Tagebucheinträge von Elisabeth Bergs zur Zeit des Zweiten Weltkriegs

Ein 75 Jahre altes Tagebuch (Teil 1) : Aus den letzten Tagen des Krieges in der Eifel

Als seine Mutter starb, fand Wolfgang Klubert aus Lammersdorf das Tagebuch seiner Großmutter Elisabeth Bergs, geborene Sonntag, beim Aufräumen in einer Kiste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Elisabeth Bergs ihre handschriftlichen Tagebucheinträge abgetippt, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Später war es ihre Tochter Liesel, Kluberts Tante, die die Aufzeichnungen nochmals in Form brachte.

„Ich wusste gar nicht, dass es das noch irgendwo gibt“, sagt Klubert und erzählt, wie die Berichte seiner Großmutter die Kriegszeit in der Eifel vor seinem geistigen Auge lebendig werden ließen. „Sowas sollte man auf keinen Fall vergessen. Es verdeutlicht, dass der Krieg auch hier stattfand und konkrete Auswirkungen hatte. Das kann abschrecken und wachrütteln“, sagt er.

Geboren wurde Elisabeth Sonntag am 6. November 1897. Sie lebte in Köln und arbeitete als Prokuristin bei einer jüdischen Bank. Als alleinstehende Frau kam sie in den 1920er Jahren gerne nach Monschau, um dort die Wochenenden zu verbringen.

Elisabeth Bergs (geb. Sonntag) und Ernst Bergs feierten am 9. Juli in Köln ihre Hochzeit. Foto: Wolfgang Klubert/Privat

Auf dem Halben Mond unterhalb des Hallers lernte sie den Beamten Ernst Bergs aus Monschau kennen. Am 22. Dezember 1928 feierten sie in Köln ihre Verlobung und am 9. Juli 1929 ihre Hochzeit. Sie ließen sich in Monschau nieder. Im Jahr 1930 kam ihre erste Tochter Marita zur Welt, die Mutter von Wolfgang Klubert. 1933 wurde ihre zweite Tochter Liesel geboren.

Kurz nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten bekam Ernst Bergs Schwierigkeiten wegen des jüdisch klingenden Geburtsnamens seiner Frau und ihrer beruflichen Tätigkeit. Unterschwellig forderte man ihn auf, seine Frau zu verlassen, und warf ihn aus der Partei.

Sie führte während der letzten Kriegstage ein handschriftliches Tagebuch: Elisabeth Bergs geborene Sonntag. Foto: Wolfgang Klubert/Privat

„Wir teilen Ihnen hierdurch mit, dass wir Sie als Mitglied der NSDAP aus sämtlichen Listen gestrichen haben, da Sie heute als Beamter noch nicht in der Lage sind, nationalsozialistisch zu denken und zu handeln“, heißt es in einem Schreiben an Ernst Bergs vom 28. Dezember 1933.

„Für einen Beamten war das damals eine Katastrophe“, sagt Klubert. Für Ernst Bergs bedeutete dies das Ende seiner Karriere. Trotz fortgeschrittenen Alters wurde er schon zu Beginn des Zweiten Weltkriegs einberufen.

Ernst Bergs starb schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Gefangenenlager in der Ukraine, und Elisabeth Bergs stand mit den beiden Kindern allein da. Nachdem sie alles verkauft hatte, konnte sie nur durch die Unterstützung einer anderen Familie überleben. Am 14. Mai 1979 starb Elisabeth Bergs.

Ihre Tagebucheinträge, die wir regelmäßig veröffentlichen werden, beginnen am 26. August 1944.

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