1. Lokales
  2. Eifel

Naturdenkmalkontrolle: Trockenheit setzt auch jahrhundertealten Bäumen zu

Naturdenkmalkontrolle : Trockenheit setzt auch jahrhundertealten Bäumen zu

Einmal im Jahr werden die 200 Naturdenkmäler in der Städteregion, davon 24 in der Nordeifel, einer gründlichen Prüfung unterzogen.

„Das hier sind ganz klare Anzeichen von Stress.“ Damit meint Alexander Lehnen allerdings nicht sich selbst, denn selbst in 18 Metern Höhe auf einer LKW-Hubbühne wirkt er noch völlig ruhig und entspannt. „Der Schwarzpappel hat die Trockenheit der letzten Jahre merklich zugesetzt.“ Dabei zeigt er auf Äste in der Spitze des imposanten, mehr als 200 Jahre alten Baumes, die abgestorben sind.

„Wir lassen sämtliche Naturdenkmale einmal im Jahr von einem öffentlich bestellten Sachverständigen im Detail überprüfen“, erklärt Iris Heinrichs von der Unteren Naturschutzbehörde der Städteregion Aachen. „Dabei zeigt sich hier in Würselen-Pley tatsächlich eine deutliche Zustandsverschlechterung.“ Im Jahr 1800 soll die Pappel nach Unterlagen der Stadt Würselen gepflanzt worden sein. Sie steht direkt neben der Kapelle in Pley. „Man sieht deutlich an der abgestorbenen Rinde, dass der Stammbereich schon massiv von Pilzbefall beschädigt ist. In den letzten Monaten sind klar erkennbar viele weitere Äste abgestorben, und das obwohl wir vor einem Jahr eine große Pflegemaßnahme durchgeführt haben“, sagt Heinrichs. Höchstes Ziel ist es immer, die Naturdenkmale zu erhalten.

„Von außen kann man den Zustand vieler Naturdenkmale klar beurteilen. Das ist bei der Schwarzpappel hier in Pley schwieriger. Deshalb werden wir jetzt in Abstimmung mit der StädteRegion eine Schalltomographie am Stamm durchführen“, kommt Lehnen zum Ergebnis seines Gutachtens. Dabei wird – vergleichbar mit einem CTG beim Menschen – ein Bild am Computer erzeugt, das einen genauen Einblick in das Stamminnere gibt. „Dann kann man klar sehen, wo das Holz im Stamm durch die Pilze zersetzt wurde und wo noch gesundes Holz vorhanden ist.“ Denn das Problem bei einer Pappel ist die leichte Brüchigkeit des Holzes. Hier ist immer die Verkehrssicherheit eines Baumes mit zu berücksichtigen. Lehnen: „Mitten in einem Wald würde man einen solchen Baum einfach sich selbst überlassen. Gerade die Zersetzungsprozesse eines alten Baumes sind ja auch ökologisch wertvoll. Mitten im Siedlungsgebiet müssen wir aber auch darauf achten, dass nicht bei Wind ein morscher Ast herunterfällt und im schlimmsten Fall Menschen verletzt.“

Zudem ist die Pleyer Pappel ein Musterbeispiel davon, wie wichtig ein solches Naturdenkmal für die Menschen vor Ort sein kann. So stehen eigentlich bei jeder Pflegemaßnahme die Telefone bei der Stadtverwaltung nicht mehr still und die Menschen wollen genau wissen, was da passiert. In Pley stehen wahrscheinlich also nach der genauen Untersuchung noch weitere Pflege- und Vitalisierungsmaßnahmen an. Schon in diesem sehr trockenen Sommer wurde die Pappel übrigens mit speziellem Baumdünger behandelt und von der Stadt Würselen regelmäßig gewässert.

Alexander Lehnen – seines Zeichens übrigens Baumpflegemeister und staatlich bestellter Sachverständiger – und seine Helfer von der Lebenshilfe Aachen ziehen in den nächsten Tagen quer durch die Städteregion. Mit der LKW-Arbeitsbühne fährt er sicher noch etliche Male hoch in die Baumkronen, um einen Gesamtüberblick zu erhalten. Denn dabei entdeckt man oft von „unten“ noch versteckte Mängel. Abgestorbene oder abgebrochene Äste werden möglichst sofort beseitigt. Zudem erfolgt die Prüfung vorhandener Seil-Kronensicherungen. Schäden an den Bäumen protokolliert er und schätzt sie ein, ebenso wird der jährliche Stammzuwachs gemessen.

Falls nötig legt Lehnen dann gemeinsam mit der Naturschutzbehörde fest, welche weiteren Maßnahmen an dem jeweiligen Baum erforderlich sind. Das kann eine spezielle Düngung sein, der Einbau von Seilen zur Sicherung von Kronenteilen oder eine aufwändige Kronenpflege, die nicht direkt während der Kontrolle durchgeführt werden kann.

Es gibt in der Städteregion insgesamt rund 200 dieser außergewöhnlichen und wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit besonders schützenswerten Naturdenkmal-Bäume. 24 – genau jeweils acht in Monschau, Simmerath und Roetgen – In den ersten Tagen hat Alexander Lehnen schon einige aus nächster Nähe betrachtet und dabei feststellen müssen, dass sich der Zustand fast durchweg verschlechtert hat. „Der Hauptgrund ist die zunehmende Trockenheit. Wir sehen das mit einem Zeitverzug, aber das macht vielen Bäumen zu schaffen.“ Also gibt es sicher nicht nur in diesem Jahr, sondern auch in Zukunft noch viel zu tun für den Gutachter und die Städteregion um die Naturdenkmale nach Kräften zu hegen und zu pflegen.

Als Naturdenkmale gelten laut Bundesnaturschutzgesetz Einzelschöpfungen der Natur oder Flächen bis fünf Hektar. Entscheidendes Kriterium ist, dass ihr besonderer Schutz aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, landeskundlichen oder erdgeschichtlichen Gründen oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit erforderlich ist. Eigentümer von Naturdenkmalen sind Privatpersonen oder auch öffentliche Stellen. Allen sind nur Handlungen an diesen Objekten erlaubt, die einvernehmlich vorher mit der unteren Naturschutzbehörde abgestimmt worden sind. Nach einer Ortsbesichtigung durch die Untere Naturschutzbehörde oder den Gutachter erfolgt dann die Beauftragung einer Baumpflege-Fachfirma. Für die Eigentümer ist diese Leistung kostenfrei.