Roetgen: Umleitung auf der B258 sorgt für Unruhe und Gefahr

Roetgen: Umleitung auf der B258 sorgt für Unruhe und Gefahr

Wenn in Roetgen auf der Bundesstraße eine Baustelle eingerichtet wird (und das ist nicht selten der Fall), dann hagelt es regelmäßig Beschwerden von Pendlern, die mal wieder jeden Morgen im Nadelöhr Roetgen festsitzen. Auch derzeit gibt es wieder eine Straßenbaustelle in der Ortsdurchfahrt Roetgen, doch diesmal fällt die Welle der Unruhe und Erregung besonders heftig aus.

Denn vor allem die Ortsbevölkerung schimpft diesmal über den Baustellenverkehr, der sich dank einer Umleitung durch den Ort schiebt. Die öffentliche Empörung ist nicht ohne Wirkung geblieben, denn nach einer eilends einberufenen Runde mit allen Beteiligten soll die Verkehrsführung im Baustellenbereich ab sofort optimiert werden.

Weil auf der Bundesstraße 258 im unteren Teil der Ortsdurchfahrt Roetgen derzeit etwa 50 private Kanalanschlüsse, die an den in der Fahrbahn liegenden Hauptsammler angeschlossen sind, saniert werden, steht nur eine Fahrspur auf der wichtigsten Verkehrsachse zwischen der Eifel und dem Oberzentrum Aachen zur Verfügung.

Beim ersten Bauabschnitt der Kanalsanierung im Sommer wurde der Durchgangsverkehr noch mit Hilfe einer Bauampel geregelt, diesmal aber hat die Städteregion Aachen als Anordnungsbehörde zu einer alternativen Lösung gegriffen. Der aus Richtung Fringshaus kommende Verkehr wird an der Ampel in Roetgen ausgebremst. Ab hier gibt es nur noch die Möglichkeit, nach rechts in die Hauptstraße oder nach links in die Schwerzfelder Straße einzubiegen.

In der Gegenrichtung aus Aachen kommend können Autofahrer störungsfrei die verfügbare freie Fahrspur auf der Ortsdurchfahrt nutzen. Durch diese Verkehrslenkung werden zwar die zuvor beobachteten langen Staus vor den Bauampeln vermieden, aber andererseits quälen sich jetzt täglich nahezu 10.000 Fahrzeuge durch den Ortskern. Auf der Haupt- und der Rosentalstraße finden Fußgänger kaum noch eine Lücke, um gefahrlos die Fahrbahn zu überqueren.

Besonders in den Morgenstunden schiebt sich eine kilometerlange Blechlawine durch die sonst eher ruhigen Straßen im Ortskern. Der gesamte Verkehr — ob Pendler, Busse oder Lkw — zieht eine Schleife durchs Dorf, vorbei an zwei Schulen, dem Rathaus und zahlreichen Geschäften. Insbesondere im Bereich der Grundschule sehen viele Bürger die augenblickliche Situation für die Fußgänger äußerst kritisch und gefährlich.

Weil sich auch auf dem Schreibtisch von Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss die Beschwerden häuften, fand jetzt kurzfristig eine Verkehrsbesprechung mit den beteiligten Stellen statt, um gemeinsam zu erörtern, wie Verbesserungen vorgenommen werden müssten. Polizei und Gemeindeverwaltung Roetgen vertraten dabei den Standpunkt, dass die aktuelle Verkehrslenkung so nicht tragbar sei.

Im Vorfeld der Maßnahme hatte sich die Gemeinde Roetgen für eine Bauampellösung auf der Bundesstraße ausgesprochen. Bei der Städteregion aber hatte dieser Vorschlag keine Zustimmung gefunden.

Nun ist man übereingekommen, dass insbesondere zum Schutz der Kinder an den kritischen Stellen zwei Ampeln aufgestellt werden, um, so Städteregionssprecher Detlef Funken, „dem erhöhten Sicherheitsbedürfnis der Fußgänger und Schulkinder gerecht zu werden“. Außerdem soll auf der gesamten Umleitungsstrecke Tempo 30 gelten und ein absolutes Halteverbot auf der Rosentalstraße.

Bauzeit wird deutlich verkürzt

Man habe nicht nur wegen der „extremen Staus“ diesmal Abstand von Bauampeln auf der Bundesstraße genommen, sondern man verspreche sich auch eine deutlich verkürzte Bauzeit, da die Firma nun mit drei statt wie vorher mit einer Kolonne arbeiten könne. Damit verkürze sich Bauzeit von fünf auf zwei Monate, so dass noch vor Weihnachten die Bundesstraße wieder beidseitig befahrbar sei.

„Besser als nichts“, kommentiert Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss nicht gerade begeistert die Nachbesserung. Die Gemeinde favorisiere nach wie vor die Bauampellösung auf der Bundesstraße, zumal sich im Sommer die Rückstaus nach einer Optimierung der Ampelschaltung entspannt hätten. Klauss sieht für den innerörtlichen Verkehr eine „sehr unschöne Situation“, und auch die Geschäftsleute an der Bundesstraße seien unzufrieden. Problematisch sieht er auch die Situation beim kommenden Weihnachtsmarkt.

Inzwischen hat sich auch die Kommunalpolitik in die Diskussion eingeschaltet. Franz-Josef Zwingmann (FDP) sieht die Umleitungslösung als „unumgänglich“ an und appelliert an die Geduld der Autofahrer. Durch die enorm angewachsene Verkehrsbelastung sieht Zwingmann aber auch negative Auswirkungen auf der stark beanspruchten Umleitungsstrecke.

Die Hoffnung auf Schadenersatz für mögliche Straßenschäden könne man allerdings in den Wind schreiben, es sei denn, im Vorfeld der Baumaßnahme sei eine Zustandsdokumentation vorgenommen worden.