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Nordeifel: Verspäteter Zug mit bis zu 500 Kranichen über der Eifel

Nordeifel : Verspäteter Zug mit bis zu 500 Kranichen über der Eifel

Erste Frühjahrsboten oder verspäteter Flug ins Winterquartier? Hunderte Kraniche sind am Sonntag über die Nordeifel geflogen — zu einer ungewöhnlichen Jahreszeit und in Richtung Südwesten. Viele Menschen berichteten am Sonntag in den sozialen Netzwerken von ihren Beobachtungen des außergewöhnlichen Kranichzugs.

„Es liegen Meldungen vor aus Witzerath (40), Monschau (40), der Wehebachtalsperre (100), Nideggen (160) und aus Schleiden (500). Die Zahlen sind natürlich nur Annäherungswerte“, bestätigte Günter Krings, Natur- und Vogelexperte unserer Zeitung aus Dedenborn, am Montag.

Günter Krings hat eine Erklärung für den Januar-Flug der „Schneegänse“, wie man die Zugvögel in der Eifel gerne nennt: „Normalerweise fliegen die Kraniche, die in Skandinavien gebrütet haben, im Spätsommer oder im Frühherbst nach Mecklenburg-Vorpommern und Polen. Dort finden sie auf den abgeernteten Getreide- und Maisfeldern noch ausreichend Nahrung und bleiben dort häufig so lange, bis Frost und Schnee das Auffinden der Nahrung unmöglich machen.

Da es bis jetzt auch im Osten Deutschlands noch keinen richtigen Winter gab, blieben die Kraniche dort und sparten sich die Mühe, weiter in den Süden zu fliegen. Aber es scheint nun so, dass es im Osten kälter wird, so dass auch die letzten Kraniche ihre Winterquartiere aufsuchen müssen, die wahrscheinlich in der Champagne in Frankreich sind“, erläutert Krings. Die dortigen Riesenstaudämme und das umliegende Wiesen- und Ackerland seien in unseren Wintermonaten der ideale Aufenthaltsort für die Kraniche, weiß der Experte und glaubt: „Die fliegen gar nicht mehr bis nach Spanien, so wie früher.“

Noch genügend Futter gefunden

In diesem weiteren, sehr milden Winter seien aber immer noch nicht alle Zugvögel aus Nordostdeutschland abgezogen: „In Mecklenburg, Sachsen-Anhalt und in Sachsen halten sich zurzeit noch sehr viele Kraniche auf, von denen sicherlich eine ganze Menge nicht mehr wegziehen wird, es sei denn, es wird in den kommenden Wochen noch bitter kalt“, so Krings.

Vermutungen, der verspätete Vogelzug könnte ein Indiz für einen bevorstehenden harten Wintereinbruch sein, widerspricht der Hobby-Ornithologe. Das Zugverhalten der Kraniche richte sich vielmehr grundsätzlich nach dem aktuellen Wetter im Aufenthaltsgebiet und der Möglichkeit, dort ausreichend Nahrung aufnehmen zu können. Günter Krings: „Die uns jetzt überquerenden Kraniche sind also keineswegs desorientiert, sondern haben sich lediglich an die milden Winter angepasst.“

(hes/gük)