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Geburtenzahlen : Städteregion trotzt dem Negativ-Trend bei Geburtenrate

Geburtenzahlen : Städteregion trotzt dem Negativ-Trend bei Geburtenrate

In der Städteregion Aachen ist 2022 nur punktuell ein Rückgang der Geburtenraten festzustellen. Einige Kliniken erwarten sogar Höchstwerte.

Die Zahl der Geburten in Deutschland ist nach einem Bericht des MDR seit Anfang 2022 um mehr als 10 Prozent zurückgegangen – was in anderen europäischen Ländern schon früher passierte. Das Phänomen habe vor allem mit der Corona-Pandemie zu tun, vermuten Experten. In der Städteregion Aachen jedoch ist ein Absinken der Geburtenrate in dieser Deutlichkeit zumindest in den fünf Geburtskliniken und zehn Kommunen nicht zu beobachten, wie nun eine Umfrage zeigt.

Stadt Aachen sticht heraus

Das Landesamt IT NRW hat für die meisten Kommunen im ersten Halbjahr 2022 vor allem deshalb einen Rückgang beobachtet, weil die Zahlen im Vergleichszeitraum 2021 überdurchschnittlich hoch waren. Eine Ausnahme bildet hier die Stadt Aachen, wo in den Monaten Januar bis Juli im Jahr 2022 tatsächlich mit 1159 Geburten der niedrigste erste Halbjahreswert seit mindestens zehn Jahren bilanziert wurde. Zuvor hatte dieser Wert für die Kaiserstadt vier Jahre lang zwischen 1200 und 1365 Geburten von Januar bis Juli gelegen, wie Claudia Key von der Stabsstelle Presse und Kommunikation des Statistischen Landesamtes berichtet.

Einen prozentual ähnlich starken Rückgang gegenüber der 2021er-Geburtenrate gab es ansonsten nur in den Städten Alsdorf (226 Geburten von Januar bis Juli 2022), Eschweiler (282) und Stolberg (320), deren Werte aber im Zehn-Jahresschnitt absolut normal ausfielen. Nur leicht rückläufig war in den ersten beiden Quartalen des laufenden Jahres die Geburtenzahl in der Stadt Baesweiler (148) und in der Gemeinde Simmerath (76), aber auch hier dürfen die Werte mit Blick auf die Zahlen seit 2012 als absolut normal eingestuft werden.

Sogar ein Mehr an Entbindungen verzeichneten Anfang 2022 die Gemeinde Roetgen (41) sowie die Städte Monschau (60), Herzogenrath (239) und vor allem Würselen, wo mit 217 registrierten neuen Erdenbürgern von Januar bis Dezember laut IT NRW gar die dritthöchste Rate der letzten zehn Jahre verzeichnet werden konnte.

Stolberg: Kein Einbruch erwartet

In den Kliniken und Krankenhäusern mit Geburtshilfeabteilung in der Städteregion Aachen bewertet man die Situation auch eher unaufgeregt. „Es ist das ganz normale Auf und Ab“, sagt Ansgar Cosler, Chefarzt Gynäkologie und Geburtshilfe am Bethlehem Gesundheitszentrum in Stolberg. Die Geburtsklinik mit den meisten Entbindungen in der Städteregion Aachen erlebte im ersten Corona-Jahr 2020 insgesamt 2194 Geburten, im vergangenen Jahr waren es sogar 2245 Entbindungen im Stolberger Gesundheitszentrum. „Wenn sich der Trend des laufenden Jahres fortsetzt, werden wir hochgerechnet auf 2250 bis 2300 Geburten in diesem Jahr kommen“, erwartet Cosler keinesfalls einen Einbruch der Zahlen.

In der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin im Aachener RWTH-Klinikum ist zwar von Januar bis Oktober ein Rückgang der Geburtenzahlen festzustellen, allerdings nur gegenüber 2021, als die Geburtshilfe mit 1317 Geburten ein Zehn-Jahres-Hoch bilanzierte. 1136 Geburten bis Ende des dritten Quartals bewegen sich im normalen Bereich der statistischen Erhebung. „Die Zahlen sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, wenngleich natürlich immer Schwankungen zu verzeichnen sind“, sagt Dr. Mathias Brandstädter,

Leiter der Stabsstelle Unternehmenskommunikation an der Uniklinik. Für 2022 erwartet er aber kein deutliches Absinken gegenüber den vorpandemischen Jahren.

588 Babys kamen von Januar bis Oktober 2022 im Marienhospital Aachen zur Welt. „Das ist ein Zwischenwert, der höher liegt als in den beiden vergangenen Jahren (2020: 517, 2021: 575) und der eine ähnliche Jahres-Geburtenquote wie in den Vorjahren erwarten lässt, wie Sprecherin Mareike Feilen von der Katholischen Stiftung des Marienhospitals feststellt.

„Spannung im nächsten Jahr“

Rund 1100 Geburten im Jahr verzeichnet in normalen Jahren das Aachener Luisenhospital. Dass man diesen Wert 2022 voraussichtlich nicht erreichen wird, begründet Pressesprecherin Petra Pauli jedoch eher mit den Nachwirkungen der Corona-Pandemie. Rund 900 kleine Menschen erblickten bis Ende Oktober das Licht der Welt in der „Luise“, 968 waren es 2021 gewesen. „Der Krieg in der Ukraine begann Ende Februar und kann sich naturgemäß noch nicht auf die Geburtenzahlen auswirken“, rechnet die Leiterin der Unternehmenskommunikation vor und blickt voraus: „Nächstes Jahr wird es spannend werden, zu sehen, ob sich die Krisensituation auch auswirkt auf die Bereitschaft, Kinder in diese Welt zu setzen“, sagt Pauli.

Simmerath auf Rekordkurs

Schöne Nachrichten schließlich hat die kleinste Geburtsklinik in der Städteregion Aachen zu vermelden: Die Eifelklinik St. Brigida in Simmerath wird nach Stand der Dinge die höchste Geburtenzahl seit über 20 Jahren bilanzieren können. 314 Geburten verzeichnete das Artemed-Krankenhaus im Jahr 2021 insgesamt – „aktuell liegen wir bereits bei 344 Entbindungen“, freut sich Dr. Thomas Cousin, Leiter der Gynäkologie und Geburtshilfe in Simmerath. Für Cousin sind zwei Faktoren für die steigenden Zahlen verantwortlich: „Im Gegensatz zu manchen größeren Häusern haben wir keinen Personalmangel, also genügend Ärztinnen und Ärzte, Hebammen und Kinderkrankenschwestern“, sagt der Chefarzt. Zudem habe die sehr familiäre Geburtshilfeabteilung, die schon mehrmals von einer Schließung bedroht war und vor vier Jahren ebenfalls eine „Hebammen-Krise“ durchlebte, ihr Einzugsgebiet sukzessive vergrößert.

Fazit: Ein nachhaltiger Geburtenrückgang überall in Europa mag auch in Teilen Deutschlands angekommen sein, in der Städteregion Aachen aber bislang nicht.