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Schulhund: Star der Sekundarschule mit vier Pfoten

Schulhund : Star der Sekundarschule mit vier Pfoten

Der Einsatz des jungen Labrador-Retrievers „Emil“ als Schulbegleithund in Simmerath wirkt sich schon nach wenigen Wochen positiv auf das Sozialverhalten der Kinder und das Schulklima aus.

Er ist gerade mal fünf Monate alt und besucht erst seit wenigen Wochen die Sekundarschule in Simmerath. Und doch kennt mittlerweile jeder der über 400 Schülerinnen und Schüler hier den jüngsten „Mitschüler“, den quirligen Labrador Retriever „Emil“. Der knuffige (noch) kleine Kerl hat hier alle Herzen im Sturm erobert, soll aber auf lange Sicht auch eine wichtige Funktion im Schulleben ausüben. „Ich habe während meines Referendariats in Bonn erleben dürfen, wie ein Schulhund in den Unterricht eingebunden werden kann“, erzählt die junge Lehrerin Jessica Karpa, die seit einigen Monaten zum Kollegium der Sekundarschule gehört. Nach ihrem Studium und ihrem Abschluss ging es im Bewerbungsgespräch in Simmerath auch um die Frage, wie die neue Lehrerin die Schule bereichern könne. „Ich habe dann das Konzept eines Schulhundes vorgestellt und bin damit bei der Schulleitung auf positive Resonanz gestoßen, zumal es am Standort Kleinhau zeitgleich ähnliche Überlegungen gab“, blickt die 29-Jährige zurück.

Ehe sich Jessica Karpa auf die Suche nach einem geeigneten Tier machen konnte, galt es wichtige Schritte zu tun. So musste die gesamte Lehrerkonferenz einbezogen und auch die Meinung der Elternschaft gehört werden. „Natürlich gab es auch skeptische Stimmen, aber insgesamt war man hier schon sehr offen für meine Idee“, sagt die junge Lehrerin.

Zu den unabdingbaren Voraussetzungen beim Einsatz eines Schulhundes gehört auch ein wissenschaftliches Konzept, das Jessica Karpa in diesen Tagen fertiggestellt hat. Hier ist unter anderem nachzulesen, „dass der Schulhund als sozialer Katalysator die menschlichen Kontakte zwischen den Schülerinnen und Schülern untereinander oder zu der Lehrkraft erheblich vereinfachen und verbessern kann“. Zudem verbessere der Hund das Unterrichtsklima, schaffe eine lockere Atmosphäre und trage zum Wohlbefinden und einem Gefühl der Freude bei Schülern und Lehrern bei. Einige Schulen berichten, dass es seit dem Einsatz der Hunde weniger verbale und körperliche Aggressionen gebe und ein geringerer Geräuschpegel in der Klasse herrsche, da alle Schüler bemüht sind, auf die hilflosen Tiere Rücksicht zu nehmen. „Gerade für Heranwachsende, die ihr Bedürfnis nach Nähe und Zuneigung nur schwer zeigen können, stellt der Hund eine Möglichkeit für freundliches Verhalten und positiven Körperkontakt dar“, heißt es im Schulhund-Konzept, das in Kürze auch auf der Internetseite der Schule nachgelesen werden kann.

 Die Klasse 6b ist stolz darauf, dass "Emil" nicht nur der Schulhund der Sekundarschule in Simmerath, sondern auch ihr Klassenhund ist. Die Kinder in Jessica Karpas Klasse haben sehr schnell den verantwortungsvollen Umgang mit dem Tier gelernt.
Die Klasse 6b ist stolz darauf, dass "Emil" nicht nur der Schulhund der Sekundarschule in Simmerath, sondern auch ihr Klassenhund ist. Die Kinder in Jessica Karpas Klasse haben sehr schnell den verantwortungsvollen Umgang mit dem Tier gelernt. Foto: Heiner Schepp

Für Jessica Karpa ist aber ein anderer Aspekt noch wichtiger: „Die Schülerinnen und Schüler erfahren vom freundlichen und wesensfesten Tier bedingungslose Liebe. Auch Kinder mit subjektiven Makeln wie Übergewicht, Pickel oder anderen Beeinträchtigungen erleben durch den Einsatz der Hunde positive Gefühle des Angenommenseins“, sagt die 29-Jährige. Erfahrungen anderer Schulen zeigen sogar, dass „schulmüde“ Kinder und Jugenbdliche nach dem Kontakt mit dem Hund wieder gerne zur Schule gehen und ihre Ängste abbauen.

„Hunde haben ein wesentlich besseres Gespür für die Stimmung und Nöte von uns Menschen“, ist Jessica Karpa überzeugt. Ängste und Unsicherheiten könnten „weggestreichelt“ werden und durch die Zuneigung des Hundes das Selbstwertgefühl wieder aufgebaut werden.

