Steckenborn: Steckenborner beim Weihnachtsbaumschmücken spendenfreudig

Steckenborn: Steckenborner beim Weihnachtsbaumschmücken spendenfreudig

Die Steckenborner sind als spendenfreudiges Volk bekannt, was man regelmäßig an den Kirchenkollekten ablesen kann. Der Solidaritätsgedanke, wenn es um den viel zitierten guten Zweck geht, lässt die Bürger aber auch bei anderen Gelegenheiten gerne tief in die Tasche greifen.

Ein hervorragendes Beispiel dafür ist das Weihnachtsbaumschmücken, das seit dem Jahr 2003 alle zwei Jahre stattfindet, und auch bei der sechsten Auflage am vergangenen Samstag zu einer großartigen Demonstration des dörflichem Gemeinschaftssinnes wurde. Der Erlös des kleinen Weihnachtsmarktes im Ortskern wird auch diesmal wieder in vollem Umfang dem Förderkreis „Hilfe für krebskranke Kinder Aachen“ zur Verfügung gestellt.

Einen enormen Zuspruch in der Bevölkerung erfuhr auch das sechste Weihnachtsbaumschmücken in Steckenborn. Foto: Stollenwerk

Auf nur etwa vier Stunden war das Weihnachtsbaumschmücken begrenzt, und um umso erstaunlicher war wieder der Kassensturz: Exakt 14.622,72 Euro kamen zusammen. Eine spürbare Aufstockung dürfte der Betrag dann noch in knapp drei Wochen erfahren, denn traditionell will auch die Band Gnadenhof den Erlös ihres Christmas-Benefizkonzertes am 16. Dezember im Saal Stollenwerk für die Aktion spenden.

Insgesamt 85.000 Euro Spenden

Das Weihnachtsbaumschmücken zugunsten des Förderkreises „Hilfe für krebskranke Kinder Aachen“ geht zurück auf eine private Initiative von Hartmut und Marita Jung aus Steckenborn, die aus persönlicher Erfahrung in der eigenen Familie wissen, welch‘ unschätzbar wichtige medizinische Arbeit die Kinderkrebsstation im Aachener Klinikum leistet.

Von der dort erfahrenen Hilfe und Begleitung wollten sie etwas zurückgeben, und riefen daher die Aktion ins Leben, die in Steckenborn eine Welle der Unterstützung auslöste. Diese lässt sich in Zahlen festmachen: Bei den sechs Veranstaltungen kamen über 85.000 Euro zusammen, die zu 100 Prozent an den Förderkreis weitergegeben wurden. „Diese anhaltende Resonanz und die Spendenbereitschaft der Bevölkerung hat uns immer wieder angetrieben, die Aktion fortzuführen“ sagt Hartmut Jung.

Die Absicht, möglichst viele Menschen zu bewegen, krebskranken Kindern zu helfen, fiel auch beim sechsten Weihnachtsbaumschmücken unter dem Motto „Kinder für Kinder“ wieder auf fruchtbaren Boden.

Zunächst waren die erwartungsfrohen Kinder an der Reihe, die als Botschafter der Aktion von zwei Hebebühnen aus den Weihnachtsbaum auf dem Platz gegenüber der Gaststätte Stollenwerk schmückten und so auf die Adventszeit einstimmten. Auch der Erlös des Weihnachtsbasars und einer Verlosung wanderte in den großen roten Spendenstiefel. Die ortsansässigen Musikvereine unterstützen die Aktion mit musikalischen Beiträgen. Hinzu kamen rund 75 freiwillige Helfer aus dem Bekannten- und Familienkreis sowie den Ortsvereinen, die sich uneigennützig in den Dienst der guten Sache stellten.

Am Grill- und Reibekuchenstand waren keine festen Verkaufspreise vorgegeben, sondern es blieb den Besuchern selbst überlassen, eine Spende nach eigenem Ermessen für den Verzehr einzubringen.

„Wir wissen, dass die Spenden gut angelegt sind, und haben selbst erfahren, wie wichtig die Arbeit des Förderkreises ist“, ergänzt Marita Jung.

Ortskartell setzt Aktion fort

Dann wurde es kurzfristig emotional auf dem Platz, als die Familie in Anwesenheit ihrer beiden Kinder Dennis (17) und Niklas (20) erklärte, dass man die Aktion in diesem Jahr zum letzten Mal organisiert habe. „Wir würden jetzt gerne ein wenig Abstand nehmen“, sagte Marita Jung.

Die Familie aber möchte die Arbeit des Förderkreises weiter unterstützen und will auch fortan als Vermittler von Spendenaktionen zur Verfügung stehen. Diesen Ball griff Steckenborns Ortskartellvorsitzender Christof Hilger sogleich auf. Er dankte der Familie Jung für ihr Engagement und ihre Initiative. Das Weihnachtsbaumschmücken sei eine „echte Bereicherung“ für den Ort, so dass man im Ortskartellvorstand den Gedanken aufgegriffen habe, die Aktion auf neuer Basis im Zwei-Jahres-Rhythmus fortzuführen.

Die aktuelle Spendensumme soll der Anschaffung einer Monitorenanlage für ein Intensiv-/Überwachungszimmer auf der Kinderkrebsstation sowie der kindgerechten Einrichtung der Station für die Stammzellentransplantation dienen.

„Alle Spendengelder werden im Sinne der Betroffenen verwendet“, versicherte Marlies Hambücker, die Vorsitzende des Förderkreises, die vor 35 Jahren zu den Mitgründerinnen der Organisation gehörte. Bei ihrem Besuch in Steckenborn zeigte sie sich überwältigt von der Resonanz der Bevölkerung. Mit den Spendengeldern sei beispielsweise zuletzt für 250.000 Euro ein der Station angegliederter Dachgarten errichtet worden.

Die Arbeit des Förderkreises in hohem Maße zu schätzen, wusste auch der ebenfalls anwesende Prof. Udo Kontny, der ärztliche Leiter der Kinderkrebsstation des Klinikums Aachen. Es sei schwer vorstellbar, in welche schwierigen Situationen Eltern gerieten, wenn sie mit der Krebsdiagnose eines ihrer Kinder konfrontiert würden, selbst wenn die Heilungschancen inzwischen bei 80 Prozent liegen würden.

Rund 40 Patienten würden im Jahr behandelt und häufig ziehe sich der Behandlungsprozess über zwei Jahre hin. Die medizinische Ausstattung der Station sei zwar gewährleistet, aber durch die Spendengelder des Förderkreises sei es möglich, viele begleitende Maßnahmen, wie beispielsweise ganz aktuell Zustellbetten für Eltern, zu finanzieren, „die für die Unterstützung und Begleitung der Familie enorm wichtig sind“.

Noch einmal emotional wurde es dann auf dem in weihnachtliche Atmosphäre getauchten Platz, als der Musikverein Heimat-Echo in Erinnerung an den im vorigen Jahr verstorbenen Prof. Rolf Mertens, den langjährigen Leiter der Kinderkrebsstation, „Stille Nacht“ anstimmte.

(P. St.)
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