Aachen: Tivoli: Schönste Brücke zum Schnäppchenpreis

Aachen: Tivoli: Schönste Brücke zum Schnäppchenpreis

Schön fanden sie alle, doch dann wurde die schicke Fußgängerbrücke über die Krefelder Straße am neuen Tivoli viel zu teuer - und wurde gestrichen. Das war Ende vorigen Jahres. Schön finden die Tivoli-Brücke auch heute noch viele.

Und jetzt soll das futuristisch anmutende Bauwerk den unumstößlichen Kostenrahmen von 1,95 Millionen Euro plötzlich nicht mehr sprengen - und deswegen möglichst schnell doch gebaut werden.

Und nicht nur das: Mit dem edlen Entwurf des Aachener Architekturbüros Hahn/Helten liege die Stadt sogar „um mehrere hunderttausend Euro günstiger als mit jeder anderen Variante”, betont Oberbürgermeister Marcel Philipp. Denn selbst die preiswerteste Brücke ohne gestalterische Ansprüche würde rund 1,5 Millionen Euro kosten, so der OB.

Die einst teuerste Variante zum Schnäppchenpreis? Was klingt wie ein Rechenwunder, ist dem Einsatz vieler Akteure geschuldet - und einigen gewichtigen finanziellen Faktoren. Da sind zunächst die zugesagten 650.000 Euro Landesförderung, die aber nur dann fließen, wenn die Fußgängerbrücke wie im Hahn/Helten-Entwurf auch von Radfahrern genutzt werden kann.

Da sind ebenso 300.000 Euro Planungskosten für ebendiese Brücke, die die Stadt ohnehin bezahlen muss. Für eine andere Brücke würden solche Kosten erneut anfallen. Und da sind 150.000 Euro, die der Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) beisteuert. „Wir wollen einen Beitrag zur Stadt leisten”, sagt ALRV-Präsident Klaus Pavel. Auch wolle man dem notleidenden Nachbarn Alemannia helfen. Und nicht zuletzt sei das Bauwerk „eine Skulptur, ein Wahrzeichen für die Stadt”, das man gerne unterstütze, schwärmt Pavel.

Die Gegenleistung für den ALRV, der durch das neue Fußballstadion an der Krefelder Straße optisch in den Hintergrund geraten ist: Die Brücke trägt künftig das CHIO-Logo, einen farbigen Pferdekopf. Und den entsprechenden Namen. „Sie heißt CHIO-Brücke, das war eine unserer Auflagen.”

Der Dank des OB und der Planungsdezernentin Gisela Nacken geht auch an das Büro Hahn/Helten, das die Bedingungen der Stadt - Kostenrahmen einhalten und externe Helfer ins Boot holen - erfüllen konnte. „Das waren knallharte Vorgaben”, sagt Architekt Günter Helten, „aber es war uns wichtig, an dieser Stelle ein Zeichen zu setzen.” Schließlich sei die Krefelder Straße zurzeit nur „ein besseres Gewerbegebiet, von dem man kein gutes Bild mitnimmt”.

Die „filigrane Brücke” mit dem 65 Meter hohen Pylon solle dagegen „ein freundliches Signal der Begrüßung” setzen. Im Team mit den Aachener Ingenieurbüros Berg und Hegger habe man die Kosten im Gegensatz zum ersten Entwurf deutliche reduziert. Die rettende Idee: Der Pylon, der ursprünglich auf der Stadionseite stehen sollte, wandert in die Straßenmitte, wodurch die Statik wesentlich einfacher wird.

Dass vor dem neuen Stadion eine Fußgängerbrücke zwingend nötig ist, ist für die Stadt mittlerweile unumstritten. Dies hätten in der vorigen Saison alle Erfahrungen von Verkehrskadetten und Polizei, aber auch ein neues Gutachten belegt, betont der OB. „Die Brücke ist eine unumkehrbare Auflage”, sagt Philipp. „An jedem Spieltag, an dem die Brücke noch nicht steht und an dem nichts passiert, haben wir Glück gehabt.” Da wird man jedoch noch locker eine Spielzeit zittern müssen.

Zwar will man im Zuge einer Festpreisausschreibung in vier Wochen die Verträge mit den Baufirmen unter Dach und Fach haben, doch bis das Bauwerk steht, dürfte der nächste Sommer ins Land gehen. Zum CHIO 2011 solle alles fertig sein, gibt ALRV-Chef Pavel als ehrgeiziges Ziel vor. Bei der Stadt betrachtet man diese Vorgabe zwar skeptisch, steht dem Projekt aber begeistert gegenüber. Philipp spricht von einem „absolut überzeugenden Konzept”, das „eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten” schaffe und die Stadt unterm Strich nur 1,1 Millionen Euro koste. Voraussetzung für die Realisierung ist nur, dass diesmal der Preis gehalten wird. „Aber wir sind sicher, dass wir das schaffen können”, sagt der OB.

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