Mützenich: Venndorf hat sein gute Stube bald wieder

Mützenich: Venndorf hat sein gute Stube bald wieder

Der alte Bollerofen wird nicht in den Saal zurückkehren - ansonsten aber soll der „Nassenhof” samt Kneipe, Saal und Beherbergungsbetrieb schon bald wieder die „gute Stube von Mützenich” sein.

Dieses Ziel verfolgt Arno von den Driesch, seit seinem zehnten Lebensjahr im Venndorf beheimatet, mit der derzeit laufenden, aufwendigen Renovierung des Gebäudes an der Eupener Straße 80.

Seine Firma, ein im Imgenbroicher Himo ansässiges Unternehmen für Qualitätssicherung, hat den gesamten Komplex angekauft und finanziert auch die sechsstellige Renovierung, die teilweise einer Kernsanierung gleichkommt.

Wer je im „Nassenhof” eingekehrt ist, kennt die Toilettensituation in der Gaststätte wie auch bei Saalveranstaltungen. „Die Toiletten für die Kneipe bleiben zwar in ihren bisherigen Grundrissen, weden aber neu angeordnet”, erläutert der Bauherr. Durch das Versetzen der Wand zwischen beiden Bereichen könne die Zahl der Damen-Toiletten von zwei auf drei erhöht werden, bei den Herren stehen neben einem WC fünf Urinale statt der uralten Wandrinne zur Verfügung.

Da diese Anzahl aber gerade mal ausreichend für den Kneipen- und Gaststättenbetrieb ist, soll der Saal in einem zweiten Schritt eigene Toiletten bekommen, die in einem Anbau Richtung Nordost (Friedhof/Kirche) Platz finden werden.

Nicht viel verändern wird sich dagegen in der Kneipe selbst, wo Theke, Sitzgelegenheiten (allerdings nicht mehr auf einer Empore) und Steh- bzw. Knobeltische weitgehend in der bewährten Anordnung platziert werden. „Allerdings werden unsere Gäste Mobiliar, Theke und Einrichtung runderneuert vorfinden”, verrät Ulrike Call, die die Gaststätte führen wird. Geplant werden Umbau und Sanierung vom Mützenicher Architekten Walter Maaßen, wie von den Driesch „von Kind auf bekennender Nassenhof-Fan”. Bei allem muss Maaßen behutsam vorgehen, denn natürlich steht der gesamte Komplex unter Denkmalschutz und ist gleichsam ein Geschichtsstück Eifeler Gaststättenkultur.

Wesentliche Veränderungen bei im Herbst begonnenen Um- und Ausbau sind die Erweiterung um einen - rauchfreien - Speiseraum nebenan (bisher Küche) und ein eigener Fußball- und Fernsehraum im bisherigen Gesellschaftsraum des Herbergsbetriebs. „Die Fußballfans sollen sich auch künftig im Nassenhof treffen und gemeinsam Fußball gucken können”, verspricht Arno von den Driesch, „ich möchte aber keinen Fernseher mehr in der normalen Kneipe haben”, nennt der Geschäftsführer einen wesentlichen Punkt seiner Philosophie.

Eröffnung „Anfang 2012”

Der „Nassenhof” wird auch weiter offizielle „sky-Sportsbar” mit Bundesliga live sein, und selbstredend steigt bei der Europameisterschaft im Sommer wieder das besuchte und stimmungsvollste „Public Viewing” der Nordeifel. „Das steht auch schon im Terminkalender auf unserer neuen Homepage”, schürt „Uli” Call die Vorfreude auf mitreißende Fußballabende im Saal.

Der Saal, Mitte bis Ende der 90er-Jahre noch vom leider allzu früh verstorbenen Vorbesitzer Uli Kübchen aufgepeppt, bleibt indes von den Sanierungsarbeiten unberührt, ja soll sogar schon im Dezember wieder für eine Veranstaltung der Landfrauen genutzt werden. Wann der „Nassenhof” dann insgesamt wieder aufmacht, da möchten sich Arno von den Driesch und Ulrike Call aber lieber nicht festlegen. „Wir möchten nicht, dass unsere Gäste durch eine Baustelle laufen.

Also sagen wir lieber, dass wir dann eröffnen, wenn wir fertig sind,” meinen sie augenzwinkernd. Einen Termin „etwa Anfang 2012” lassen die beiden sich dann aber doch abringen und legen sich auch fest, dass der beliebte Möhneball des Musikvereins Mützenich am 19. Februar 2012 im Saal wird stattfinden können.

Danach hatte es vor einigen Monaten noch nicht ausgesehen. Die kultige Gaststätte, in der nach Angaben des Mützenicher Dorfheimatforschers Dirk Küpper die erste Els-Anlieferung mit 1857 (!) datiert ist, drohte zu zerfallen, nachdem sich zunächst kein neuer Pächter, geschweige denn Besitzer fand.

Dann aber fasste Arno von den Driesch seinen ganzen unternehmerischen Mut zusammen, erwarb die Immobilie, erstellte Sanierungspläne und holte sich Partner ins Boot. „Mützenich ohne Nassenhof - das war für mich einfach unvorstellbar”, erinnert er sich an so manch eigene gesellige Stunde auf dem Holzboden in Saal und Kneipe.

Natürlich hat von den Driesch nicht nur aus Liebe zum Dorf die Herkulesaufgabe übernommen. „Das Ding ist eine Goldgrube”, ist er überzeugt. Der Saal wird gerne gebucht und von Vereinen genutzt, Mützenich hat im Gegensatz zu vielen Dörfern noch eine recht gute „Kneipengänger-Kultur”, und der „Nassenhof” liegt auch touristisch überaus günstig, nämlich sehr nahe an Eifelsteig und Ravel-Radweg.

Konzept auf 20 Jahre ausgelegt

Deshalb werden in einem weiteren Schritt auch Gästezimmer hergerichtet - allerdings nicht mehr im Stile einer Jugendherberge, sondern als Doppelzimmer mit gängigem Komfort. Und an der Ecke Zäunchen/Eupener Straße ist für das neue Team eine Art Info-Office als Anlaufstelle für Touristen denkbar.

Große Pläne also, die es nun umzusetzen gilt. Aber Zeitdruck empfindet der neue Besitzer nicht, unser Konzept ist auf 20 Jahre ausgelegt”, sieht er die Immobilie mit der wechselhaften jüngeren Geschichte endlich in ruhigerem Fahrwasser.

Eine ganz wesentliche veränderung, die dem passionierten Biergenießer Arno von den Driesch nach eigenen Angaben besonders wichtig ist, wird der Gast übrigens nicht sehen, wohl aber schmecken: Der Bierkeller wird derzeit ebenfalls von Grund auf erneuert - samt Kühlung und aller Leitungen. Na dann: Prost!