Roetgen: Veterinäramt nimmt Landwirt aus der Eifel die Tiere ab

Roetgen: Veterinäramt nimmt Landwirt aus der Eifel die Tiere ab

Das Amt für Verbraucherschutz, Tierschutz und Veterinärwesen der Städteregion Aachen hat einem Landwirt aus Roetgen die Tiere abgenommen: zwei Hunde, neun Schafe, eine Ziege, circa 15 Hühner, drei Enten, drei Gänse, neun Zwerghühner und zwei Zwerghähne sowie eine Zwerghuhnhenne und drei Küken.

Als Gründe werden eine fehlende Versorgung, unzumutbare Haltungsbedingungen und Gefahr für Leib und Leben der Tiere angegeben. Seit dem Jahr 2000 sei der Landwirt 14 Mal wegen nicht artgerechter Tierhaltung aufgefallen, teilt die Städteregion auf Anfrage mit.

Im Haus dient eine Hängematte als Brötchenlager: Futter für die Tiere habe es genug gegeben, sagt der Landwirt.

Gerald Michalski, der Halter der Tiere, sieht die Sache hingegen völlig anders. In seinen Augen sind die Mitarbeiter der Behörde die wahren Tierquäler. „Ich lasse meine Tiere doch nicht verhungern. Hätte man mich darauf angesprochen, dass meine Tierhaltung nicht in Ordnung ist, hätte man das besprechen können. So wurde ohne Voranmeldung alles beschlagnahmt“, sagt er.

Unterschiedliche Darstellungen

Während seiner Abwesenheit hätten sich die Mitarbeiter der Behörde am vergangenen Freitag Zutritt zu seinem Grundstück an der Bundesstraße verschafft. Nach seinem Eintreffen habe er sie „auf der Wiese erwischt“ und aufgefordert, das Grundstück zu verlassen, sagt Michalski. Dabei habe er die 35-jährige Amtsärztin mit der Hand am Arm gefasst. Daraufhin habe die Ärztin nach seinem Gehstock gegriffen und behauptet, er habe sie schlagen wollen. Dann hat sie die Polizei hinzugerufen.

Die Polizei schildert die Situation auf Nachfrage anders. Offenbar erbost über den Besuch des Veterinäramtes sei der 64-Jährige „verbal äußerst aggressiv“ geworden. Daher wurde das Ordnungsamt der Gemeinde Roetgen hinzu gerufen. Doch auch dann habe sich der Landwirt nicht beruhigen lassen und sei schließlich auf die 35-Jährige losgegangen. Dabei habe er unter anderem mit einer Stange nach der Frau geschlagen und sie am Oberarm touchiert.

Kollegen der Ärztin, die unverletzt blieb, würden diese Angaben bestätigen, berichtet die Polizei. Selbst im Beisein der Polizeibeamten habe der 64-Jährige die Veterinärmedizinerin verbal und körperlich angegriffen. Erst nach Androhung einer Ingewahrsamnahme durch die Polizei sei der Mann zurückhaltender geworden. Nichtsdestoweniger müsse er sich nun in einem „Verfahren wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamten gleichstehenden Personen“ verantworten.

Den Tieren habe es bei ihm nie an etwas gemangelt. Die in umgebauten Viehanhängern untergebrachten Hühner hätten auf 80 Quadratmetern Auslauf im Freien gehabt und stets genügend Futter. „Meine Hühnerhaltung ist artgerecht, und hier haben sich auch nicht fünf Hühner pro Quadratmeter gestapelt, wie das sonst in der Bodenhaltung üblich ist“, sagt Michalski.

Er verweist auf umherstehende Wassertröge. Im Inneren des Hauses, das mehr an eine Baustelle als an eine Wohnung erinnert, zeigt er Säcke mit Futtermittel vor, deutet auf eine Hängematte, in der er alte Brötchen trocknet und öffnet eine Gefriertruhe, in der er Fleisch für die in Zwingern untergebrachten Hunde lagert. „Alle meine Tiere waren stets mit Wasser und Nahrung versorgt“, betont Michalski.

Er wirft den Mitarbeitern der Behörde vor, dass sie keine Ausrüstung zum Fangen und zum Transport der Tiere gehabt hätten. Sie hätten das Geflügel in Kartons ohne Lüftungsschlitze gepackt und in einen Anhänger verfrachtet, wo die Tiere dann über vier Stunden ohne Wasser und Frischluftzufuhr in der prallen Sonne gestanden hätten. Zwei seiner eigenen Transportkisten seien entwendet worden. Die Ente hätte man von ihrem Gelege geholt.

Außerdem habe er später auf dem Gelände zwei Hühner gefunden, die nicht mitgenommen wurden und wovon eines verletzt worden sei. „Ich fühle mich überfallen und bin mit der ganzen Aktion überhaupt nicht einverstanden. Ich verstehe nicht, was das soll. Wir leben in einem Rechtsstaat, und das muss ich mir nicht gefallen lassen“, sagt Michalski, der nun eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht hat.

Die Darstellung der Städteregion klingt hingegen völlig anders. Vor Ort hätten die Behördenvertreter ein Gelände mit Schrott, Baumaterial, Geräten und vielem mehr vorgefunden. Der Boden eines Unterstands für Schafe habe aus einer einzigen Kotfläche bestanden. Die Wiese sei abgegrast und eine Zufütterung nicht erkennbar gewesen.

Die Ziege sei abgemagert, und vor dem Unterstand hätten sich verletzungsträchtige Gegenstände (Heuwender, Mistgabel, Rechen etc.) und eine schwarze Wanne mit verschmutztem Wasser befunden. Aus dem Boden der Wiese hätten spitze Drähte hervor gestochen. Bei einigen Schafen seien die Anal- und Hinterbeinregionen hochgradig mit Durchfall und Kotplatten verschmutzt gewesen. Das Geflügel habe sein Dasein in Dunkelhaltung ertragen müssen. Die Hühner seien in einem schlechten Pflegezustand und hätten starke Gefiederschäden vorgewiesen.

Ein Tier habe auch eine hochgradige Lahmheit aufgewiesen. Bei den Enten und Gänsen habe es ähnlich ausgesehen. Die Gänse seien in einem umgebauten Wassertank eingesperrt gewesen. Im Außenbereich habe zudem ein geeignetes Badebehältnis für das Wassergeflügel gefehlt. „Es konnten lediglich Töpfe mit verschmutztem Wasser vorgefunden werden“, schreibt die Städteregion.

Die Hunde habe man in Zwingern aufgefunden, von denen einer nicht überdacht sei. Einer der beiden Hunde habe einen deutlichen Zwingerkoller in Form eines nicht endenden Umherlaufens im Kreis gezeigt. Eine isolierte und überdachte Liegefläche im Zwinger habe gefehlt, und auf dem Boden habe man Kot in Form von Durchfall gefunden.

„Aufgrund der Vielzahl an gravierenden Haltungsmängeln und wegen der wiederholten Verstöße wurde entschieden, den gesamten Tierbestand im Sofortvollzug fortzunehmen. Wegen der Vielzahl der Tiere wurden diese zum Teil in belüfteten Papierkartons untergebracht und transportiert. Durch die fortwährenden Störungen und Beschimpfungen wurde die Handlung unnötig in die Länge gezogen!“, hält die Städteregion fest.