Simmerath: Trianel plant Pumpspeicherkraftwerk am Rursee

Simmerath: Trianel plant Pumpspeicherkraftwerk am Rursee

Mit großen Schritten in Richtung Energiewende: Der Energiehändler und Stromerzeuger Trianel macht ernst. Am Rursee in der Eifel entsteht möglicherweise in den kommenden Jahren eines der größten Pumpspeicherkraftwerke Deutschlands. Die Gemeinde Simmerath und der Energieversorger Trianel haben am Freitag erste Pläne vorgestellt.

Trianel will untersuchen, ob sich die Fläche des Windparks nördlich der L246 als Oberbeckenstandort anbietet. Das Unterbecken wäre dann die Rurtalsperre.

Mit einer geplanten Leistung von 640 Megawatt wäre es das viertgrößte Kraftwerk dieser Art in Deutschland. Trianel rechnet mit einer Investition von 700 Millionen Euro. Eine konkrete Bauentscheidung vorausgesetzt, wäre Baubeginn im Jahr 2016. Das Kraftwerk würde drei Jahre später in Betrieb gehen. Simmerath gehöre zu den Favoriten unter zwölf möglichen Standorten, stellte das Energieunternehmen fest.

Einen Tag zuvor hatte das Unternehmen vom Bau eines Kohlekraftwerks in Krefeld wieder Abstand genommen und stattdessen beschlossen, an gleicher Stelle ein Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerks (GuD) zu bauen.

Stauvolumen auf der Hochfläche

Die Trianel-Planungen finden in enger Abstimmung mit dem Talsperrenbetreiber WVER (Wasserverband Eifel-Rur) statt. Nach ersten Überlegungen könnte nördlich der Landstraße, etwa 220 Meter über dem Rursee, ein Oberbeckensee mit einem Stauvolumen von mehr als sieben Millionen Kubikmetern Wasser errichtet werden. Das Speicherkraftwerk soll den Rursee, Deutschlands zweitgrößte Talsperre, als Unterbecken nutzen. Talsperre und Speicherbecken sollen, so sehen es die Pläne vor, über einen drei Kilometer langen Stollen miteinander verbunden werden. Durch das Verfahren könnte der Pegel des Rursees um bis zu zwei Metern schwanken - bei Volllastbetrieb würde dann aber dort auch genug Strom produziert, um eine Stadt von der Größenordnung Aachens mit Strom zu versorgen.

Der Vorstand des WVER Wolfgang Firk sieht in den bisherigen Planungen eine große Chance für die Region: Speicherkraftwerke seien die dritte Säule der CO2-freien Energieversorgung, und der Standort in der Eifel eigne sich nach ersten Prüfungen ideal für ein Wasserspeicherkraftwerk.

Lösung einer der Kernfragen der Energiewende

Pumpspeicherkraftwerke sind große, nicht besonders schöne und ökologisch auch nicht ganz unumstrittene Bauwerke, die selber keinen Strom produzieren, sie aber - und das ist ihr großer Vorteil - speichern können. Bei Bedarf geben sie sehr schnell, mitunter innerhalb weniger Minuten - kontinuierlich und vorhersagbar Leistung ins Stromnetz ab. Die Speicherung von Energie ist eines der Megathemen der künftigen Energieversorgung - nicht zuletzt weil das Stromnetz der Zukunft mit einem stark wachsenden Anteil erneuerbarer Energieträger wesentlich schwankungsanfälliger sein wird als in der heutigen Kraftwerkslandschaft.

In Pumpspeicherkraftwerken wird Wasser aus einem Becken bergauf gepumpt und dann mit großem Gefälle abgelassen, um unten eine Turbine anzutreiben, wobei Strom produziert wird. Das Hochpumpen verbraucht mehr Strom, als beim Herunterfließen gewonnen werden kann. Dennoch erreichen diese Kraftwerke mit 70 bis 85 Prozent immer noch den höchsten Wirkungsgrad aller Kraftwerkstypen.

Bislang gibt es in Deutschland ganze 32 Pumpspeicherkraftwerke; das größte ist das Werk Goldisthal in Thüringen mit einer Leistung von einem Gigawatt (GW), in Nordrhein-Westfalen gibt es ganze zwei, das
bei Herdecke (vormals Koepchenwerk) und die Anlage Rönkhausen in Finnentrop. Alle deutschen Pumpspeicherkraftwerke leisten zusammen keine sieben GW. Zum Vergleich: Windkraft erzeugt derzeit 26, Steinkohle 29 und Photovoltaik knapp zehn GW.

Forschung made in Aachen

Ingenieure der RWTH Aachen beschäftigen sich ebenfalls schon seit geraumer Zeit mit kreativen Lösungen der Speicherfrage. Erst kürzlich haben das Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft und das Institut für Abfallwirtschaft mit Geldern des Landes NRW eine Studie begonnen, um auszuloten, wo und wie man in NRW wesentlich mehr Pumpspeicherkraftwerke unterbringen könnte.

Das Talsperrensystem in der Eifel ist dabei nur ein Kandidat, wenn auch der naheliegendste. Wie Professor Holger Schüttrumpf vom Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft vor Kurzem im Gespräch mit unserer Zeitung erläuterte, gebe es aber durchaus auch noch andere mögliche Standorte in der Region - zum Einen die Tagebaulandschaft rund um Hambach, Inden und Garzweiler, und zum anderen die Folgelandschaften des Steinkohlebergbaus - wer einmal die Höhe der Abraumhalden bestaunt hat, kann sich in etwa ausmalen, wieviel Volumen dort unterirdisch liegt - das mit viel Fantasie eventuell auch als Pumpspeicherreservoir funktionieren könnte.