Veterinäramt Aachen gibt Tiere an Zirkus der Familie Lauenburger zurück

Veterinäramt Aachen : Beschlagnahmte Zirkustiere an Besitzer zurückgegeben

Die Pferde, Lamas, Esel und Laufenten des Zirkus der Familie Lauenburger, die am 31. Januar vom Amt für Verbraucherschutz, Tierschutz und Veterinärwesen der Städteregion Aachen in Imgenbroich beschlagnahmt worden waren, sind unter Auflagen wieder an den Zirkus übergeben worden. Sie wurden in das Winterquartier im Kreis Euskirchen gebracht. Das teilte die Städteregion am Freitag mit.

Der Zirkus hatte seinerzeit angegeben, wegen eines erhöhten Schneeaufkommens nicht den Platz im Imgenbroich, an dem er sein Zelt für ein Gastspiel in der Weihnachtszeit aufgeschlagen hatte, Richtung Winterquartier verlassen zu können. Die Lkw hätten sich festgefahren, man habe auf die Hilfe eines befreundeten Bauern gewartet, um die Tiere transportieren zu können, sagte damals Zirkusbetreiber Roland Lauenburger.

Das Veterinäramt warf dem Betreiber vor, die Tiere seien nicht adäquat untergebracht. „Der Familienzirkus hatte seine Tiere wegen des anhaltenden Schneefalls allesamt in einem Hänger untergebracht“, teilte die Städteregion heute in einer Pressemitteilung dazu mit. Hinzu seien Missstände bei der Pflege und einige gesundheitliche Probleme gekommen. Deshalb habe die Behörde sich dazu entschieden, die Tiere in Obhut zu nehmen.

Die Tiere seien von einem Amtstierarzt untersucht worden. Inzwischen seien pflegerische und medizinische Maßnahmen unternommen worden, und der Zirkus habe ein geeignetes Winterquartier in Euskirchen bezogen. Das Veterinäramt in Aachen habe die Gesamtumstände im Rahmen des Tierschutzgesetzes bewertet und im Anschluss einige Tiere am Donnerstag wieder dem Halter übergeben. Die Kosten für das Einschreiten habe der Zirkus zu tragen.

Zustand der Tiere beobachten

„Das Veterinäramt des Kreises Euskrichen wird die weitere Genesung und den Zustand der Tiere beobachten und bei Verstößen gegen tierschutzrelevante Vorschriften unverzüglich einschreiten“, schrieb Pressesprecher Detlef Funken. Und weiter: „Das Eigentum an einigen Tieren wurde im gegenseitigen Einvernehmen auf die Städteregion Aachen übertragen.“

Der Betreiber habe freiwillig den Hahn und die Ziegen aufgegeben. Auch ein Kamel wurde der Städteregion übertragen. Nach derzeitigen Erkenntnissen habe das Kamel eine chronische Erkrankung, die nicht durch den Zirkusbetreiber zu verantworten sei, so Funken. Es ist derzeit auf einem Tierhof untergebracht.

Unter anderem diese Ziege wurde am Donnerstag wieder ihrem Halter übergeben. Foto: Nadine Eikermann

Grundsätzlich gebe es keine Vorschriften, die eine Haltung von Tieren in Zirkussen verbieten würden, so Funken. „Derzeit sind eine artgerechte Haltung und Versorgung sowie eine weitere tierärztliche und behördliche Begleitung gewährleistet“, sagte er.

Anders sieht das jedoch Peter Hübner vom Verein Animals United. Diese Organisation sieht sich laut eigener Beschreibung selbst als Aufklärungs- und Bildungsorganisation mit dem Ziel, über Tierrechte zu informieren und ein Umdenken im Mensch-Tier-Verhältnis in der Gesellschaft zu erwirken und fördern. „Wir haben eine Strafanzeige gegen den Zirkus Balu gestellt wegen des Verstoßes gegen Paragraf 2 des Tierschutzgesetzes“, sagte Hübner. Und auch gegen das Veterinäramt behalte man sich rechtliche Schritte vor. Denn es sei vom Veterinäramt nicht sichergestellt worden, dass die Tiere künftig nicht wieder medizinisch versorgt werden müssten, aber nicht würden.

Der Anwalt des Vereins habe das Amt angeschrieben und um Akteneinsicht gebeten, doch noch bevor diese habe erfolgen können, seien die Tiere wieder zurückgegeben worden, beklagte er. „Ein Schelm, der Böses dabei denkt“, sagte er dazu. Der Pressereferent der Städteregion, Holger Benend, wieß auf Nachfrage dieser Zeitung darauf hin, dass dies zwei verschiedene Prozesse seien und ein Antrag auf Akteneinsicht das laufende Verfahren nicht stoppe.

Am Samstag, 23. Februar, plant Animals United eine Demonstration am Elisenbrunnen, Friedrich-Wilhelm-Platz, in Aachen. Um 12 Uhr soll es losgehen. Auch Privatleute seien willkommen. Die zentralen Aussagen seien die folgenden: „Tiere gehören nicht in den Zirkus“, „Zirkus ja, mit Tieren nein“ sowie „Ein guter Zirkus (miss)braucht keine Tiere.“

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