Roetgen: Stein-reiche Wörter: Maria Feige ist Deutsche Meisterin im Scrabblen

Roetgen: Stein-reiche Wörter: Maria Feige ist Deutsche Meisterin im Scrabblen

Es gibt genau 76 Wörter im deutschen Duden, die aus zwei Buchstaben gebildet werden. Die Ud ist dabei, eine arabische Laute und auch das Go, ein japanisches Brettspiel, der griechische Buchstabe Pi und das jedem bekannte Ei. Maria Feige kennt alle diese Worte.

Und noch viele, viele mehr, auch die, die mit drei, vier, fünf oder mehr Buchstaben gebildet werden, und von denen so mancher sagen würde „Das hab ich ja noch nie gehört”.

Was den deutschen Wortschatz angeht, ist die Roetgenerin eine wahre Expertin. Der Grund ihrer Leidenschaft für die Sprache ist ein Spiel. Ein Brettspiel, altmodisch aber noch immer aktuell, wie sie sagt. Mit vielen kleinen Steinchen, einem bunten Spielfeld und unendlich vielen Möglichkeiten zu punkten: Scrabble.

Seit Anfang November ist Maria Feige sogar Deutsche Meisterin im Scrabble-Spielen. „Es ist zwar ein inoffizieller Titel, aber einen offiziellen gibt es nicht”, sagt die Meister-Spielerin und lacht. „Ich bin also schon sehr stolz.”

Eine Woche lang kämpfte Maria Feige in Bad Sassendorf um Punkte und „Scrabbles” und schlug nach 18 Spielen im Finale die Siegerin der beiden Vorjahre aus der Schweiz. Erwartet hat die Mutter von zwei Kindern den Triumph nicht, doch erhofft schon. „Die Turniere finden immer in chicen Hotels statt, und das ist nicht gerade billig, sich da eine Woche lang einzuquartieren”, erzählt sie. „Und da ich wusste, dass der Gewinner zum nächsten Turnier eingeladen wird, wollte ich natürlich siegen.”

Das Atelier

Gesagt getan. Aus den Buchstaben LERTEAI formte Maria Feige nach einer knappen Viertelstunde Grübelei vor Publikum das Wort Atelier. Scrabble! 73 Punkte. Der Grundstein zum Meistertitel war gelegt und wurde schließlich nach Roetgen geholt. Zum Abschluss des Turniers, das übrigens die „Zeit” veranstaltete, gab es dann eine große Feier mit einem üppigen Essen und Tanzabend.

„Nach einer Stunde haben wir uns aber alle in den ruhigen Nebenraum gesetzt und noch ein wenig gescrabbled”, berichtet Feige von ihrer Siegesfeier. So sei sie halt, die eingeschworene Gemeinschaft der Knobelfreunde, ein wenig verrückt, doch auch nicht verrückter als ihr Mann, der, wenn er seinem Hobby frönt, gelb-schwarz bemalt zum Tivoli pilgere.

Angefangen hat Maria Feige mit dem Scrabble-Spiel als ihre Kinder noch klein waren und es gemeinsam mit der Schwester in den Urlaub ging. „Wir haben zusammen gespielt und es hat uns einfach gepackt”, berichtet sie. Später, als die Kinder größer wurden und sie ihre Schwester, die in Osnabrück lebt, nicht mehr so oft sah, haben die beiden eine neue Möglichkeit gesucht, trotz der räumlichen Distanz zusammen zu scrabbeln.

„Da haben wir dann das Internet für uns entdeckt”, erzählt die 52-Jährige. Zunächst spielten die Schwestern auf der Seite der „Zeit”, später fand man mit Hilfe der neuen Scrabbel-Freunde aus dem World Wide Web weitere Seiten, auf denen man Online gegeneinander antreten kann.

Im Internet heißt Maria Feige übrigens nur Mixy und ist eine echte Größe in der Scrabbel-Szene. Jeden Tag schaut sie in ihre E-Mails, ob ihre Spielpartner wie „Elise”, ein Professor aus dem Schwarzwald, seinen Spielzug beendet hat und sie nun an der Reihe ist.

„Der PC ist zwar eine gute Alternative aber am Tisch macht das Spiel natürlich viel mehr Spaß”, sagt die gelernte Mathe- und Physiklehrerin. „Leider ist es unheimlich schwer, gute Partner zu finden.” Wer also mit Ny, Tö, Ul oder Äs etwas anfangen kann und das Scrabbeln im Blut hat, findet in Roetgen wahrscheinlich seine Meisterin.

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