Monschau: „Trash People“: Sternstunde moderner Kunst in Monschau

Monschau: „Trash People“: Sternstunde moderner Kunst in Monschau

Monschau erlebt wieder eine Sternstunde moderner Kunst: Nach den Umwelt-Akzenten von 1970 und der Christo-Aktion ein Jahr später nehmen im Herbst 2013 die „Trash People“ des in Köln lebenden Objekt- und Aktionskünstlers HA Schult (74) den Marktplatz in Beschlag.

Sie standen auf dem Roten Platz in Moskau, auf der großen Mauer in China, vor den Pyramiden von Gizeh, im ewigen Eis der Antarktis, auf dem Matterhorn und bald auch in Monschau: Die lebensgroßen Müllmenschen werden vom 3. bis 27. Oktober die Blicke der Touristen ablenken vom gepflegten Fachwerkensemble des sonst mit Cafétischen bestückten Platzes in Monschaus historischem Zentrum. Im Oktober werden 200 Figuren, vorwiegend hergestellt aus Metallabfällen und Montageschaum, unter dem Titel „Kaffee und Kuchen in Monschau“ eine globale Skulptur bilden. Wie eine Armee, streng in Reihe aufgestellt, werden die Müllmenschen in der Monschauer Kulisse einen krassen Gegensatz bilden.

Am Mittwoch stellte der Künstler in seinem Kölner Atelier wortreich und werbewirksam die Konzeption für die „Monschau People“ vor. Soeben noch, plauderte HA Schult, habe er in Monschau ein Konzert mit Heino erlebt, „doch die wahre Kunst bin ich.“ So kennt man den geräuschvollen Aktionskünstler.

1996 kaufte HA Schult für 80.000 D-Mark Klebstoff und produzierte ein Jahr lang mit 30 Mitarbeitern wie am Fließband 1000 „Trash People“. Den gut sortierten Müll lieferte der damalige Müllkönig Trienekens. Am Ende wurden es 2000 Exemplare, 1000 werden verkauft (derzeit 8000 Euro das Stück) und 1000 sind immer auf Reisen. Pro pro Jahr wird eine deutsche Stadt bestückt, als nächste Stationen folgen Tel Aviv und Lhasa/Tibet.

Die Beziehung von HA Schult zur Monschauer Altstadt ist von einer ganz speziellen Qualität. 1970 fand in Monschau die international beachtete Straßenkunst-Aktion Umwelt-Akzente mit europäischen Künstlern von Rang statt. Mit dabei war auch HA Schult, der aus einem fahrenden Auto heraus die Touristen provozierte, was manchem Bürger auch heute noch in nicht gerade angenehmer Erinnerung ist. Weitere Beschimpfungen von HA Schult sind diesmal jedoch nicht zu erwarten: „Ich hoffe, dass Monschau die Müllmenschen mit offenen Armen empfangen wird“. Mit der Monschau-Aktion kehrt HA Schult zugleich an den Startpunkt seiner Laufbahn als Aktionskünstler zurück. „Hier hat alles begonnen.“

Im Jahr 2011 würdigte Monschau das wilde Kunstereignis der 70-er mit einer Retrospektive, jetzt kehrt einer der damaligen Protagonisten als Solist an die Rur zurück. Seine globale Skulptur des „Trash People“ soll mehr sein als nur ein optisches Spektakel: „Es ist eine Anklage gegen den Müllplaneten Erde.“

In der Aktion auf dem Marktplatz sieht Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter, die beharrlich mit HA Schult in Verhandlungen blieb, „einen wichtigen Aufbruch“ und für die Stadt zudem die Chance, „Monschau als Kunststadt wieder zu erwecken.“

HA Schult weiß von vorangegangenen Aktionen, dass seine Müllmenschen ein Massenereignis sind. In Monschau rechnet er mit 100.000 bis 200.000 zusätzlichen Besuchern. Um Vandalismus macht sich der Künstler keine Sorgen, zumal die Gruppe nachts bewacht und eingezäunt wird. „Auf der chinesischen Mauer und dem Roten Platz gab es keine Beschädigung“, wohl aber auf der Kölner Domplatte“, schmunzelt er.

Aus der Sicht von Dorit Schlieper, als Geschäftsführerin der Monschau Festival GmbH in die Organisation eingebunden, ist die Aktion schon jetzt ein Erfolg und spricht von einer „tollen Zusammenarbeit“ mit den Monschauer Unternehmen, deren finanzielle Unterstützung Voraussetzung für die Realisierung der „Monschau People“ war. „Die Idee ist sofort gut angekommen“, sagt Schlieper. Sponsoring und der Erwerb von Skulpturen sind weitere Eckpunkte für die Finanzierung. Die bevorstehende Kunstaktion zeige „wie man gemeinsam etwas macht.“