Überfülltes Kammerkonzert im Aukloster Monschau

Montjoie Musicale : Überfülltes Kammerkonzert im Aukloster Monschau

Nach dem Start der neuen Saison in der evangelischen Stadtkirche im September kehrte die Reihe „Montjoie Musicale“ am Sonntag wieder in ihr „Wohnzimmer“ im Bürgersaal des Auklosters zurück.

Florian Koltun als künstlerischer Leiter der Reihe und Moderator wies zurecht darauf hin, dass das Format des Klaviertrios, das an diesem Nachmittag zum Zuge kam, in der Tat gerade in den Wohnzimmern des Bürgertums im 19. Jahrhunderts seine Glanzzeit hatte. Davon zeugten alle drei dargebotenen Werke.

Dieser Akzent wurde verstärkt durch die Tatsache, dass eines der ursprünglich vorgesehenen und im Programmzettel verzeichneten Trios, nämlich von Dmitrij Schostakowitsch, aus „technischen Gründen“ durch ein Trio von Joseph Haydn ersetzt werden musste. Einerseits hätte das modernere Werk einen höchst markanten Gegenakzent innerhalb dieses Konzertnachmittags gesetzt. Andererseits passte das Haydn-Stück naturgemäß ausgezeichnet zu den anderen beiden Werken, von Ludwig van Beethoven und Felix Mendelssohn-Bartholdy.

Der Monschauer Bürgersaal war mit mehr als 100 Konzertbesuchern nahezu überfüllt, und diese Tatsache wies wieder einmal auf den großen und stetigen Erfolg der Kammermusikreihe hin. Nicht auszuschließen, dass auch etliche „Fans“ des gastierenden Trios dabei waren, denn der Pianist des „Trio Köln-Weimar“, Oliver Drechsel, stammt eben aus Köln und zeichnete sich durch seinen überaus einfühlsamen und den Kollegen Raum lassenden Klavierpart aus.

Eindrucksvoll auch die beiden Solisten an den Streichinstrumenten, wobei Dagmar Spengler ihren Part am Cello vielleicht noch eine Spur überzeugender darbot als Gernot Süßmuth an der Violine, der vor allem in dem Trio von Haydn sich von seiner besten Seite zeigte. Beide Musiker sind Mitglied der Staatskapelle Weimar, womit sich letztlich der Name des Trios erklärt.

Die Programmfolge, wie sie sich nach der Änderung darbot, war in der konkreten Form durchaus wie aus einem Guss, auch wenn der Titel des Ganzen – laut Programmzettel: „Romantischer Herbst“ – nicht ganz zutraf. Denn jedenfalls Haydn ist von jeder Romantik weit entfernt (der vorgesehene Schostakowitsch wäre es natürlich noch viel mehr gewesen), und der junge Beethoven, dessen Trio c-moll op. 1,3 das Programm eröffnete, war allenfalls auf dem Wege zu dem, was man dann später vor allem unter den Namen Schumann und Mendelssohn als die (musikalische) Romantik bezeichnete.

Nun, mit solchen Nomenklaturen ist es ohnehin immer eine heikle Sache, und man sollte sich davon als Musikhörer keinesfalls ablenken lassen. Die Zuhörer im Bürgersaal hatten dazu auch gar keinen Anlass, da sie sich mit spürbarer Anteilnahme und Begeisterung den ausgezeichneten Darbietungen des musikalischen Trios hingaben.

Das begann schon mit dem Werk des 25-jährigen Beethoven (von 1795), bei dem man durchaus schon spüren konnte, warum der Lehrmeister Haydn mit manchen Wendungen des Schülers nicht ganz zufrieden war: Da deutete sich schon ein neuer Weg in der Musikgeschichte an.

Den Gegensatz konnten die Zuhörer dann gleich beim nächsten Werk feststellen, eben dem Trio G-Dur von Haydn, das fast zur gleichen Zeit entstand wie das Werk des Schülers, aber doch eine spürbare andere Welt atmet. Lediglich im Schlusssatz, der auf ungarische Folklore zurückgehen soll und daher dem ganzen Werk die – freilich insoweit irreführende - Bezeichnung „Zigeunertrio“ eintrug, kommt eine emotionale Impulsivität zum Vorschein, die mit derjenigen in Verbindung steht, die dann im späteren Werk Beethovens sich immer mehr entfaltete.

Mit dem Schlußstück, dem Trio d-moll op. 49 von Mendelssohn aus dem Jahre 1840, war man denn endlich bei der Romantik angelangt, die der Programmzettel verheißen hatte. Florian Koltun wies darauf hin, dass der Komponist dieses Werk im Zusammenhang seiner „Lieder ohne Worte“ konzipierte, und man merkte in der Deutung des „Trio Köln-Weimar“ den sprechenden Charakter dieser Musik in jeder Weise an.

Der begeisterte Beifall des zahlreichen Publikums führte noch zu einer Zugabe, die in dem „ungarischen“ Schlusssatz des Haydn-Trios bestand.

Mehr von Aachener Zeitung