Konzen: VdK Konzen: Auch nach 60 Jahren immer noch unverzichtbar

Konzen: VdK Konzen: Auch nach 60 Jahren immer noch unverzichtbar

Ärger mit dem Rentenantrag oder dem Rentenbescheid, Streit mit der Sozialbehörde, Probleme vom Ausfüllen von umständlichen Anträgen: der VdK bietet Hilfe, er vertritt seine Mitglieder (gegen eine kleine Gebühr) auch bei Widerspruchs- und Klageverfahren.

VdK - die drei Buchstaben stehen für „Verband der Kriegs- und Wehrdienstopfer, Behinderte und Rentner Deutschland”.

Dieser (lange) Name bedeutet, dass der Sozialverband VdK „alle Bevölkerungsgruppen erfasst, die in sozialen Angelegenheiten Hilfe brauchen”, betont Otto Offermann, seit 1993 Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Konzen-Imgenbroich. Dieser Ortsverband mit heute 142 Mitgliedern feiert sein 60-jähriges Bestehen. Zum Festtag am nächsten Samstag, 9. Juni, neben den Ehrengästen auch alle Mitglieder eingeladen.

Welche Aufgaben hatte der Verband früher und welche hat er heute? Darüber sprachen wir mit Otto Offermann, der sich schon von Jugend an für den VdK und die Menschen in diesem „Verein” mit großem Engagement, mit Mut und Sachkenntnis eingesetzt hat und auch heute noch nicht nachlässt, wenn es um den VdK und seine Mitglieder geht.

„Nach zwei Weltkriegen, nach unsäglichem Leid, in schier hoffnungsloser Lage, inmitten von Trümmern, Hunger und Obdachlosigkeit schlossen sich die Menschen zu einer Solidargemeinschaft zusammen und schufen so eine Basis für die dringend notwendige Hilfe für die besonders Betroffenen, die Kriegsopfer. Es galt, die schrecklichen Wunden zu lindern und zu heilen.

Ansonsten bestand die Gefahr, das Millionen Kriegsversehrte, Witwen und Waisen in dieser ohnehin so schlechten Zeit auf der Strecke blieben, verarmten, krank wurden und starben”. So kam es, wie Otto Offermann weiter berichtet, dass Ende 1947 der Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen offiziell gegründet wurde. Das wichtigste Ziel: die Versorgung der Kriegsopfer zu verbessern.

In Konzen gehörte Norbert Thoma 1947 zu den ersten Männern des VdK, obwohl es noch keinen Ortsverband gab. Der wurde erst 1952 gegründet. In Konzen gab es, so Otto Offermann, 26 Witwen und 53 Waisenkinder, deren Väter im Krieg gefallen waren.

Er erinnert sich noch an die Weihnachtsfeiern für diese Kinder. „Wir wurden mit Kakao, Plätzchen und Kuchen verwöhnt, was zu dieser Zeit eher selten war.” Die „bunten Abende” brachten ein wenig Abwechslung in den harten und beschwerlichen Alltag der Kriegsopfer. Wichtiger aber war die konkrete Hilfe in der sozialen Not.

In den 60er Jahren ging die Zahl der Kriegsopfer langsam zurück, die älteren starben, aus den Kriegswaisen wurden Erwachsene. Andererseits nahm die Zahl der Menschen zu, die durch angeborene Leiden, schwere Krankheit, Unfälle, Verlust des Arbeitsplatzes oder als Opfer von Gewalttaten aus eigener Kraft ihren Lebensunterhalt und ihre Wohnung nicht mehr bezahlen konnten.

Auch um diesen Personenkreis kümmerte sich der VdK mehr und mehr. Die Konsequenz: Im Jahr 1971 änderte der VdK, der bis dahin im Volksmund als „Kriegerverein” genannt wurde, seinen Namen: Verband der Kriegs- und Wehrdienstopfer, Behinderten und Rentner Deutschland.

Heute ist dieser VdK der größte Sozialverband in Deutschland mit mehr als 1,4 Millionen Mitgliedern. Der VdK hilft Menschen mit Behinderungen, Rentnern, Unfall -und Wehrdienstopfer, Sozialversicherte und Sozialhilfeempfänger, er setzt sich dafür ein, das seine Mitglieder weder „ins gesellschaftliche noch ins finanzielle Abseits unserer Leistungsgesellschaft gedrängt werden”.

Der Sozialverband VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit und Solidarität, er wehrt sich dagegen, dass die Kluft zwischen Wohlstand und Armut immer größer wird. Dabei, so Otto Offermann, geht es „auch um den sozialen Frieden in der Bevölkerung”, der massiv bedroht ist, wenn die einen sich immer ein höherer Maß an Lebensqualität schaffen, was für andere Abstieg, Arbeitslosigkeit und Ausgrenzung bedeutet”.

Seit 1983 gehören auch VdK-Mitglieder aus Imgenbroich dem Ortsverband Konzen an, der sich seither Ortsverband Konzen-Imgenbroich nennt. Heute hat der Ortsverband 142 Mitglieder, 70 aus Konzen, 20 aus Imgenbroich und 50 aus 15 weiteren Orten hier in der Region.

Der Verband finanziert seine Arbeit ausschließlich über Mitgliedsbeiträge (54 Euro im Jahr) und Spenden, der VdK hilft seinen Mitglieder bei Klageverfahren vor dem Sozialgericht (für eine Gebühr von 28 Euro) und bei Widerspruchsverfahren (für eine Gebühr von 18 Euro).

Der Ortsverband Konzen-Imgenbroich, so Otto Offermann (68), ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht, hilft seinen Mitgliedern auf Wunsch beim Ausfüllen von Anträgen, denn „ viele Antragsberechtigte sind selbst nicht in Lage, die Fülle von Vordrucken auszufüllen”. Die Folge wäre, sagt Otto Offermann, die finanzielle Notlage der Betroffenen würde noch größer.

Der VdK-Ortsverband besucht kranke und ältere Mitglieder zu Hause und im Altenheim, er überbringt Glückwunsch bei „runden Geburtstagen”, zum Angebot gehören auch Grillfeste, Weihnachtsfeiern und Ausflüge, somit sorgt der VdK für Begegnungen und Kontakte zwischen den Mitgliedern und anderen Bürgern.

Die Jubiläumsfeier am Samstag beginnt um 15 Uhr im Musik- und Kulturzentrum am Dorfplatz.

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