchen Ausstellung, zumal die Recherchen vor Ort auch noch „einige Überraschungen“ hervorgebracht hätten. Somit habe die Ausstellung auch noch einen Mehrwert für die jeweilige Ortsgeschichte erzeugt.

Bereichert wird die aktuelle Ausstellung durch eine kleine thematische Sonderschau zur Geschichte der Strohdächer im Monschauer Land. Die kompakte und informative Dokumentation wurde von Dr. Toni Offermann vom Geschichtsverein des Monschauer Landes konzipiert. Im 18. und 19. Jahrhundert trugen fast alle Häuser in der Eifel ein Strohdach: Es war billig, da der Landwirt das Material aus flegelgedroschenem Roggenstroh selbst erzeugen, verlegen und reparieren konnte, es war dicht gegen Regen und Schnee und es sorgte für einen klimatischen Ausgleich.

Allerdings war es auch feuergefährlich, was sowohl die Regierenden wie auch die Feuerversicherung auf den Plan riefen und sogar zu Verboten von Strohdächern führte.

Zum allmählichen Verschwinden der Strohdächer in der Eifel trugen aber später vor allem Veränderungen in der Landwirtschaft bei, selbst wenn strohgedeckte Häuser zum Objekt der Denkmalpflege und seit 1929 finanziell gefördert wurden.