Verurteilter Schulleiter: Fall wird vor Gericht wieder aufgerollt

Versuchte Brandstiftung : Verurteilter Schulleiter: Fall wird vor Gericht wieder aufgerollt

Wegen versuchter Brandstiftung Verurteilter will im Berufungsverfahren am Landgericht einen Freispruch erreichen. Bislang drohen drei Jahre Haft.

Vor dem Aachener Landgericht wird seit Mittwoch ein Fall neu aufgerollt, in dem ein ehemaliger Schulleiter einer Monschauer Schule wegen versuchter schwerer Brandstiftung und Körperverletzung angeklagt ist. Vor der Berufungskammer unter Vorsitz von Richter Christian Bülte versucht Lehrer Franz-Anton D. (64) einen Freispruch zu erreichen.

Der inzwischen gekündigte Hauptschullehrer war im März dieses Jahres von einem Aachener Schöffengericht zu einer Haftstrafe von drei Jahren wegen versuchter Brandstiftung und gleich vierfacher versuchter Körperverletzung verurteilt, er legte Berufung ein, weil er nach eigenem Bekunden unschuldig sei.

Was war passiert? Der Pädagoge soll in der Nacht vom 27. auf den 28. November 2015 von seiner Wohnung in Monschau zu seinem ehemaligen Haus in Würselen gefahren sein, um den Dachboden des Hauses mit einem in einem Rucksack mitgebrachten Brandsatz bestehend aus Otto-Kraftstoff und einer Kerze anzuzünden. Das Schöffengericht sah dies in seinem Urteil vom 17. März 2018 als erwiesen an, die Darstellung des Angeklagten, er sei nur wegen eines Gespräches in dem Haus gewesen, verwarfen die Richter als reine Schutzbehauptung.

Der Hintergrund: Franz-Anton D. hatte nach seinem Wechsel als Hauptschullehrer etwa im Jahr 2012 sein Haus 2014 an ein Paar mit drei Kindern verkauft. Die neuen Eigentümer, das berichtete jetzt vor der Strafkammer nochmals der mutmaßlich geschädigte Zeuge Christos K. (43), hatten das kleine Häuschen mit der Option gekauft, das Dachgeschoss ausbauen zu können.

Doch alsbald stellte sich durch Nachfragen bei dem zuständigen Bauamt heraus, dass der Ausbau nach den vorliegenden Plänen so nicht genehmigungsfähig sei. Die Familie klagte gegen den Verkäufer aufgrund einer entsprechenden Klausel in ihrem Kaufvertrag, es gab massiven Streit zwischen den Vertragspartnern. Ein Zivilverfahren ist auch heute noch anhängig, in dem es um eine Summe von rund 130.000 Euro als Rückerstattung vom Kaufpreis des Hauses geht.

Weil er womöglich Beweise im Dachgeschoss des Hauses vernichten und damit den Zivilprozess zu seinen Gunsten wenden wollte, so stellte das Schöffengericht im März fest, habe der Angeklagte in dieser Nacht versuchen wollen, mit einem Brandbeschleuniger den Dachboden des Hauses in Würselen anzuzünden. Dabei nahm der Lehrer in Kauf, dass Kinder und die Mutter unmittelbar im Geschoss darunter schliefen und womöglich Opfer der Flammen geworden wären.

Doch der nächtliche Besuch wurde entdeckt. Wie es dazu kam, schilderten gestern erneut sowohl der Geschädigte Christos K. wie auch die Ehefrau vor der Kammer. Die Mutter hatte des Abends eine Weihnachtsfeier besucht, von der sie nach Mitternacht zurückgekommen sei, zwei der drei Kinder schliefen bereits lange, ein Kind übernachtete anderweitig.

Als Christos K. gegen drei Uhr vom Fernsehen genug hatte und ebenfalls zu Bett gehen wollte, sah er die offene Türe zum Dachboden. Wegen der Kälte wollte er sie zumachen und leuchtet mit seinem Handy hinein in die Dunkelheit und erstarrte. Denn dort stand der Angeklagte, wie sich später herausstellte. Er war mit einer Wollmaske vermummt und nicht zu erkennen.

Sofort sei es zu einem Kampf auf der steilen Treppe gekommen, man fiel kämpfend hinunter, erst im Erdgeschoss überwältigte man den Eindringling, seine Arme und Füße konnten mit Panzertape gefesselt werden.

Selbst da, bekräftigte der im sozialen Bereich tätige Pädagoge Christos K. vor Gericht, habe er „den Mann“ unter der Maske nicht erkannt, er habe sie auch nicht abziehen wollen, da er davon ausgegangen sei, dass „irgendein Einbrecher“ dort gestanden habe. Erst als die Polizei den auf dem Dachboden gefundenen Rucksack inspizierte stellte sich die Identität des Mannes heraus.

Franz-Anton D. selber hatte angegeben, er sei zu einem klärenden Gespräch nach Würselen gekommen und dann angegriffen worden.

Ein Urteil in diesem Fall wird voraussichtlich am 15. November erwartet.

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