Aachen: Supertanker Arge fährt weiter in schwerer See

Aachen: Supertanker Arge fährt weiter in schwerer See

Vor wenigen Tagen erst hat er die Brücke des neuen Supertankers in Sachen Jobvermittlung geentert. Der frisch gekürte Kapitän am Ruder der soeben unter der Flagge der Städteregion fusionierten „Argen” von Stadt und ehemaligem Kreis Aachen hat seine Navigationsqualitäten längst bewiesen.

Schließlich hat Stefan Graaf seit 2005 auch die Arge im Kreis erfolgreich auf Kurs gebracht. Jetzt hat der studierte Verwaltungswirt einmal mehr Segel in unbekannte Richtung gesetzt. Sein Ziel hat er zwar fest vor Augen. Aber derzeit ist er dennoch so etwas wie ein Steuermann ohne Kompass, der eine Menge ziemlich unberechenbarer Klippen zu umschiffen hat. An Bord: eine Crew von 640 Mitarbeitern sowie rund 55.000 „Passagiere”, sprich Hartz-IV-Empfänger mit Wohnsitz zwischen Baesweiler und Monschau.

Strapazieren wir das altbekannte Bild ein letztes Mal, weil´s so schön passt: Denn auf hoher See ist man bekanntlich ebenso allein in Gottes Hand wie vor Gericht. Will sagen: Noch ist keineswegs geklärt, ob die Arge als Flottenverbund von Städten und Bundesagentur nicht massiv auf Grund läuft - in Karlsruhe. „Wir hoffen sehr, dass die Verfassungsrichter eine Lösung finden, damit die Zusammenarbeit fortgesetzt werden kann. Denn jetzt beginnt sie, sich wirklich auszuzahlen”, sagt der 42-Jährige. Sollte sich sein Wunsch erfüllen, dürfte er selbst einen kleinen Teil dazu beigetragen haben.

Sachverständiger fürs BVG

Als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Argen in NRW war Graaf im fortdauernden Streit um deren juristisch wasserdichte Neuaufstellung Sachverständiger vor dem BVG. Das hatte die Organisationsform als Mischkonstrukt von Bundes- und Kommunalbehörden bekanntlich „kassiert”. Bis Januar 2011 muss der Rahmen zur Beschäftigungs- und Leistungsvermittlung für Langzeitarbeitslose neu gesteckt sein. Graaf: „Ich hoffe auf eine eigenständige Rechtsform.”

Eine von mindestens drei großen Herausforderungen, die den Vater zweier Kinder mit Sicherheit in Atem halten werden. „Jetzt müssen wir zunächst die Fusion praktisch umsetzen”, sagt Graaf. Integration - sowohl in eigener Sache als auch durch Jobvermittlung - heißt die Devise. Zumal die berühmt-berüchtigte Konjunkturkrise sich voraussichtlich 2010 weit härter niederschlagen werde als bislang. Für die „Kunden”, das verspricht Graaf, werde sich allerdings nichts ändern. „Bodenständige Strukturen” liegen ihm nach eigenem Bekunden ebenso am Herzen wie „der Anspruch jedes einzelnen auf würdevolle und kompetente Behandlung”.

Zwar sei er sich bereits als Arge-Chef im Kreis angesichts des denkbar komplizierten Geflechts der übergeordneten Entscheidungsträger zuweilen wie ein „Konsenspapst” vorgekommen. Dennoch erlaube er sich weiter, auch Kritik zu äußern. So sei es nicht hinnehmbar, dass rund 20 Prozent der Hartz-IV-Empfänger zwar eine feste Stelle hätten, aber als „Aufstocker” dennoch auf staatliche Leistungen angewiesen seien. „Mehr Netto vom Brutto wäre ein besserer Weg”, bringt er seine Forderung nach effektiveren Lösungen auf den Punkt.

Denn: „In fünf Jahren haben wir allein im Leistungsrecht über 40 Gesetzesänderungen erlebt. Da blicken selbst Experten nicht mehr durch. Wir müssen die Bestimmungen einfacher und bürgerfreundlicher gestalten.” Schließlich: „Die neue Arge braucht schnell Planungssicherheit - auch, damit wir unsere hoch engagierten Mitarbeiter intensiver schulen können für ihre vielfältigen Aufgaben.”