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Monschau: Unterricht mit Blick nach oben

Monschau : Unterricht mit Blick nach oben

Die Sonne stand hoch über Rohren, als die Venus den grellen Himmelskörper „berührte”.

Und Jugendliche des Gymnasiums in Monschau erlebten mit, als der Transit begann. Als dunkler Klecks war die Venus „unten links” in der Sonne zu sehen. Die Gymnasiasten notierten den ersten Kontakt zwischen Venus und Sonne: exakt um 7.37:28 Uhr. Eine zweite Messung ergab ein anderes Ergebnis: 7,38:08.

Beobachtungsstand auf der Wiese

Aufgabe der jungen Leute im Leistungskurs Physik war es später, aus den gesammelten Daten „auf die Sekunde genau” den Kontakt zu bestimmen, „so lautet die Theorie”, erläuterte Dr. Boris Dirsch seinen Schülern. Der promovierte Astronom ist derzeit Lehrer an St. Michael mit den Fächern Physik und Mathe.

Gemeinsam mit den Jugendlichen des LK Physik der Jahrgangsstufe 12 hatte er draußen auf einer Wiese hinter dem Gymnasium den „Beobachtungsstand” aufgebaut: Zwei kleine Teleskope waren auf die Sonne, die gleichsam über Rohren stand, gerichtet.

Kleiner Fleck am Rand

Mit großer Spannung wurde die Venus am Sonnenrand erwartet: Auf der kleinen Leinwand war die Sonne als großer Kreis zu sehen. Plötzlich tauchte unten am Rand ein kleiner „Fleck” auf - die Venus. Boris Dirsch: „Jetzt erleben wir das Gefühl, wie klein wir doch sind - im Vergleich zur Sonne”.

Eine Konstellation wie am Dienstag nutzten die Wissenschaftler früher, um den Abstand der Erde zur Sonne herauszufinden. Schon 1769, so erzählt Dr. Boris Dirsch den Jugendlichen und den Lehrern, die gekommen waren, um das Himmels-Schauspiel live mitzuerleben, errechneten Forscherteams eine Entfernung von annähernd 150 Millionen Kilometer.

Dafür mussten sie an drei verschiedenen Punkten der Erde Ein- und Austritt der Venus messen. Unter anderem auf Tahiti unter Leitung des jungen James Cook, der auf der Rückfahrt gleich noch Neuseeland entdeckte und den Grundstein für seine einzigartige Forscherkarriere legte.

Gestern nun wurde die sechsstündige Mini-Sonnenfinsternis an über 740 Schulen und von mehr als 300 astronomischen Vereinigungen weltweit beobachtet, berichtet Boris Dirsch. Die Daten werden über Internet abgeglichen, daraus wird dann erneut die Entfernung zum Mars und zur Sonne errechnet. Und die Jugendlichen des Leistungskurses Physik waren mit ihrem Lehrer Dr. Boris Dirsch dabei.

Nächste Begegnung 2012

Am Tag des Transits war die Venus, der dritthellste Himmelskörper am Firmament, am Dienstag rund 42 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Um 13.23 Uhr war der Transit zu Ende.

Die nächste Begegnung der besonderen Art findet am 5. Juni 2012 statt, sie ist allerdings in Deutschland nicht zu sehen. Bis zum nächsten Transit müssen dann mehr als 100 Jahre vergehen.