Monschau: Tourismus ist kein schlechtes Geschäft

Monschau: Tourismus ist kein schlechtes Geschäft

Ob beim Weihnachtsmarkt oder an schönen Sommertagen: Der Strom der Touristen, der sich durch Monschau schiebt, gehört zum Alltagsbild der historischen Altstadt. Sind diese Besucher eigentlich ein Gewinn für die Stadt?

Abgesehen von persönlichen Einschätzungen hat der Tourismus auch einen ökonomischen Stellenwert, der für die Stadt Monschau aber bislang noch nie präzise und seriös definiert wurde.

Damit die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus nun aber nicht länger eine Spielwiese für Vermutungen bleibt, wurde im Rahmen des Leader-Förderprogramms das deutsche Wirtschaftswissenschaftliche Institut für Fremdenverkehr an der Universität München (DWIF) mit einer entsprechenden Untersuchung beauftragt. Insgesamt zehn Kommunen der Städteregion wurden auch auf diese Frage hin untersucht.

Das Ergebnis stellte kürzlich im Wirtschaftsausschuss der Stadt Monschau im Auftrag der DWIF Wolfgang Heuschmid vor. Der ehemalige Bürgermeister und Kurdirektor aus dem Schwarzwald präsentierte wie er sagte „ein Wahnsinns-Zahlenwerk“, das aber unter dem Strich die klare Erkenntnis brachte, dass der Tourismus kein schlechtes Geschäft für die Stadt Monschau ist und die Kommune sich vollkommen zu Recht für touristische Aufgaben zuständig fühlt.

Als freiwillige Aufgabe haltbar?

Als Fazit hielt Heuschmid fest, dass die Bedeutung des Tourismus aufgrund der ermittelten Zahlen unumstritten sei und die berechtigten Aktivitäten der Stadt Monschau in dieser Richtung als nachhaltige Investitionen zu werten seien.

Die DWIF-Untersuchung ist bundesweit vorgenommen worden, da die finanzielle Situation der Kommunen durchweg angespannt ist. Da bei der Aufstellung der kommunalen Haushalte nun einmal Pflichtaufgaben vor freiwilligen Aufgaben rangieren, kommt es in vielen Kommunen zum Konflikt darüber, ob der Tourismus als freiwillige Aufgabe haushaltsrechnerisch noch aufrecht erhalten werden kann. Auch seitens der Aufsichtsbehörden wird gegenüber defizitären Kommunen verstärkt die Forderung erhoben, dass die Bedeutung des Tourismus mit belastbarem Zahlenmaterial nachgewiesen werden müsse.

Hier nun setzt die Studie an, die im Detail untersucht hat, wie die Ein- und Ausgaben für den Tourismus (einschließlich der Steuereinnahmen) konkret aussehen. Alle zehn in der Städteregion untersuchten Kommunen können keinen ausgeglichenen Haushalt nachweisen, so dass der Tourismus als freiwillige Leistung auf den Prüfstand kommt. Tourismus ist laut Heuschmid als „ganzheitliches Produkt“ zu betrachten, denn eine attraktive Infrastruktur diene sowohl Gästen als auch der einheimischen Bevölkerung. Daher sei die Mitwirkung der Kommune auch erforderlich.

So wurde im Falle Monschau der touristische Anteil der Ein- und Ausgaben an verschiedenen Beispielen, z.B. Steuereinnahmen oder Parkgebühren, in Zahlen dargelegt. Die Untersuchung dauerte von September 2013 bis März 2014. Als Grundlage für die Untersuchung wurden die Zahlen aus dem Jahr 2012 ausgewählt.

Bestimmte Positionen im städtischen Haushalt werden klar vom Tourismus dominiert. Der touristische Anteil der Einnahmen durch Parkgebühren liegt beispielsweise bei 84 Prozent, und 75 Prozent der Buß- und Verwarnungsgelder kommen aus den Taschen der Touristen. Der touristische Anteil des Vennbades hingegen beträgt nur 16 Prozent.

Auch die Steuerkraft (Gewerbesteuer, Einkommensteuer, Fremdenverkehrsabgabe, Schlüsselzuweisungen etc.) der Stadt Monschau rekrutiert sich aus einem nennenswerten touristischen Anteil. Von den Gesamt-Steuereinnahmen (10,6 Millionen Euro) wird der touristische Anteil mit 817.000 Euro festgelegt.

Unter dem Strich und unter Berücksichtigung aller touristischen Schnittstellen im Haushalt der Stadt Monschau liegen die Aufwendungen für den Tourismus bei 2.024.684 Euro und die Erträge bei 2.003.396 Euro, so dass sich ein Mini-Fehlbetrag von 21.288 Euro ergibt.

Unter diesen Umständen, bilanzierte Wolfgang Heuschmid, „ist der Tourismus für die Stadt Monschau eigentlich eine Pflichtaufgabe.“

In dieser Studie mit ihrem belastbaren Zahlenmaterial sah CDU-Fraktionssprecher Micha Kreitz auch eine „wichtige Argumentationshilfe“ gegenüber der Gemeindeprüfungsanstalt. Für Werner Krickel (Grüne) blieb festzuhalten, dass der Tourismus sicherlich weder ein Geschäft sei, mit dem sich die Stadt „eine goldene Nase“ verdiene, noch „in ein Fass ohne Boden investiere“.

Für den Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Monschauer Unternehmer (AMU) im Ausschuss, Werner Maaßen, macht die Studie deutlich, dass der Tourismus für die Stadt Monschau positive Effekte mitbringe, und sie im Vergleich von Aufwendungen und Erträgen „eine schwarze Null“ schreibe.

Bernd Kreutz (SPD) sah hier nicht nur den Stadtkern allein als Gewinner. Vom errechneten Bruttoumsatz in Höhe von 40,4 Millionen Euro profitierten auch Betriebe außerhalb der Altstadt.

Die Bilanz soll nun jährlich fortgeschrieben werden, um die Ergebnisse noch konkreter zu erfassen, denn bei den für die Studie hinzugezogenen Zahlen handelte es sich lediglich um Haushaltsansätze und noch nicht um Rechnungsergebnisse.

(P.St.)