Vogelsang: Vogelsang: Zwei Adler-Plastiken treten ans Tageslicht

Vogelsang: Vogelsang: Zwei Adler-Plastiken treten ans Tageslicht

Bis 1945 standen die beiden großen Steinplastiken auf dem „Adlerhof” in Vogelsang und gaben ihm seinen Namen. 1946 entstand ein Foto, auf dem man die Plastiken von Willy Meller im Schutt liegen sieht. Danach verlor sich ihre Spur.

Jetzt wurden seit 60 Jahren verschollene Fragmente der Adler, die sich von 1936 bis 1945 im Adlerhof befanden, bei den seit 14 Tagen andauernden Ausschachtungsarbeiten für das neue Forum gefunden.

Klaus Ring, der Fachbereichsleiter für Ausstellungen und Forschung in Vogelsang, sagte, die Arbeiten seien von Tag zu Tag spannender geworden. Und die aktuelle Entdeckung belege wieder einmal, dass man sehr sorgfältig Ortslegenden lauschen sollte. Denn in der Bevölkerung sei eigentlich schon immer erzählt worden, dass die Adler unter einer Treppe vergraben worden seien. Wie Ring erläuterte, befand sich an der Fundstelle ein Treppenabgang in einen späteren Wirtschaftstrakt.

Die Adlerfragmente lagen unweit der Stelle, wo die Figur auf dem alten britischen Foto zu sehen ist. Zwei Rümpfe, ein Schwanzende und ein Teil des Halses wurden gefunden.

Helmut Stollenwerk von der Firma Braun aus Simmerath entdeckte die Relikte. Außerdem ließen sich später drei Teile des Sockels und eine Bodenplatte identifizieren. Ein größerer Werkstein mit Rundung könnte Teil des Sockels einer Brunnenschale gewesen sein.

Übrigens gab es in Vogelsang nicht zwei, sondern drei Adler. Als Adolf Hitler der „Ordensburg” 1936 einen Besuch abstattete, soll ihm nach einer Ortslegende das Adlerensemble wenig gefallen haben. Zwar zeigte einer der Raubvögel eine imposante, aufrechte Haltung mit gerecktem Hals, doch der andere wirkte eher geduckt, weil er mit dem Schnabel auf eine in den Fängen gehaltene Schlange einhackt. „Wir nennen den hier in Vogelsang etwas abschätzig den Puter”, so Ring schmunzelnd.

Hitler fand diesen offenbar nicht heroisch genug, so dass Meller beauftragt wurde, eine Kopie des aufgerichteten Adlers herzustellen. Das in Misskredit geratene Exemplar wurde laut dem Vogelsang-Referent und früheren belgischen Militärangestellten Luc Bruylandt bei Arbeiten an einem Weg nach Wollseifen gefunden. Der Torso wurde auf einer Wiese aufgestellt.

Heute sind alle drei Adler kopflos. Überall habe man nun nach den Häuptern gesucht - vergeblich. Dafür könnte es eine plausible Erklärung geben. Ring hält es für wahrscheinlich, dass sie abgeschlagen wurden und nach dem Krieg als Trophäen in englischen Gärten Verwendung fanden.

Das Forum Vogelsang entsteht im östlichen Teil des Adlerhofs, der eine Empfangshalle, einen mit hellem Marmor gefliesten Aufenthaltsraum und einen großen Besprechungssaal in dunklem Marmor enthielt. Die Gebäude wurden 1945 von Bomben zerstört und brannten ab. Noch nicht einmal Bauzeichnungen sind von ihnen enthalten. Es gibt aber einige Fotos. Das Material wurde nach dem Krieg von den Briten abgetragen.

Unter der gesamten Länge des Ostflügels wurden jetzt verschüttete Kellerräume gefunden. Flaschen, Porzellan, Stahlschüsseln, Kannen, Reste von Spülbecken und Wandfliesen deuten darauf hin, dass sich hier ein Küchentrakt befunden hat. Dr. Monika Herzog vom LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland sagte, es gebe ein großes Interesse an den Funden, weil vieles aus Vogelsangs Geschichte heute nur durch Fotos dokumentiert sei.