Tag der Biene: Fortpflanzung und Futtervorräte sammeln steht an

Zum „Tag der Biene“ : Jetzt ist „die große Zeit der Blüte“ für die Bienen

Die Bedeutung der Biene für unser Ökosystem ist groß. Die meisten unserer Nahrungsmittel sind auf ihre Bestäubung angewiesen. Ohne sie gäbe es nicht nur keinen Honig, auch Obst und Gemüse würden zu Luxusgütern. Am Montag ist der „Tag der Biene“ – und ihr Bestand ist seit Jahren in Gefahr.

„Deutschlandweit gibt es über 500 verschiedene Bienenarten“, erläutert Gerd Maaßen. Der 63-Jährige aus Mützenich ist Vorsitzender des Imkervereins Monschauer Land und des Kreisimkerverbandes. Die Bienen sind sein Hobby – und das seit etwa 35 Jahren. Er selbst hat mittlerweile 25 Bienenstöcke. „Im Sommer leben in jedem Stock etwa 50.000 Honigbienen“, sagt er. Das sind insgesamt mehr als eine Million Insekten.

Im Vergleich zu der Situation der Wildbienen gehe es den Honigbienen realtiv gut, findet Maaßen. „Sie sind durch uns gut betreut und werden versorgt“, sagt er. Während Honigbienen an vielen Orten Futter finden würden, seien die meisten Wildbienen standortgebunden. „Sie brauchen deswegen eine intakte Natur und Umwelt. Es gibt so viele verschiedene Arten – manche Wildbienen sind auch auf ganz spezielle Futterquellen und Wildpflanzen angewiesen“, sagt er.

Futtervorrat und Fortpflanzung

Wichtig seien deswegen Wald- und Wiesenränder, die nicht regelmäßig gemäht würden. Auf intensiv bewirtschafteten Flächen fänden Wildbienen dagegen kaum Nahrung. „Aber auch viele Honigbienen bleiben ‚ihrer Blüte’ treu“, erläutert der 63-Jährige. Damit begründet er auch den großen Erfolg der Bestäubung. So würden bestimmte Honigbienen eines Volkes beispielsweise immer wieder die Apfelblüte anfliegen, während andere eher die Birnenblüte bevorzugen.

Im Moment ist wieder die „große Zeit der Blüte“. Die Honigbienen sammeln Nektar, um sich ihren Futtervorrat für den Winter anzulegen. Aber auch die Fortpflanzung steht in dieser Zeit auf dem Plan. Gelagert wird all das – also Pollen, Honig und die Brut – in den Wachswaben. Der Imker erntet den Honig von Anfang Mai bis Mitte Juli. „Er nimmt den Bienen also ihren Wintervorrat weg“, sagt Maaßen. „Aber wir geben den Bienen ab August stattdessen ein Ersatzfutter. Daraus erzeugen sie dann schlussendlich ihren Vorrat für den Winter.“

Der Honig entsteht aus dem Nektar. Das Sammeln von Nektar allein reiche aber noch nicht aus. „Nachdem die Biene den Nektar mit ihrem Rüssel aufgesaugt hat, gelangt er in den sogenanten Honigmagen“, erklärt Maaßen. Wieder im Stock angekommen, gibt sie den Nektar an andere Bienen weiter, die den Nektar ebenfalls immer wieder weiter geben. So wird er mit vielen Stoffen und Enzymen angereichert. „Indem eine Biene den Nektar über ihren Rüssel mehrfach herauslässt und wieder aufsaugt, verringert sich der Wassergehalt im Nektar“, sagt Maaßen. Zusätzliches Fächeln mit den Flügeln treibe diesen Vorgang noch voran. Irgendwann sei der Wassergehalt so gering, dass daraus der goldene Honig entstehe.

Dass sich das Bewusstsein für die Wichtigkeit und den Schutz der Bienen in den vergangenen Jahren verbessert habe, merke man auch innerhalb des Vereins. „Es gibt immer mehr Leute, die sich für das Imkern interessieren und sich damit auseinandersetzen – vor allem auch junge Leute“, sagt Maaßen.

Aber so ein Bienenstock bringe auch Verantwortung mit sich. „In der Zeit von April bis Juli muss man schon jede Woche gucken, ob es den Bienen gut geht“, sagt er. Gut gehe es den Bienen zum Beispiel, wenn sie genug Platz für Brut und Vorräte hätten. Aber der Imker müsse sich auch um die Krankheitsvorbeugung kümmern. Stichwort: Varroamilbe, ein Parasit, der die Honigbiene schwächt und Bakterien und Viren mit in den Stock bringt.

Indes ist die Biene aber nicht das einzige Tier, das zur Bestäubung der Pflanzen beiträgt – auch wenn sie einen großen Teil davon ausmacht. „Auch Hummeln, Käfer und Schmetterlinge tragen dazu bei. Außerdem gibt es Windbestäubungen“, sagt Maaßen. Für die Umwelt viel bedrohlicher als das reine Bienensterben sei der Rückgang der Artenvielfalt insgesamt. „Es geht nicht nur um die Biene. Je mehr Insekten sterben, desto weniger Früchte tragen auch die Pflanzen. Und das bedeutet wiederum weniger Futter für Nager, Vögel und andere Tiere.“ In der Summe fehle dann ein Gleichgewicht der Natur.

Graue Steinwüsten

Dass sich immer mehr Vorgärten in graue Steinwüsten verwandeln weiß Maaßen. „Aber es sollte nicht immer alles steril sein“, findet er. „Wenn jeder schon ein bisschen was in seinem eigenen Garten oder auf dem Balkon für Bienen tut, macht das in der Summe schon einen großen Unterschied“, sagt er.

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