Monschau: Turnhalle in Monschau: Traum vom kreativen Treffpunkt geplatzt

Monschau: Turnhalle in Monschau: Traum vom kreativen Treffpunkt geplatzt

Der Traum von Richard Vernout ist geplatzt. Mit enormem Aufwand hatte der 60-jährige Niederländer mit seiner Frau Juanita der alten, verfallenen Turnhalle im Monschauer Rosenthal zu neuem Glanz verholfen. „Estrade“ (Podium) hatte er den umgebauten Gebäudekomplex getauft, schließlich sollte er genau diesen Zweck erfüllen.

Vernout wollte jungen Künstlern ein Podium bieten, auf dem sie sich präsentieren können. Außerdem schuf er zwei Ferienwohnungen mit einem besonderen Ambiente.

Die Estrade sollte ein Ort der Begegnung sein, des kulturellen Austauschs und Platz für Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Workshops und Seminare bieten. Ende des Jahres 2013 machte eine Ausstellung verschiedener Künstler aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden den Anfang.

Richard Vernout konnte auch den bekannten niederländischen Sänger und Liedermacher Hermann van Veen mit seiner Malerei für eine Ausstellung gewinnen. Ein Konzert mit einer Liveband wurde ebenso angeboten wie eine Sonntags-Matinee mit Gesprächen, Vorträgen und Aufführungen. Zuletzt gab es eine Lesung im Rahmen des Literaturfestivals Lit.Eifel, wozu sich knapp 100 Leute in der ehemaligen Turnhalle einfanden. Das war im Dezember 2014. Seitdem hat es in der Estrade keine weiteren Veranstaltungen mehr gegeben.

„Den Traum, jungen Künstlern ein Podium zu bieten, hatte ich schon lange. Man muss aber auch etwas verdienen, um davon leben zu können. Das ging überhaupt nicht“, sagt Vernout. Er habe an keiner der Veranstaltungen etwas verdient. Zum Glück gebe es aber die Ferienwohnungen, deren Miete reiche aber nicht aus, um die gesamten Kosten zu decken, erklärt Vernout.

Nach der Lit.Eifel-Lesung sei ihm klar geworden, dass sich etwas ändern müsse. 150 Euro habe er an diesem Abend eingenommen, das reiche gerade, um die Nebenkosten zu decken. Also sei der Entschluss gereift, keine Veranstaltungen mehr in der Halle anzubieten und sie ebenfalls zu Ferienwohnungen auszubauen. „Irgendwann muss sich das lohnen, das geht mit der Halle nicht. Wir wollen nicht reich davon werden, aber schon davon leben “, sagt Vernout.

In den Umbau hatte Vernout seine Erfahrung als Gebäuderestaurator einfließen lassen und durch die Verwendung alter Materialien mit Fantasie und Originalität ein einzigartiges Raumklima geschaffen. Aus alten Brettern aus dem Dachstuhl wurde ein großer Tisch, die Trommeln alter Waschmaschinen wurden zu Lampenschirmen und auch einige Turngeräte fanden eine neue Bestimmung.

Dieses Ambiente wusste die Besucher zu beeindrucken und zu verzaubern. Vernout erhielt viele begeisterte Rückmeldungen, solch ein Veranstaltungsort habe in Monschau noch gefehlt, wurde im oft gesagt. Nicht wenige ließen sich von den Räumlichkeiten inspirieren.„20 bis 30 Leute sind mit ihren Veranstaltungsideen auf mich zu gekommen, Miete zahlen wollten sie für den Saal aber nicht. Wir sind keine Millionäre und können die Veranstaltungen nicht sponsern“, sagt Vernout.

Der Niederländer mit Wohnsitz im belgischen Bütgenbach hatte außerdem überlegt, in Zusammenarbeit mit Künstlern Workshops für die Gäste der Ferienwohnungen anzubieten. „Das hat nicht funktioniert.“ Auch für andere Workshopangebote gab es keine oder kaum Anmeldungen. Die Idee, Sommerkurse in Malerei und Schriftstellerei anzubieten, fand ebenfalls keine Resonanz. „Ich würde gerne weitermachen, aber es ist kein Geld mehr da“, erklärt Vernout.

Um wieder Geld in die Kasse zu bringen, nahm er seine Tätigkeit als Bauunternehmer in den Niederlanden wieder auf. „Das war kein Spaß mit 60 Jahren. Aber was muss, das muss“, sagt er. Zwischenzeitlich hatte er auch überlegt, das Gebäude als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung zu stellen. Die Gespräche seien aber im Sande verlaufen, sagt Vernout.

Das Gebäude der ehemaligen Turnhalle hatte er im Juni 2011 durch Zufall entdeckt. Dem Gebäuderestaurator war die alte Volksschule im Rosenthal bei einem Besuch aufgefallen. Er erkundigte sich bei den Nachbarn und bei der Stadt Monschau nach dem Gebäude. Da die alte Schule wie auch das gegenüberliegende RWE-Gelände seit Jahren im Besitz einer niederländischen Investorengruppe ist, deren Hotelbaupläne aber schon seit Jahren ruhen, konnte die Stadt nur die alte Turnhalle anbieten. Nur zwei Kaufangebote gingen ein, und Richard Vernout erhielt den Zuschlag, weil der Stadt das Konzept auf Anhieb gefiel. Sein langgehegter Traum erhielt neuen Auftrieb.

Die Renovierung der Turnhalle, die über zehn Jahre leergestanden hatte, wurde teurer als geplant, so dass Vernout zwei zusätzliche Kredite aufnehmen musste.

Jetzt ist der 60-Jährige wieder dabei, die Turnhalle umzubauen. Statt eines Veranstaltungsraumes soll es künftig zwei weitere Ferienwohnungen geben. Das erste Appartment soll schon im Mai fertig sein, denn dafür gibt es schon erste Buchungen. „Ich hab hier noch etwas zu tun“, sagt Vernout, während er den Blick durch die Halle schweifen lässt. „Das war eine schöne Atmosphäre hier“, fügt er hinzu. Das Baugerüst, das er an die Innenwände geschoben hatte und das als begehbare Galerie diente, muss nun auch weichen und Platz für die Ferienwohnungen machen. „Das tut schon ein bisschen weh.“

Einen möglichen Grund für die geringe Resonanz auf die angebotenen Veranstaltung sieht Vernout in der Altersstruktur der in der Altstadt lebenden Menschen. „Die kommen nicht, um junge Künstler zu sehen. In Aachen, Köln oder Maastricht wäre das vielleicht anders gelaufen“, sagt Vernout. Generell sei es schwer, Gründe auszumachen. „Vielleicht lag es auch an mangelnden Kontakten. Am Ende war ich dann auch müde und frustriert. Man denkt, für wen soll man das überhaupt machen.“

Für eine Weile schien sein Traum zum Greifen nah zu sein, nun ist er wieder in die Ferne gerückt. „Ich spüre, dass es körperlich schwerer wird. Ich spüre, dass ich das Vorhaben hier oder auch woanders nicht ohne Hilfe stemmen kann. Von Träumen kann man eben nicht leben.“

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