Nordeifel: Talsperren in der Eifel haben noch reichlich Wasser

Nordeifel : Talsperren in der Eifel haben noch reichlich Wasser

Seit Wochen hält der Sommer in der Nordeifel Einzug. Den letzten nennenswerten Regen gab es Anfang Juni. In Roetgen fährt der Bauhof alle zwei Tage mit einem 3000-Liter-Fass durch die Gemeinde und bewässert die Beete. Auch die Bauhöfe in Simmerath und Monschau sorgen bei Bedarf für die Versorgung des Grüns.

Stellenweise hatte es während der vergangenen Tage stark geregnet. „Aber diese Starkregenfälle waren so punktuell und lokal, dass der eine davon nichts mitbekommen hatte und immer noch über die Trockenheit jammert, und der andere von ‚Land unter‘ sprach“, sagt der Wetterexperte Bodo Friedrich von eifelwetter.de. Teilweise seien bis zu 30 Liter pro Quadratmeter vom Himmel gefallen, andernorts überhaupt nichts.

See fällt fünf Zentimeter pro Tag

So manchen Laien beschleicht angesichts der Hitze die Sorge, ob womöglich das Trinkwasser knapp wird.„Darüber muss man sich hier keine Sorgen machen“, sagt Derk Buchsteiner vom Wasserwerk Perlbach. Anders als im vergangenen Jahr sei die Perlenbachtalsperre zwischen Kalterherberg und Höfen derzeit allerdings nicht komplett voll. Mit einem Fassungsvermögen von 750.000 Kubikmetern Wasser verfügt sie derzeit über 620.000 Kubikmeter Wasser — also fehlen 130.000 Kubikmeter Wasser bis zum Höchststau. Deswegen liegt der Wasserpegel auch 1,25 Meter unterhalb der Obergrenze. An ihrer tiefsten Stelle misst die Talsperre, die keilförmig zusammenläuft, elf Meter.

Bedingt durch Witterung und Verdunstung fällt der See derzeit im Schnitt am Tag um fünf Zentimeter. Etwas weniger als 100 Liter Wasser pro Sekunde fließen am Zufluss der Höfener Mühle der Talsperre aktuell hinzu. „Grund zur Sorge gibt es nicht, es sei denn die Wetterlage hält sich so bis zum Ende des Jahres“, sagt Buchsteiner. Was unwahrscheinlich ist. Die Wetterverhältnisse im Jahr 2003 seien da durchaus kritischer gewesen.

Das Wasserwerk Perlbach versorgt die gesamte Gemeinde Simmerath und die Stadt Monschau sowie die Gemeinde Hürtgenwald. Auch Roetgen (ohne Rott und Mulartshütte), der Nideggener Ort Schmidt, Heimbach, Hasenfeld, Hausen und Blens (Stadt Heimbach) und die Orte Langenbroich, Bilstein und Untermaubach der Gemeinde Kreuzau bekommen ihr Wasser aus dem Perlenbach. Im Vergleich zu üblichen Monaten sei auch der Wasserverbrauch der Einwohner gestiegen. „Normalerweise werden 8500 Kubikmeter Wasser pro Tag verbraucht. Derzeit liegen wir bei 10.000“, sagt Buchsteiner.

Der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) gibt ebenfalls Entwarnung. „Die Füllstände der meisten unserer Talsperren liegen sogar über dem langjährigen Mittel“, teilt Pressesprecher Marcus Seiler mit. „Alle Versorgungsaufgaben sind voll gesichert.“ Der WVER selbst ist kein Trinkwasserproduzent, ihm gehören aber die Multifunktionstalsperren in der Eifel, also die Rurtalsperre Schwammenauel, die Wehebachtalsperre, die Oleftalsperre und die Urfttalsperre. Multifunktionstalsperre deswegen, weil die Talsperren neben der Trinkwasserversorgung auch für die Wasserversorgung der Industrie und für den Hochwasserschutz zuständig sind.

Um das Wasser aus den WVER-Talsperren müsse man sich nicht sorgen, versichert Seiler. Gut gefüllt werden die Talsperren nämlich nicht im Sommer, sondern in der regenreichen und kühlen Jahreszeit. Da habe das jetzige trockene und heiße Wetter wenig Einfluss. Einzig die Wehebachtalsperre bei Schevenhütte gehe aktuell „etwas in die Knie“, sagt der WVER-Sprecher und erklärt: „Die Wehebachtalsperre hat ein sehr schwaches Zuflussgebiet, weil sie von relativ kleinen Bächen gespeist wird.“ Die Talsperre mit einem Stauraum von 25 Millionen Kubikmetern Wasser verfügt derzeit über zehn Millionen Kubikmeter Wasser. Der langjährige Mittelwert liegt bei 15 Millionen Kubikmetern.

160 Millionen Kubikmeter Wasser

Die riesige Rurtalsperre dagegen verfügt derzeit über 160 Millionen Kubikmeter Wasser, mehr als das langjährige Mittel von 156 Millionen Kubikmetern. Die Urfttalsperre mit 35 Millionen Kubikmetern Wasser (Mittelwert 30 Millionen Kubikmeter) und die Oleftalsperre mit zwölf Millionen Kubikmetern Wasser (Mittelwert 10,5 Millionen Kubikmeter) sind auch gut gefüllt.

Die Wassergewinnungs- und -aufbereitungsgesellschaft Nordeifel mbH (WAG) in Roetgen nutzt zur Aufbereitung Wasser aus ihren eigenen Talsperren, nämlich der Dreilägerbachtalsperre und der Kalltalsperre, sowie aus dem Obersee der Rurtalsperre und der Wehebachtalsperre. Damit versorgt sie Rott und Mulartshütte sowie Alsdorf (ohne Bettendorf), Würselen, Teile von Stolberg und Eschweiler, Baesweiler, Übach-Palenberg und Herzogenrath.

Die Dreilägerbachtalsperre ist mit derzeit 3,4 Millionen Kubikmetern Wasser von maximal 3,67 Millionen noch recht voll. Die Kalltalsperre beinhaltet derzeit 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser von insgesamt 2,1 Millionen Kubikmetern.

Indes ist der Boden in der Nordeifel immer noch knochentrocken — trotz der teilweise starken Regenschauer. Bis zu 50 Zentimeter tief ragt die Dürre in die Erde. Derzeit kann der Boden laut Friedrich solche starken Regenschauer überhaupt nicht aufnehmen. Um der Natur einen Gefallen zu tun, brauche die Nordeifel endlich einen Landregen. „Das heißt stundenlang Regen, der sachte rieselt, damit das Wasser nicht direkt wegfließt, sondern auch vom Boden aufgenommen werden kann“, sagt der Wetterexperte. Der heiße Sommer geht in der kommenden Woche allerdings weiter. Und damit steuert „2018 auf einen Rekordsommer zu“, sagt Friedrich.

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