Tierquäler hielten mehr als 80 Labradore im Wohnhaus

Verwaltungsgericht bestätigt Halteverbot : Familie L. bleiben nur zwei Hunde

Zwei Tierquäler aus Monschau hielten mehr als 80 Labradore in ihrem Wohnhaus. Dann zogen die Behörden die Notbremse und nahmen dem Ehepaar L. alle Tiere ab. Dagegen klagten sie vor dem Verwaltungsgericht. Das Urteil dürfte die Beiden aber nicht erfreuen.

Die Veterinärin der Städteregion hatte die Akte vor sich auf das Pult gelegt, die war etwa so umfangreich wie „Brehms Tierleben“. Im Laufe der Jahre war die Mängelliste immer länger geworden. Bei den Eheleuten L. aus dem Stadtgebiet Monschau hatte die Ordnungsbehörde fortlaufend erhebliche Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festgestellt. Im Mai dann zog die Behörde die Notbremse: Den Eheleuten wurden alle Tiere weggenommen, das Paar erhielt ein generelles und unbefristetes Halte- und Betreuungsverbot.

Schon ein paar Stunden später klagten die Eheleute beim Verwaltungsgericht gegen die amtliche Verfügung. Es bestritt die Vorwürfe, zudem monierte sie die zu geringe Zeitspanne zwischen dem letzten Kontrolle im Januar und der Ordnungsverfügung im Mai.

Am Freitagmorgen trafen sich die Parteien vor der 6. Strafkammer des Aachener Verwaltungsgerichts unter Vorsitz von Peter Roitzheim, und schnell wurde klar, dass die Chancen der Familie L. eher gering waren, die Entscheidung des Veterinäramts zu beanstanden.

Das „Sündenregister“ der Eheleute ist lang. Aufgefallen waren sie schon Ende 2013, als sie noch im Landkreis Lörrach lebten. Die kontrollierenden Veterinäre hielten damals unter anderem eine „unzureichende Hufpflege bei zwei Pferden, einen schlechten Ernährungszustand“ fest, registrierten damals den „Betrieb einer nicht genehmigten Hundezucht“.

Familie L. zog bald darauf in die Eifel, aber auch das Veterinäramt der Städteregion bekam schnell einen schlechten Eindruck. Hunde seien auf „erheblich zu kleinen Flächen gehalten worden, sie hätten teilweise in ihren Exkrementen und in verdunkelten Verschlägen ohne Zugang zu Trinkwasser gehalten worden“, steht in einem Protokoll nach einer Kontrolle Mitte des Jahres 2015. Zudem trafen sie sechs Zuchthündinnen an, für deren Haltung der Kläger keine Erlaubnis besaß.

Drei Jahre später wurden die Eheleute wieder einmal überprüft. Die Tierschützer fanden hochgradig verkotete Pferdestallungen vor, monierten „feuchtnassen Einstreu“ in einigen Pferdeboxen und mangelnde Hufpflege. Im Wohnhaus trafen sich auf vier erwachsene Labradorhunde und sieben Hundewelpen auf einer viel zu kleinen und mit Kot und Urin verunreinigten Grundfläche. Vorübergehend wurden dem Paar sechs Pferde/Ponys entzogen. Erst als sich die Haltungsbedingungen bei einer Nachkontrolle verbessert hatten, bekam es seine Tiere zurück.

Im Visier des Veterinäramts blieben die L.s natürlich dennoch. Einen Monat später, im Juni 2018, standen die Kontrolleure wieder vor der Türe des großen Anwesens. Diesmal stießen sie in zwei Garagen, einem Anbau und dem Wohnhaus auf sagenhafte 82 Labrador-Hunde. Erneut hielten die Tierärzte fest: „katastrophal schlechte Haltungsbedingungen, körperliche gesundheitliche Schäden, teilweise massive Verhaltensstörungen“. Die Tiere hätten teilweise nicht einmal das Tageslicht gesehen. Wegen der massiven Pflegedefizite nahmen sie 78 Hunde gleich mit. Für die Ehefrau, die federführend für die Betreuung der Vierbeiner zuständig war, hatte die Entdeckung juristische Konsequenzen: Sie erhielt wegen der illegalen Zucht einen Strafbefehl mit hoher Geldstrafe, ein Richter verfügte ein Halteverbot für sie.

Als die Mitarbeiter der Städteregion Anfang des Jahres wieder einmal in der Eifel vorbeischauten, war die Mängelliste kaum kleiner. Auf dem 8000 Quadratmeter großen Grundstück befanden sich diesmal sechs Hunde, sechs Pferde, eine Katze, Hühner und ein Hahn. Und wie immer wurden „gravierende Mängel in der Haltung“ registriert. Zwei Hunde zum Beispiel seien in einem viel zu kleinen verdreckten Zwinger ohne Trinkwasser untergebracht worden. Nur sechs Tage später standen die Kontrolleure wieder da. Immer noch wurden drei Hunde auf einer zu kleinen Fläche gehalten, die Tiere lagen in ihren Exkrementen. Ein Hund musste wegen eines faustgroßen Tumors im Halsbereich eingeschläfert werden. Dem Veterinäramt riss der Geduldsfaden, es verfügte am 23. Mai, dass alle Tiere weggenommen werden müssen. Im Bestand waren da noch unter anderem fünf Labradore, die anderweitig untergebracht wurden.

„Obwohl wir die Zahl der Tiere schon deutlich reduziert haben, haben Sie keine artgerechte Haltung hinbekommen“, hielt die Tierärztin fest. Vor Gericht zeichnete sich ein Vergleich ab. An der Entscheidung der Behörde war wenig zu rütteln. Der Vergleich sieht vor, dass Herr L. nun zumindest zwei Hunde zurückbekommt. Auflage: Der Rüde muss kastriert werden, und dem Veterinäramt muss schlüssig dargelegt werden, wie die Tiere betreut werden während seiner ganztätigen Abwesenheit. Seine Frau jedenfalls kommt für die Aufgabe nicht in Frage.

Die hätte gerne noch den Vergleich um zwei Pferde erweitert, die im Eigentum der Kinder seien. Sie mache sich Sorgen, dass die Tiere nach der Wegnahme einen adäquaten Lebensabend erleben dürfen, teilte sie mit. Das Aufsichtsbehörde spielte da mit dem Hinweis auf etliche Verstöße nicht mit. „Auf den Deal kann ich mich mit Blick auf die Vergangenheit nicht einlassen“, teilte die Tierärztin mit. Die L.s bekommen zwei Hunde als „Bewährungschance“ zurück und können bei den anstehenden Kontrollen dokumentieren, dass sie gelernt haben.