Jessica Karpa steckt viel Energie in die Erziehungsarbeit mit "Emil". Für die 29-Jährige aus Kesternich, die unter anderem Biologie unterrichtet, ist die Sekundarschule Nordeifel die erste feste Stelle.
Jessica Karpa steckt viel Energie in die Erziehungsarbeit mit "Emil". Für die 29-Jährige aus Kesternich, die unter anderem Biologie unterrichtet, ist die Sekundarschule Nordeifel die erste feste Stelle. Foto: Heiner Schepp

Auch im kognitiven Bereich kann ein Schulhund wertvolle Dienste leisten. „Das Lern- und Arbeitsverhalten wird durch die Anwesenheit eines Hundes zwangsläufig positiv beeinflusst. Da Schultaschen verschlossen, der Klassenraum ordentlich und frei von Essensresten oder Müll sein muss, wird der Bereich Ordnung und Sauberkeit von den Schülern selbst eingefordert. Da über das Streicheln des Hundes nachweislich Stress, Trauer, Aggression oder Depression abgebaut wird, entspannen sich die Schülerinnen und Schüler und können so besser lernen“, heißt es im Konzept und bestätigt die Praxis: Jessica Karpas Klasse, die 6b, weiß genau, dass im Klassenraum nichts auf dem Boden liegen darf, weil „Emil“ einfach alles erschnüffelt und im Zweifelsfall verspeist, „egal ob es Butterbrote, Papier, Schuhe oder Kleidungsstücke sind“, erzählt Jessica Karpa.

Die Kinder von Jessica Karpas Klasse sind sich einer gewissen Sonderstellung sehr bewusst, da sie natürlich die meiste Zeit mit „Emil“ verbringen. An drei Tagen in der Woche - das Tierschutzgesetz schreibt für Schulhunde zwei Tage Home-Office wöchentlich vor - begleitet der Labrador Retriever die Lehrerin nach Simmerath. Eine Wäscheklammer auf einem kleinen Schild mit „Emils“ Foto zeigt den ankommenden Schülerinnen und Schülern, ob der Hund gerade im Raum ist. Nach der täglichen Begrüßungszeremonie legt sich „Emil“ auf seinen gemütlichen Platz vorne links neben der Lehrerin. Längst haben die KInder gemerkt, dass „Emil“ nur dort dösen kann, wenn es in der Klasse nicht zu laut ist. „Deshalb haben sie ein eigenes Belohnungssystem entwickelt“, ist Jessica Karpa ein bisschen stolz auf ihre Klasse: Wenn es zu laut wird, ein Schüler die ganze Klasse um Ruhe bittet und dies auch funktioniert, gibt es eine kleine magnetische Hundepfote, die an eine kleine Tafel gehängt wird. „Wenn die Tafel voll ist, gibt es für die Klasse eine tolle Belohnung“, verspricht Jessica Karpa.

Die Kinder in ihrer Klasse sind ausnahmslos davon überzeugt, dass „Emil“ eine große Bereicherung für sie darstellt. „Wenn Emil da ist, ist es einfach viel ruhiger in der Klasse“, erzählt Lea. „Wir KInder sind einfach konzentrierter seit der Hund hier ist“, sagt Finn, und Tamy stellt fest: „Emil ist einfach unser Freund geworden!“ Lilli hatte sich schon zu ihrer Grundschulzeit einen Schulhund gewünscht und ist froh, „dass es jetzt hier an der Schule geklappt hat“.

Die positiven Rückmeldungen von Schülern und Lehrerkollegen freuen Jessica Karpa, doch die junge Lehrerin weiß genau, dass auf sie und „Emil“ noch viel Arbeit zukommt. „Er ist ja immer noch ein Welpe und bisher überhaupt noch nicht zum Schulbegleithund ausgebildet“, sagt die 29-Jährige. Lediglich die positiven Charaktereigenschaften seiner Rasse erlauben es, das Projekt Schulhund nun zu intensivieren. Reinrassige Labrador Retriever aus einer anerkannten Zucht sind kinderfreundlich und intelligent, leicht erziehbar, verspielt und voller Energie. „Letztere muss man momentan bei Emil manchmal noch ein wenig bändigen“, sagt Jessica Karpa lachend. „Emil“ besucht wöchentlich noch eine weitere Schule, nämlich die Hundeschule, wo Jessica Karpa fleißig mit ihm Gehorsam und Aktivitäten trainiert. Auch der regelmäßige Tierarztbesuch gehört zur Ausbildung zum Schulhund. „Das ist auch erforderlich, wenn er einmal älter sein sollte. Denn bei der geringsten negativen Wesensveränderung darf er nicht mehr als Schulhund eingesetzt werden“, sagt die Besitzerin. Jessica Karpa ist die wichtigste Bezugsperson für „Emil“ und darf das Tier vorerst nur in absoluten Ausnahmefällen mit Kollegen oder Kolleginnen „Gassi gehen“ lassen. Auch beim Gang durch die Schule ist sie stets an seiner Seite, „da nur ich direkt sehe, wenn er überfordert ist“, sagt die Pädagogin.

Jessica Karpa ist dankbar, dass Schulleitung und Kollegium das Konzept „Schulhund“ mittragen, und freut sich auf die weitere Arbeit in der Sekundarschule mit „Emil von der Montabaurer Höhe“, so sein vollständiger Zuchtname. Und für die Kinder ist das Tier ohnehin schon jetzt nicht mehr wegzudenken aus ihrem Schulalltag. Oder wie Sophia es formuliert: „Emil ist das Herz unserer Klasse!“