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Nordeifel: Starker Wind und Dröhnen in der Erde

Nordeifel : Starker Wind und Dröhnen in der Erde

Voller Panik stürzten die Menschen auf die Straße, fluchtartig verließen sie die Kirchen: Dies geschah am 2. Weihnachtstag des Jahres 1755.

An diesem Tag erschütterte ein starkes Erdbeben das Monschauer Land. Immer wieder haben Erdstöße auch die Eifel erzittern lassen, wie am Neujahrsabend 2004 gegen 22 Uhr im Bereich Kalltal in Lammersdorf.

Empfindliches Gebiet

Die Eifel und die Aachener Region gehört in Deutschland zu den empfindlichen Gebieten. Erinnert sei auch an das Erdbeben am 13. April 1992 in Roermond. Das war mit einer Stärke von 5,9 auf der Richterskala das stärkste Beben hier in der Region seit 1756. Damals wurden im Rheinland 40 Menschen verletzt, die Schadenssumme wurde auf 150 Millionen Mark beziffert.

Kleinere Beben gibt es immer wieder, auch wenn sie kaum zu spüren sind: Vom 6. November bis zum 9. Dezember hat die Erde gleich zehnmal gebebt, davon allein achtmal im Raum Nörvenich, die größte Stärke lag bei 1,7 auf der Richterskala.

„Erschröckliche Erdbebung” anno 1666

Auf der Internetseite „Erdbeben” des Geologischen Dienstes NRW werden alle Beben in der Region aufgezeichnet. Ein paar Beispiele: Am 9. September 1992 gab es in Mützenich gleich zwei Erdbeben: um 4.33 Uhr (Stärke 1,0) und um 5.25 Uhr (1,2). Das Erdbeben am 16. Februar 2001 in Monschau erreichte eine Stärke von 2,3.

Das älteste Erdbeben, das im Eifelland aufgezeichnet wurde, geschah am 20.Mai 1666, es wurde in den Analen als eine „erschröckliche Erdbebung” überliefert. Besonders schlimm war das Erdbeben am 1. November 1755, bei dem die portugiesische Hauptstadt Lissabon fast ganz verwüstet wurde.

Schornsteine stürzten ein

Monate lang gab es immer wieder Erdstöße, so auch am 2. Weihnachtstag 1755: Alle Häuser würden einstürzen, so hatten die Menschen damals in der Eifel befürchtet. Das Beben hatte die Menschen während des Gottesdienstes am Morgen überrascht. Fluchtartig verließen sie die Kirchen, um draußen Schutz zu suchen.

Der Höhepunkt der Erdbebenserie damals war das Beben am 18. Februar 1756: In Aachen stürzten einige Häuser ein, mehr als 300 Schornsteine stürzten herab, zwei Menschen wurden dabei tödlich verletzt. Die Stadtmauer in Düren bekam große Risse, wochenlang hauste die Bevölkerung in Strohhütten, weil niemand mehr es wagte, in den Häusern aus Stein zu wohnen.

Risse im Kirchturm

Überliefert ist auch ein Erdbeben am 3. Dezember 1828. Damals bebte die Erde so stark, dass die Felsen auf dem Monschauer Mühlchen ins Rutschen kamen. Die Bewohner des Barkhausenschens Gebäudes mussten das Haus vorübergehend verlassen. Am 3. Dezember 1828 bebte um 18.30 Uhr die Erde abermals: „Es dauerte sechs bis acht Stunden, die Fenster klirrten, die Tiere sehr unruhig, die Kühe im Stall versuchten sich loszureißen”, wie eine alte Chronik überliefert.

Deutliche Spuren hinterließ auch das Erdbeben um 8.50 Uhr am 24. Juni 1877: Der Turm an der katholischen Kirche in Roetgen erhielt mehrere Risse. Überliefert ist auch ein Erdbeben am 26. August 1878: „Öfen und Schränke schwankten, Frauen liefen vor Schreck auf die Straße.”

Dieses Erdbeben in der Rheinprovinz hatte der Konzener Bäcker Johann Peter Huppertz in seinem „Tagebuch” festgehalten. Darin schrieb er: „Gerade als ich Brot in den Backofen schieben wollte, hörte ich ein donnerähnliches Geräusch, und die Türen und Fenster klirrten.” Johann Peter Huppertz berichtet auch über ein Erdbeben in der Nacht zum 11. Dezember 1878: „In Monschau und in der ganzen Umgebung wurde eine schwere Erderschütterung verspürt, die etwa 60 Sekunden dauerte. Mobiliar, Türen und Fenster hoben und senkten sich. In Konzen glaubte ein Mann, der am Fenster stand, dass ein neu erbautes Haus sich vor seinen Augen erhob und niederließ. Da sah er, dass die Dachpfannen in voller Erschütterung durcheinander flogen.”

Der Fußboden zitterte

Am 22. Juli 2002 bebte um 7.40 Uhr bebte die Erde in der Eifel und in der Aachener Grenzregion erneut. „Es war, als käme ein Panzer die Bergstraße herunter gefahren”, berichtete damals ein Bürger aus der Monschauer Altstadt über sein Erlebnis. In Konzen und anderswo ließ das Beben die Häuser leicht erzittern, die Stahlbetondecken der Häuser nahmen die Schwingungen des Bebens auf, unter den Füßen der Bewohner zitterte der Fußboden, derweil war draußen einen Augenblick lang ein dumpfes Grollen zu hören.